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1985 | Esoterische und astronautische Wahrheiten oder kann der Geistesforscher irren? (1)

Das anthroposophische Jahr 1985 begann mit einem kleinen Eklat. Georg Unger, der Sohn des 1929 ermordeten Carl Unger und seiner Frau Auguste Arenson, der seit 1963 die Mathematisch-Astronomische Sektion am Goetheanum leitete, veröffentlichte im Nachrichtenblatt für die Mitglieder einen Artikel über Äußerungen Rudolf Steiners und die Ergebnisse der Astronautik.

Als ehemaliger Visiting Fellow am MIT und am Institute for Advanced Studies in Princeton, der in Dornach die Mathematisch-Physikalische Korrespondenz herausgab, gehörte er gewiss nicht zu den Unberufensten, die sich zu dieser Fragestellung hätten äußern können. Sein Beitrag löste in der Mitgliedschaft heftige Reaktionen aus. Sogar Manfred Schmidt-Brabant, der Vorsitzende der Gesellschaft, sah sich bei der Generalversammlung genötigt, zu der von Unger ausgelösten Diskussion Stellung zu nehmen. Der Kern der Diskussion war kurz gesagt dieser: Hatte sich Steiner geirrt oder wurde er nur falsch verstanden? Mit anderen Worten: Konnte man die scheinbaren astrophysikalischen Irrtümer, die manche seiner Äußerungen enthielten, so interpretieren, dass sie nicht als Irrtümer erschienen, sondern als Beschreibungen nicht-physikalischer Sachverhalte aus einer extravaganten Perspektive? (So wie früher Theologen physikalische oder scheinbar naturwissenschaftliche Aussagen der Heiligen Schrift zu symbolischen oder moralischen Aussagen uminterpretierten, um die Bibel vor dem Vorwurf zu schützen, sie führten den Anspruch, sie sei eine göttliche Offenbarung, durch Widersprüche zu den Naturgesetzen ad absurdum).

In den 1960er Jahren, so Unger, hätten »anthroposophische Freunde« aufgrund gewisser Äußerungen Steiners, wonach sich auf dem Mond »alle Kohle in Silber« verwandle, vorhergesagt, der Versuch einer Landung auf dem Erdtrabanten werde zu einer Katastrophe führen. Verständige hätten schon damals erwartet, »die meisten materialistischen Vorhersagen« Steiners würden durch »fortschreitende Forschung und verfeinerte Beobachtungstechnik« modifiziert, »sensationelle Widersprüche« zur materialistischen Überzeugung von der physischen Natur des Weltalls dadurch jedoch nicht zutage treten.

Das Problem möglicher Widersprüche zwischen Steiners »materialistischen Vorhersagen« und der naturwissenschaftlichen Forschung führt Unger darauf zurück, dass viele Anthroposophen dessen Wirklichkeitsbegriff nicht zur Kenntnis genommen hätten, nach dem diese nicht an sich existiere, sondern durch das Erkennen des Menschen erst gebildet werde, genauer gesagt, durch die Synthese von Wahrnehmung und Begriff. Was uns als Wirklichkeit erscheint, hängt also sowohl von den Wahrnehmungen als auch von den Begriffen ab, die wir mit ihnen verbinden.

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