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1983 | Das Problem des Bösen und der Hang zum Gesamtkunstwerk

Seit Juli 1982 gehörte Martin Barkhoff, der Sohn des Gründers der GLS-Bank, zu den Mitarbeitern der Goetheanum-Redaktion. Er hatte, wie Friedrich Hiebel bei der Generalversammlung am 27. März 1983 berichtete, seine Rechtsanwaltslaufbahn in Berlin aufgegeben, um seinen Wohnsitz in Dornach aufzuschlagen. Er war verantwortlich für das Nachrichtenblatt, die Beilage für die Mitglieder der Gesellschaft. 

Diese neue Redaktionsverantwortung schlug sich auch in den Berichten von der Generalversammlung nieder, die zu epischer Breite heranwuchsen, und sich, im Gegensatz zu den Berichten aus den vorangegangenen Jahren, die von Kurt Franz David verfasst worden waren, teilweise wie literarische Essays lesen. So dankenswert dieser neue Stil der Berichterstattung ist – der sich offenbar eng an Tonbandaufzeichnungen anlehnt –, weil er das gesprochene Wort ausführlicher wiedergibt, lässt er aber auch deutlich werden, mit welch weitschweifigen, mitunter nichtssagenden Informationen die Mitgliedschaft von einzelnen Vorstandsmitgliedern behelligt wurde. Besonders Manfred Schmidt-Brabant zeichnete sich durch die Kunst aus, mit vielen Worten wenig bis nichts zu sagen und ephemere Themen, wie das Parkproblem am Goetheanum, die Frage des Einsatzes elektronischer Hilfsmittel im großen Saal oder die Häufigkeit von gemeinsamen Sitzungen des Vorstandes mit Generalsekretären oder Zweigleitern in bedeutungsschweren Worten üppig auszumalen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren gedachte Rudolf Grosse einiger Verstorbener. Dieses Jahr gehörten die »engste« Mitarbeiterin Ita Wegmans, Madeleine Deventer, Sophie Schmidt, die Ehefrau Hans Schmidts, des Verfassers der Chronik zu Rudolf Steiners Vortragswerk, der Hamburger Arzt Julius Solti sowie Hans-Rudolf Niederhäuser, ein Gründungsmitglied der Nachlassverwaltung zu den Dahingegangenen. Sie alle waren in den ersten drei Monaten des Jahres verstorben. Wie schon in früheren Jahren umschiffte Grosse bei seinem Totengedenken alle Anlässe, auf die Wunden einzugehen, die die Geschichte der Gesellschaft auch in den Biografien dieser Verstorbenen – insbesondere im Fall von Deventer und Niederhäuser – hinterlassen hatte, und erzählte stattdessen Anekdoten aus ihrem Leben, die mit ihren biografischen Kernanliegen und der Rolle, die sie in der Geschichte gespielt hatten, nicht einmal am Rande zu tun hatten. Bei Niederhäuser erwähnte er immerhin, dass dieser die Zeitschrift Menschenschuleund zusammen mit Erich Gabert (1890-1968)– dem letzten noch von Steiner an die Stuttgarter Mutterschule berufenen Lehrer – im Rahmen der Gesamtausgabe die Lehrerkonferenzen herausgegeben hatte – die Nachlassverwaltung oder auch Marie Steiner kamen in seiner »Würdigung« aber überhaupt nicht vor. Auf diese Weise holte Grosse auch noch die größten historischen Kontrahenten heim in den Schoß der Gesellschaft und versäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass sie auch – oder gerade – nachihrem Tode für diese zweifellos segensreich wirken würden.

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