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Die heilige Rede des Hermes Trismegistos

Eine freie Übersetzung des dritten Traktats des Corpus Hermeticum von Lorenzo Ravagli


Alle Dinge offenbaren Gott, das Göttliche und die göttliche Natur.

Der Ursprung des Seienden sind Gott und der Geist, die Natur und der mütterlich empfangende Schoß des Stoffes.

Die Gnosis macht das All offenbar. In ihm wirken das Göttliche und die Natur, die göttliche Schöpferkraft und das Gesetz des Schicksals, das Vollendungsziel und die Kraft, die alles erneuert.

Einst war nur ein dunkler Abgrund und grenzenlose Finsternis. Durch göttliche Macht aber entstand das Wasser und ein zarter Windhauch des Geistes wehte über dem Chaos. Da sprang das heilige Licht empor, im Schoß des Chaos bildeten sich aus der wässrigen Substanz die Elemente und alle Götter ergossen ihre Samenkraft in die Natur. Noch war alles ungeschieden und ungeordnet, da wurde das Leichte ausgesondert und in die Höhe gehoben, das Schwere aber als fester Grund in den feuchten, empfangenden Schoß gelegt. Das Feuer trieb die vermischten Stoffe auseinander und die himmlischen Leiber der Götter wurden im Äther befestigt, der sie trägt wie ein Wagen. Und der Himmel trat hervor mit seinen sieben Sphären, und die Götter traten hervor in ihren himmlischen Urgestalten, den Sternbildern. Und die Wandelsterne wurden abgegliedert samt den Göttern, die sie bewohnen. Die äußerste Sphäre aber schloss das Feuer ein und der göttliche Geist begann, sie im Kreis zu bewegen.

Und es schuf jeder Gott kraft der ihm eigenen Macht, was ihm aufgetragen war. So entstanden die Schlangen und die vierfüßigen Tiere, die Wassebewohner und die Vögel und das ganze samentragende Geschlecht. So entstand das Gras und das grüne Kraut  – und alles trug den Samen der Wiedergeburt in sich.

Die Götter säten durch ihren Logos die Völker der Menschheit aus, damit sie die göttlichen Werke erkennen und mitwirken an den Werken der Natur. Sie schufen die Menschen in all ihrer Vielfalt, damit sie über alles herrschen, was unter dem Himmel ist und das Gute erkennen. Sie sollten sich vermehren und gedeihen.

Sie schufen auch die Menschenseele, die von den Planetenregenten in die Verkörperung geleitet wird, damit sie den Himmel anschaue und das Wandeln der Götter des Himmels, die göttlichen Werke und die Bildekraft der Natur. Sie schufen die Menschenseele, damit sie ein Wahrzeichen des Guten werde, damit sie die göttliche Macht erkenne, zwischen Gut und Böse unterscheide, edle Künste erfinde und gute kunstreiche Werke vollbringe. Das Leben der Einzelseele und das Maß ihrer Gnosis bemisst sich von Anfang an nach dem, was sie von den Planetenregenten empfängt. Und wenn sie den Leib verlässt, gibt sie, was sie von ihnen empfing, wieder an sie zurück.

Auf der Erde werden große, erinnernswerte Werke entstehen, die bei der Erneuerung der Zeit alle Anteile der Dunkelheit hinter sich zurücklassen. Alles beseelte Fleisch, jede aus einem Samen entstandene Frucht und jedes andere vergängliche Werk wird nach dem unveränderlichen Willen der Götter erneuert werden, erneuert durch ihre verjüngende Kraft und den geordneten Kreislauf der Natur. Denn das Göttliche ist die vollkommene Ordnung des Kosmos, und seine natürliche Erneuerung vollzieht sich, weil er im Göttlichen wurzelt.


Das Corpus Hermeticum in einer preisgünstigen, englischen Übersetzung: Hermetica: The Greek Corpus Hermeticum and the Latin Asclepius in a New English Translation, with Notes and Introduction

 

 

 

Und in einer neuen deutschen, wissenschaftlichen Übersetzung:

Das Corpus Hermeticum deutsch, Teil 1: Die griechischen Traktate und der lateinische 'Asclepius' 

 

Das Corpus Hermeticum deutsch, Teil 2: Nag-Hammadi-Texte, Testimonien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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