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Der Rassismus als monströses Kind der Aufklärung – IV

Der Belgier Théophile Simar, in den 1920er Jahren Bibliothekar des belgischen Kolonialministeriums, war einer der ersten Autoren des 20. Jahrhunderts, der den Begriff Rassismus verwendete und sich mit dessen Geschichte befasste (Théophile Simar, Étude critique sur la formation de la doctrine des races aux XVIIIe siècle et son expansion aux XIXe siècle, Bruxelles 1922). Er wies in seinem Buch darauf hin, dass Linné, Buffon und Blumenbach die Tradition der Klassifikation und des anatomischen Vergleichs des Menschen mit den Primaten und der Zuordnung der Unterschiede zwischen Menschen zu natürlichen Ursachen begründet hätten, meinte aber – ebenso wie später Eric Voegelin (»Die Rassenidee in der Geistesgeschichte von Ray bis Carus«, 1933) und Hannah Arendt (»Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft«, 1951/1955) –, die von diesen begründete physische Anthropologie sei nicht im eigentlichen Sinn rassistisch, da sie noch im Zusammenhang mit der griechisch-römischen Vorstellung von Ordnung und der logischen Einheit der Art stand. Die Rasse wurde laut Simar erst in dem Augenblick zu einer »reell wirkenden, lebendigen Kategorie«, als sie über die Klassifikationen von Hobbes, Locke, Montesquieu und der Anthropologen hinausging, und einen Willen zur Macht entwickelte, der auf einer Biologie fußte, die zwischen höheren und niederen Rassen unterschied.

Montesquieus Frage nach dem Geist der Gesetze führte laut Hannaford dazu, dass die Untersuchung von Regierungsformen sich nicht länger an Aristoteles und den Hierarchien orientierte, die Tradition, Offenbarung und Autorität als die »große Kette der Wesen« bezeichnet hatte, sondern sich dem Wesen der Seele und des Geistes zuwandte. Fortan kreisten die Auseinandersetzungen um Seele, Geist und Bewusstsein des Menschen. Während Aristoteles noch behauptet hatte, Politik liege jenseits der Natur, versuchten die Philosophen des 18. Jahrhunderts die Menschenrechte und die sozialen Handlungen aus der Natur des Menschen abzuleiten.

Der neue Staat, der an die Stelle der antiken Formen der polis und der res publica trat, wurde von manchen als autonomer organischer souveräner Leib gedacht, von anderen als Uhrwerk, das innerhalb eines neu entdeckten natürlichen Phänomens namens Gesellschaft situiert war. Manche Autoren befürworteten einen natürlichen und physiologischen Staatsbegriff, andere einen Staat, in dem das Leben völlig von ökonomischen, administrativen und moralischen Kriterien beherrscht war. Manche gestanden dem Staat nur gewisse rudimentäre Funktionen zu und überließen die Individuen innerhalb der Gesellschaft ihren eigenen persönlichen Interessen. Manchmal wurden Staat und Gesellschaft als Begriffe ganz aufgegeben und alles einer »verborgenen Hand« überlassen, welche die nackte Selbstsucht oder die autonome Vernunft der Einzelnen irgendwie in Übereinstimmung bringen sollte. Wie auch immer er gedacht wurde, der Staat trat nun zu jenen physiologischen und biologischen Begriffen in Beziehung, die durch die Werke der Naturhistoriker, Anatomen und physischen Anthropologen popularisiert worden waren. Die Gesellschaft fasste Individuen zusammen, die durch die Natur verbunden und zunehmend überzeugt waren, sie besäßen von Geburt an natürliche Rechte. Diese Individuen unterschieden sich grundlegend von den Bürgern Griechenlands oder Roms, deren Status sich aus ihren Handlungen in der politischen Arena ableitete.

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