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1984 | Ein Coup und seine Verschleierung

Wie bereits berichtet, beschäftigten sich seit den 1970er Jahren einzelne Mitgliedergruppen detektivisch mit der Vereins- bzw. Gesellschaftsgeschichte. Dabei stießen sie auf Unstimmigkeiten zwischen der offiziellen Legende und historischen Dokumenten, die nach ihrer Auffassung darauf hindeuteten, dass kurz vor und nach dem Tod Steiners von verantwortlichen Funktionären des Goetheanumbauvereins und der Anthroposophischen Gesellschaft – irrtümlich oder mit Absicht – die von Steiner vorgesehenen Beziehungen zwischen den beiden Körperschaften fatal uminterpretiert worden waren.

Durch einen Coup, der mit der Eintragung in das schweizerische Vereinsregister begann und bei der Mitgliederversammlung von Gesellschaft und Verein am 29.12.1925 vollendet wurde, hatte der ehemalige Bauverein die bei der Weihnachtstagung gegründete Gesellschaft gleichsam verschlungen und damit zum Verschwinden gebracht. 

Von diesen Unstimmigkeiten zeugte auch die Existenz zweier Satzungen, deren widersprüchliche Bestimmungen eigentlich jedem auffallen mussten, der sich etwas näher mit vereins- oder gesellschaftsrechtlichen Fragen zu befassen imstande war: die in einem einzigartigen dialogischen Prozess während der Weihnachtstagung von allen Anwesenden diskutierten und verabschiedeten Statuten der durch eben diesen Prozess konstituierten »modernsten Gesellschaft, die es geben kann« – die laut Steiner deswegen die modernste war, weil aus ihr jegliche »Zustimmung zu Prinzipien«, jedes »dogmatische Bekenntnis ausgeschlossen« sein sollte – und die Statuten des ehemaligen Bauvereins, die im Zusammenhang mit der angeblichen Eintragung der Gesellschaft ins Vereinsregister angepasst worden waren.

Die beiden »Verfassungen« enthielten unterschiedliche Bestimmungen über den Zweck der jeweiligen Organisation, über die Aufnahme oder den Ausschluss von Mitgliedern und deren Rechte, über das Prozedere bei der Besetzung der jeweiligen Vorstände usw. Diese Widersprüche waren zwar vereinzelten Mitgliedern, sogar Mitgliedern des Vorstandes, spätestens um 1935 herum aufgefallen (darunter Albert Steffen, Elisabeth Vreede, Marie Steiner und Emil Leinhas), aber niemand wendete den zugrunde liegenden Problemen ein Forschungsinteresse zu, wie es von einer Gesellschaft zur Förderung der Geistesforschung zu erwarten gewesen wäre. Stattdessen wurde das widersprüchliche Ergebnis einer unverstandenen Geschichte pragmatisch damit aus der Welt geschafft, dass die Statuten der Gesellschaft der Weihnachtstagung in »Prinzipien« (!) umgetauft und in den Rang einer platonischen Utopie erhoben wurden, während die realen Verhältnisse innerhalb der Gesellschaft durch die modifizierten Vereinsstatuten des ehemaligen Bauvereins geregelt wurden, die man zur Durchführungsverordnung jener platonischen Utopie uminterpretierte. Letztere wurden den jeweiligen historischen Bedürfnissen entsprechend geändert und waren damit Ausdruck der realen Geschichte der Gesellschaft und ihrer (vereins-)politischen Verwerfungen, erstere leuchteten wie das Urbild einer idealen Gemeinschaft in einem Ideenhimmel vor sich hin, in dem es keine Paradigmen des Schlechten oder Unvollkommenen gab.

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