suche | spenden | impressum | datenschutz

Diese Webseite durchsuchen


Produktlinks



1978 | Anthroposophie im Dreipäpstejahr | Terrormorde, Massensuizide und friedlicher Umbau

Das »Dreipäpstejahr« verdankt seinen Namen spektakulären Ereignissen in der katholischen Kirche. Aber nicht nur diese altehrwürdige Institution weist 1978 eine durchwachsene Bilanz auf, sondern auch die Nebenbühne der neuen religiösen Bewegungen und die Hauptbühne der Weltpolitik.

Jim Jones (rechts), zusammen mit Cecil Williams von der Glide Memorial Church bei einer Protestversammlung in San Francisco 1977. Foto: Nancy Wong, CC BY-SA 3.0.

Im August dieses Jahres starb Paul VI., dem Johannes Paul I. nachfolgte, der allerdings bereits nach 33 Tagen plötzlich verschied. Während David Yallop, ein auf investigative Untersuchungen aufsehenerregender Kriminalfälle spezialisierter britischer Autor in seinem 1984 erschienenen Buch »Im Namen Gottes?« die These vertrat, Johannes Paul I. sei vergiftet worden, da er die Korruption in der Vatikanbank aufdecken wollte, die in die Machenschaften der Banco Ambrosiano um Roberto Calvi, den »Bankier Gottes«, und Michele Sindona, einen weiteren Bankier, und die Freimaurerloge Propaganda 2 von Licio Gelli verwickelt gewesen sei, lehnten sein Landsmann John Cornwell und der österreichische Pathologe Hans Bankl, der sich 1990 mit den Umständen des päpstlichen Todes auseinandersetzte, Yallops Thesen ab und sprachen sich für eine natürliche Todesursache aus, letzterer für einen Herzinfarkt. Von Yallop benannte Verschwörer, Kardinalstaatsekretär Jean-Marie Villot und Kardinal John Cody, der Erzbischof von Chicago, die angeblich vom verstorbenen Papst ihrer Ämter enthoben werden sollten, fanden Eingang in den Kinofilm der »Pate III« von Francis Ford Coppola sowie in den Roman »Sixtinische Verschwörung« von Philipp Vandenberg und erfreuen sich bis heute bei Anhängern der Kryptogeschichte des zweifelhaften Ruhms, einen Papst umgebracht zu haben. Im Konklave am 16. Oktober wurde völlig überraschend der Erzbischof von Krakau, Karol Wojtyła, zum neuen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gewählt. Er war der erste Slawe auf dem Thron der Westkirche. Der Professor für Philosophie und Sozialethik, der an der Katholischen Universität von Lublin lehrte, pflegte auch literarische Neigungen und zeichnete als Verfasser von Gedichten und Mysterienspielen, die bis heute auf katholischen Bühnen aufgeführt werden. Der polnische Papst sollte im Verlauf des nächsten Jahrzehntes durch seine Unterstützung der antikommunistischen Gewerkschaft Solidarność wesentlich zur Demokratisierung seines Heimatlandes beitragen.

Öffnet externen Link in neuem FensterLesen Sie weiter

Nach oben

nach Oben