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1985 | Geschichtspolitik, Regenbogenkrieger und Spione

Am 11. März 1985, einen Tag nach dem Tod Tschernenkos, wurde, wie bereits erwähnt, der aus dem Nordkaukasus stammende Michail Sergejewitsch Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. Mit 54 Jahren war er – nach Stalin – der zweitjüngste Inhaber dieses Postens in der Geschichte der Partei. Wohl keinem der Politbüromitglieder, die sich für den relativ jungen Kandidaten entschieden, dürfte damals die weltgeschichtliche Bedeutung dieses Schritts klar gewesen sein. Mit einem gewissen Recht kann man Gorbatschow als Totengräber der Sowjetunion bezeichnen. 

Auf dem 27. Parteitag der KPdSU, im Februar 1986, sollten sich die Umrisse seines politischen Programms abzeichnen, als er Glasnost und Perestroika, Transparenz und Umbau, zu Zielen der Parteiarbeit erklärte. 

Die folgenden Jahre lieferten den Beleg für die alte Einsicht, dass der Mensch zwar denkt, aber häufig jemand anders die Geschicke der Menschheit lenkt. Gewiss war es nicht seine Absicht, die Sowjetunion zu beerdigen, aber die von ihm in Gang gesetzten Reformen wirkten sich doch so aus. Dass er es mit der verkündeten Offenheit tatsächlich Ernst meinte, zeigte sich zum Beispiel daran, dass er die Existenz des bisher geleugneten geheimen Zusatzprotokolls zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt aus dem Jahr 1939 zugab, das sich auf die Aufteilung Polens, der baltischen Länder und Bessarabiens zwischen Hitler und Stalin bezog. Er rief 1988 die sowjetischen Truppen aus Afghanistan ab und ließ eine Reihe von Regimekritikern, darunter Andrei Sacharow (1986) und Nikolai Bucharin (1987) rehabilitieren. Im selben Jahr sollte er sich von der seit 20 Jahren geltenden Breschnew-Doktrin verabschieden, die die Bevormundung der sozialistischen »Bruderländer« bei einer drohenden »kapitalistischen Restauration« gerechtfertigt und den Einmarsch in die ČSSR legitimiert hatte. An die Stelle der Breschnew-Doktrin trat die »Sinatra-Doktrin«, die den einzelnen Ländern des Warschauer Paktes entsprechend dem Text des Liedes gestattete, »ihren eigenen Weg« zu gehen. Und bei einer Rede vor der UN-Generalversammlung am 7. Dezember 1988 kündigte er einseitige Abrüstungsschritte der Sowjetunion an. 1989 sollte die Saat von Glasnost und Perestroika in Osteuropa aufgehen und am Ende dieses Jahres ließ Gorbatschow nach Gesprächen mit George Bush auf dem Kreuzfahrtschiff Maxim Gorki verlauten: »Der kalte Krieg ist zu Ende.« Ein Jahr später kam es zur deutschen Wiedervereinigung.

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