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Chaldäische Orakel


Nach der Ausgabe von G.R.S. Mead frei ins Deutsche übertragen von Lorenzo Ravagli.


Wahrlich, Eines gibt es, bei dem alles Verstehen endet,
Eines, das du nur erfassen kannst, wenn dein Geist zur Blüte wird

Wenn du deinen Geist innerlich auf es richtest,
und es als ein Ding zu begreifen suchst,
dann wirst du es nicht verstehen.

Denn es gibt eine Kraft des Geistes,
die in alle Richtungen strahlt,
leuchtend mit dem Blitzstrahl der Gedanken.

Wahrlich, nicht mit Begierde sollst du streben,
nach dem Verständnis dieses Einen,
bei dem alles Verstehen endet;

ja nicht einmal mit der weit reichenden Flamme
des weit reichenden Geistes, der alle Dinge misst,
ausser jenes Eine, bei dem alles Verstehen endet.

Wahrlich, du bedarfst keiner Begierde, um es zu verstehen.

Aber das Auge deiner Seele muss rein sein,
abgewandt von allem, auf dass dein Geist rein sei und leer;

aufmerksam, auf dass du erkennen mögest
jenes Ende des Verstehens –
denn es liegt jenseits des verstehenden Geistes.

Denn Geist ist nicht ohne jenes, das ihn zum Geist macht.

Aber jenes Ende des Geistes existiert nicht außerhalb des Geistes.

Denn aus der Vaterquelle nichts entspringt,
das unvollkommen wäre.

Mass und Rhythmus und Vollkommenheit
benötigt die Seele, um mit jenem göttlich Einen zu kreisen.

Der Vater sät keine Furcht, sondern strömt Überzeugung aus.

Der Vater herrscht von innen, nicht von aussen,
indem er innen lebt, und nicht indem er von außen begrenzt.

Nicht wissend, dass Gott ganz Gott ist:
Ihr unwissenden Sklaven, werdet nüchtern.

Des Menschen Seele soll Gott ganz an sich pressen,
und nichts Sterbliches soll zwischen ihnen sein.

Aber jetzt ist sie ganz trunken,
denn sie schaut den göttlichen Glanz in der Sphärenharmonie
in deren Schwungkreis die sterbliche Hülle lebt.

Denn Macht ist mit ihm, Geist ist aus ihm.

Ganz zog der Vater sich zurück,
doch verschloss er sein eigenes Feuer nicht in seiner Erkenntnismacht.

Denn er schließt sein geistiges Feuer,
das Urfeuer, seine Macht,
nicht in die Schöpfung ein durch Arbeit,
sondern durch die Kraft des Geistes.

Denn es ist Geist vom Geist der Erbauer
dieser sichtbaren, leuchtenden Welt.

Der Vater schuf alles in Vollkommenheit,
und übergab es jenem zweiten Geist,
den alle Völker dieser Welt als den ersten besingen.

Die Dyade wohnt beim Vater,
denn er besitzt beides:
die Macht der geistigen Herrschaft über die Dinge
und die Macht, alle Dinge sinnlich wahrnehmbar zu machen.

Aller Dinge Vater ist das Feuer des Einen.

Daher wird er die väterliche Monade genannt.

Er ist die Monade, die alles umfängt,
die Monade, die die Zweiheit zeugt.

Aus diesen beiden fließt der Körper der Drei,
zuerst und doch nicht der erste,
denn nicht durch ihn wird das Erkennbare erkennbar.

Inmitten der Väter kreist das Zentrum der Hekate.

Aus den Höhlungen nahe der Rippen auf ihrer rechten Seite
entspringt, übersprudelnd, die Quelle der ersten Seele,
die in einem Augenblick Licht, Feuer, Äther und Welten beseelt.

Gemäß den Schöpfungsgedanken des Vaters,
musst du wissen, bewohne ich, die Seele,
die alle Dinge durch Wärme zum Leben erweckt, mein Gehäuse.

Auf der linken Seite Hekates ist eine Quelle der Tugend,
die nicht aus ihr hervortritt, die ihre reine Jungfräulichkeit nicht ausströmt.

Und auf ihrem Rücken, auf beiden Seiten,
ruht die Göttin, die unerschöpfliche Natur.

Ihr Haar scheint wie eine Mähne aus Licht,
die nach allen Seiten ausstrahlt.

Rhea, wahrlich, ist beides:
die Quelle und der Strom, der mit Wissen Begnadeten.

Denn sie ist es, die als erste die Kräfte des Vaters in ihren Schoß aufnimmt,
und jedem Wesen Geburt und Tod zuströmen läßt,
die wie in einem Rad ewig aufeinanderfolgen.

Der Geist des Vaters sprach, dass alles dreifach gegliedert sein sollte.

Sein Wille stimmte zu und so wurden alle Dinge dreifach gegliedert.

Er, der alle Dinge mit dem Geist des Ewigen regiert.

In jedem Kosmos wird die Triade sichtbar,
deren Quelle eine Monade ist.

Alle Dinge erscheinen in Gestalt der Dreiheit.

Aus dieser Triade mischte der Vater jeglichen Geist.

Er stattete Geist und Seele mit einer dreifachen Macht aus.

Wohl jenen, die die väterliche Tiefe erkennen,
die den Kosmos übersteigt.

Sie ist alle Dinge, aber auf geistige Art.

Das, was nicht zerschnitten werden kann, die Einfassung aller Quellen.

Quelle aller Quellen, Mutterleib, der alle Dinge zusammenhält.

Sie ist die Gestalterin und Gebärerin des lebenerzeugenden Feuers.

Es fließt immerfort in die Gebärschöße aller Dinge.

Die lebenspendende Macht des Feuers,
erfüllt von gewaltiger Macht.

Denn er allein, der Aion, der die Blüte des Geistes pflückt,
die in der Macht des Vaters erblüht,
besitzt das Vermögen, den Geist des Vaters zu verstehen,
und die Fähigkeit, sie allen Quellen und Wurzeln mitzuteilen,
die Macht zu verstehen und über seinen nie ruhenden kosmischen Umschwung zu wachen.

Von daher strömt der Urgrund des Stoffes herab,
vielfältig in unterschiedlichen Farben.

Von daher strömt der Feuerblitz herab,
und dämpft seine Flammenblüte,
wenn er in den Schoß der Welten strömt.

Denn dort beginnen alle Dinge abwärts zu wachsen,
und ihre wunderbaren Strahlen zu versenden.

Denn von ihm strömen aus die unerschöpflichen Donner,
die Feuerblitze empfangenden Schöße,
der überaus glänzenden, vaterbegatteten Hekate,
und die Gürtel, die die Feuerblüte und den gewaltigen Atem
jenseits der Feuerpole schmücken.

Wie eine erkennende Haut, durchlässig und empfindend,
teilt er die Welt.

Der Geist des Vaters, gefasst in wenige gerade Strahlen,
die unverrückbar in Nuten aus unerbittlichem Feuer blitzen.

Der Geist des Vaters quoll immer fort,
empfangend mit seinem Willen in all seiner Reinheit
Ideen, aus denen alle Formen entstehen
und aus einer Quelle gingen sie hervor.

Denn vom Vater stammten Wille und Ziel.

Ihre Unterschiede schuf das gnostische Feuer,
indem es sie in unterschiedliche Erkenntnisformen schied.

Für die Welt aus vielen Formen
entwarf der König einen geistigen Plan,
der nicht dem Wandel unterworfen.

Die Welt, die diesem Plan folgen muss,
den keine Welt erschöpfen kann,
freute sich an den Ideen, die alle Formen annehmen,
und nahm, sichtbar werdend, Formen an.

Nur eine Quelle gibt es dieser Ideen,
aus der andere und wieder andere entspringen,
eine Quelle, die keine Nähe duldet,
die Leiber der Gestirne quellen aus ihr hervor,
die ihre ehrfurchterweckenden Tiefen umkreisen
wie Bienenschwärme, blitzend um sie und über ihr,
in diese und in jene Richtung:

die gnostischen Gedanken aus der väterlichen Quelle,
die die Blüte des Feuers in ihrer Fülle sammeln
auf der Höhe der schlaflosen Zeit.

Des Vaters erste selbstvollendete Quelle war es,
der diese Keimideen entsprudelten.

Gedanken des Vaters! Flammendes Licht, reines Feuer!

Denn der eine, der sich selber zeugte, der Vater-Geist,
der seine Werke wahrnahm,
wob in sie alle der Liebe Band,
das mit seinem Feuer alles übermannt:

auf dass alles fortdauernd in Liebe brennt bis ans Ende der Zeiten,
und das Gewebe des gnostischen Vater-Lichtes niemals zerfalle.

Von dieser Liebe werden auch die Elemente des Kosmos bewegt.

Mit dem Band der bewundernswerten Liebe, die als erstes hervortrat,
bekleidet rings mit Feuer, ihrem liebsten Gefährten,
auf dass er die Mischkrüge mische
indem er in die Blüte seines eigenen Feuers sich ergieße.

Nachdem den Seelenfunken er mit Geist und Atem Gottes verbunden,
fügte als drittes er die reine Liebe hinzu,
die erhabene Meisterin, die alle bindet.

Tugend und Weisheit und wohlüberlegte Gewißheit.

Sieben Weltenfirmamente ließ der Vater hervorquellen.

Die Zentren der stofflichen Welt sind oben im Äther befestigt.

Die Ätherbahn des Mondes und der unbegrenzte Lauf
und die luftigen Fluten des Mondes.

O Äther, Sonne, Atem des Mondes, Lenker der Lüfte!

Ihr Kreise der Sonne und du Pulsschlag des Mondes
und Schoß der Luft.

Der Klang des Äthers und der Sonne,
der Ströme des Mondes und der Lüfte.

Und weite Luft und Bahn des Mondes
und du Äther-Gewölbe der Sonne.

Beide, Gang des Mondes und der Sterne.
Nicht um ihrer selbst willen wandeln die Sterne.

Und fünftens, in der Mitte, ein anderer feuriger Graben,
auf dem das lebenspendende Feuer in die stoffliche Welt herabfließt.

Das Zentrum, von dem aus alle Abstände zur Peripherie gleich sind.

Vom Feuer, vom Wasser, von der Erde und dem allnährenden Äther.

Wahrlich, dort gab es eine zweite Feuermasse,
die aus sich selbst alle unteren Dinge hervortrieb,
auf dass der Leib des Kosmos sich zu einer Kugel forme,
auf dass der Kosmos sichtbar werde,
sichtbar und nicht durchsichtig.

Verstoffliche nicht den Geist und verfestige nicht den Gedanken.

Denn er ist ein Abbild des Geistes;
aber was erzeugt wird, hat eine Art Körper.

Denn die Natur, die nimmer ruhende,
herrscht über die Welten und wirkt;
auf dass der Himmel auf ewig seinen geneigten Gang gehe,
und die flinke Sonne um sein Zentrum,
dass der Sitte gemäß er wiederkehre.

Wahrlich, in voller Waffenrüstung inwendig und auswendig,
wie eine Göttin.

Urgründe, die in ihrem Geist die Werke sahen, die der Vater dachte,
kleideten sich in diese Werke und Leiber,
damit die Sinne sie zu sehen vermögen.

Unter ihnen ist der erste Kreis der heilige
und in der Mitte der luftige
ein dritter aber wärmt die Erde mit seinem Feuer.

Denn alle Dinge sind die Knechte
dieser drei mächtigen Urgründe.