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1982 | Apotheose oder Theophanie? – Sergej O. Prokofieff und die »Grundlegung der neuen Mysterien« – (1)

Prokofieffs Buch über die Grundlegung der neuen Mysterienstellt den Höhepunkt der Ausgestaltung jenes spirituell-sozialen Mythos dar, dessen Ausgangspunkt und Gravitationszentrum bis heute Rudolf Steiner bildet. Alle Ingredienzien eines solchen finden sich in dieser »großen Erzählung«: die wundersame, von Vorahnungen seiner künftigen Größe umgebene Geburt und Kindheit des Heros, die frühen Anzeichen seiner höheren Berufung, unterschiedliche Prüfungen in Form von Auseinandersetzungen mit Gegenmächten, die Nachtmeerfahrt (Abstieg in den Hades), die Wandlung durch das Opfer (Tod und Auferstehung), die Stiftung einer Gedächtnisgemeinschaft, die Ikonisierung seines Lebens als Sanktuarium erlösenden Wissens für all jene, die es erinnernd wiederholen und sich dadurch jener Gemeinschaft anschließen, die seines Namens und seiner Taten gedenkt.

Auch Prokofieff blickt, wie zu Beginn der 1980er Jahre in der anthroposophischen Diskursgemeinschaft üblich, auf das bevorstehende Jahrtausendende. Sein Buch beginnt mit den Sätzen: »Es nähert sich die Menschheit dem Ende des Jahrtausends und damit den Ereignissen, die nach Aussagen Rudolf Steiners für die ganze zukünftige Erdenentwicklung die größte Bedeutung haben werden.« Die Dringlichkeit der dadurch gestellten Aufgabe unterstreicht der folgende Satz: »Das Bewusstsein von der Unaufschiebbarkeit der Aufgaben, die, wenn man auf dieses Jahrhundertende hinschaut, heute vor der Anthroposophischen Gesellschaft und jedem einzelnen Anthroposophen stehen, veranlasste den Autor, dieses Buch zu schreiben« – das, wie er hinzufügt, nicht für das allgemeine Lesepublikum verfasst worden sei, auch wenn es in einem Publikumsverlag erschien und damit jedermann zugänglich war, sondern »nur für Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft« (PR, ebd.). Indem der Autor den Adressatenkreis seiner Ausführungen auf »Mitglieder der Gesellschaft« beschränkte, machte er zugleich deutlich, dass es aus seiner Sicht keine Anthroposophen außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gab. Nach dieser Präambel konnte sich eigentlich kein Mitglied erlauben, das Buch nicht zu lesen. Die Dringlichkeit wird durch den zweiten Absatz sogar noch verstärkt, der betont, die Aufgaben, die die drohende Zeitenwende stelle, müssten noch in diesem Jahrhundertgelöst werden (es blieben also 18 Jahre nach dem Erscheinen des Buches). »Den Anthroposophen« kommt bei der Lösung eine zentrale Bedeutung zu, liegt es doch an ihnen, den »geistigen Impuls« zu realisieren, der durch die Weihnachtstagung 1923/24 »in die Welt« getreten ist. Und sie (die Lösung) ist wiederum an die Bedingung geknüpft, in dieser Tagung ein »Mysteriengeschehen« zu erkennen, den »Anfang« jener »neuen Mysterien« nämlich, »deren Entwicklung für die ganze zukünftige Geisteskultur schicksalsentscheidend sein wird« (PR, ebd). Das Schicksal der gesamten Menschheit hängt also davon ab, dass die Mitglieder der Gemeinschaft der Auserwählten jene neuen Mysterien, die »Michael-Mysterien des esoterischen Christentums« »verwirklichen« (PR, ebd.).

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