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1977 | Deutscher Herbst – Anthroposophie im 20. Jahrhundert

Im Jahr 1977 steuerte der Wahnsinn des Linksterrorismus in der Bundesrepublik seinem Höhepunkt und desaströsen Ende zu. Als Name für die zweite Hälfte dieses Jahres hat sich die Metapher »Deutscher Herbst« etabliert, die für die elegische Befürchtung steht, der von den neuen sozialen Bewegungen und der außerparlamentarischen Opposition vorangetriebene Aufbruch des Lebens aus der Ära einer »bleiernen Zeit« (Margarethe von Trotta) und der von ihm verheißene gesellschaftliche »Frühling« der Liberalisierung und Emanzipation sei vom Untergang bedroht.

Die Rumpfsektion der zerlegten Landshut bei der Ankunft in Deutschland am 23. September 2017. Von LoveyDovey – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0. https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62698687

Die Metapher bringt die Wehmutsstimmung zum Ausdruck, von der die linksintellektuellen Produzenten (Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge u.a.) eines 1978 veröffentlichten Dokumentarfilms mit dem Titel »Deutschland im Herbst« angesichts der Ereignisse des vorangegangenen Jahres ergriffen worden waren. Volker Schlöndorff antwortete auf die Kritik an der gegenüber der RAF empathischen Tendenz des Films in der Frankfurter Sponti-Zeitung »Pflasterstrand« Ende 1978 trotzig: »Nach so einer Arbeit mit diesem Film, nach den Erfahrungen, die man dabei macht, fragt man sich nicht mehr, warum gibt es sogenannte Terroristen, sondern wie kommt es, dass es nicht viel mehr gibt. Wie kommt es, dass nicht alle um sich schlagen«.

Bereits im April dieses Jahres war ein Repräsentant des »Schweinesystems« und Hauptverantwortlicher der staatlichen »Repression« gegen die Propagandisten der Tat, Generalbundesanwalt Siegfried Buback, zusammen mit seinem Fahrer und einem weiteren Begleiter in seinem Auto vom RAF-Kommando Ulrike Meinhof erschossen worden. Ende Juli ermordeten Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar den Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Ponto, in seiner Frankfurter Villa, nachdem ihnen Albrecht, die mit dem Banker persönlich bekannt war, Eintritt verschafft hatte. Bei diesem Attentat handelte es sich um eine misslungene Entführung, die der Freipressung von RAF-Gefangenen dienen sollte. Die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer in Köln am 5. September ging hingegen wie beabsichtigt über die Bühne, sein Fahrer und drei Polizeibeamte wurden vom ausführenden Kommando ermordet. Doch im Gegensatz zur Lorenz-Entführung durch die »Bewegung 2. Juni« zwei Jahre früher, mit deren Hilfe es gelungen war, von der Regierung »der Reaktionäre und Bonzen« unter Helmut Schmidt die Freilassung Horst Mahlers und fünf weiterer Terroristen zu erpressen, blieb Schmidt diesmal hart und lehnte einen Gefangenenaustausch ab.

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