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Rudolf Steiner 1920 über Karl Rohm und Elisabeth Metzdorf-Teschner


Quelle: GA 197, Gegensätze in der Menschheitsentwicklung.
Vortrag in Stuttgart, 21. September 1920

S. 144-146

Sie wissen ja und unsere Freunde hier haben dagegen gekämpft, daß über ganz Deutschland und darüber hinaus einmal die abscheuliche Verleumdung aufgetreten ist von jenem Verrat deutscher Offiziere an die Entente durch die Bestrebungen der Dreigliederungsleute und so weiter. Ich habe nun in der letzten Zeit einiges aus jenen abscheulichen Schriftstücken geliefert bekommen, die in weiten Kreisen heute verbreitet werden: gefälschte Briefe, von denen gesagt wird, daß sie aus unseren Reihen stammen, die mit aller Raffiniertheit die schlimmsten Verleumdungen verbreiten, gefälschte Interviews, deren Charakter ich Ihnen nur dadurch zu charakterisieren brauche, daß ich Ihnen mitteile, daß ein solches gefälschtes Interview damit schließt: «D.H. gehört in Wirklichkeit nicht zum Steiner-Bunde. Er hat sich nur als Spion eingeschlichen, um hinter die Schliche zu kommen, und das Ergebnis hat er einem kleinen Kreis vaterländisch Gesinnter mitgeteilt, damit gesagt wird, daß der Steiner Hochverrat treibt und mit der Entente im Bunde steht!» Das ist nur ein kleines Pröbchen von den trüben Bestrebungen, die eine viel größere Verbreitung haben, als Sie glauben.

Ein sehr niedliches Beispiel in dieser Beziehung ist etwas, was auch jene Persönlichkeit der hiesigen Nachbarschaft, die ich in einem öffentlichen Vortrage einmal mit dem Worte «Schwein» [gemeint ist Karl Rohm in Lorch] bezeichnet habe — weil alles, was von dieser Persönlichkeit gegen mich gerichtet ist, mit keinem andern Worte bezeichnet werden kann —, jetzt von dort durch die schwarze Kunst verbreitet unter dem Titel: «Die gestohlene Dreigliederung.» Da wird nichts Geringeres behauptet, als daß einmal eine Dame eine Dreigliederung geschaffen habe — allerdings ist die Dame nicht vorsichtig genug, weil sie nichts darüber gelesen hat, wie früh in gewissen Kreisen meine Dreigliederung verbreitet worden ist; sie gibt einen Zeitpunkt an, der etwas später liegt als der Zeitpunkt, wo ich mit sehr vielen Leuten über die hier vertretene Dreigliederung gesprochen habe —, aber diese Dame habe auch eine Dreigliederung geschaffen; das Manuskript habe sie einer philanthropischen Gesellschaft geschickt, es sei dann nach Hamburg gewandert, dort habe es der Betreffende statt vierzehn Tage für vier Wochen behalten, dadurch sei es wahrscheinlich von mir gelesen und so die Dreigliederung aus diesem Manuskript von mir genommen worden. Allerdings kann die Dame nicht gut sagen, daß irgend etwas zwischen der hier vertretenen Dreigliederung und dem, was sie damals in jenes Manuskript hineingeschrieben hat, übereinstimmt. Deshalb sagt sie: «Die Dreigliederung ist zwar aus diesem Manuskript gestohlen — aber sie ist verpfuscht!»

Jawohl: Der hat mir meine Uhr gestohlen, aber das ist eine ganz andere! Nun hat sie eine Schrift verfaßt über ihre Dreigliederung. Die besteht, wie sie angibt, in dem Goldenen Schnitt «Staat, Kulturreich, Kirche», wobei dann wieder alles durch den Goldenen Schnitt gefordert sein soll. Also wir haben den Einheitsstaat und darin zwei Teile, also genau «dasselbe», was auch die Dreigliederung will; deshalb ist die verpfuscht! — Damit Sie sich eine Vorstellung machen können, empfehle ich Ihnen sehr diese Schrift; der Titel heißt: «3 :5, 5 :8 = 21:34 — Das Geheimnis, die Schuldenlasten in absehbarer Zeit tilgen zu können», von Elisabeth Mathilde Metzdorff-Teschner, erschienen 1920 im Selbstverlag. — Sie könnten etwas gut machen, wenn Sie jetzt sagten: Wir haben gearbeitet für die Dreigliederung, aber wir haben eigentlich nur im Auftrage der Frau Elisabeth Metzdorff-Teschner gearbeitet. — Denn das mutet sie uns auch noch zu, indem sie an allerlei Leute Briefe schreibt.

Das sind die Unterlagen für das, was ein Herr Rohm schreibt und was jetzt in die Schweiz geht und von allen katholischen Seelenhirten den Leuten dort aufgetischt wird. Natürlich hat niemand eine Ahnung davon, was an der Quelle steht, sondern es wird den Leuten in den Artikeln etwas ganz anderes erzählt, was die Leute ganz gut glauben könnten, da man nicht auf diese Narrheit als Quelle hinweist. So wird heute gearbeitet, aber nicht etwa unbewußt, sondern ganz bewußt. Gegen das wird bewußt gearbeitet, was aus ehrlicher Bestrebung heraus dem wirklichen Fortschritt der Menschheit dienen will! Und die, welche allen voran in der Schweiz zum Beispiel in solchem Stile arbeiten, sind für den Augenblick die katholischen Seelenhirten, die alles das nachdrucken, was von jenen Zentralen ausgeht, die von Herrn Knapp und andern befehligt werden und was in den Schmutzkübeln des Herrn Rohm abgeladen wird und so weiter. Dabei fällt mir immer ein, wieviel Leute es bis vor kurzem gegeben hat und noch gibt, die in der Schar der Anthroposophen wackere Abonnenten des «Leuchtturms» des Herrn Rohm sind und die einem immer mit den Ansichten des Herrn Rohm, mit dem oder jenem kamen!

Ich mußte Ihnen aber diese kleinen Proben — ich könnte die Beispiele reichlich vermehren — schon einmal vorführen, damit Sie sehen, mit welchen Mitteln gearbeitet wird.

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