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1979 | Die spirituelle Existenz der Hochschule und die Wurzel des Übels

Wer vom Auftritt des »ehemaligen« Vorstandsmitglieds einen Eklat, eine Generalabrechnung oder ähnliches erhofft oder befürchtet hatte, sah sich enttäuscht. Als der hochgewachsene Greis mit seinen schlohweißen Haaren leicht schwankend die lange Treppe von der hintersten Reihe des großen Saals unter der Orchesterempore hinunterstieg, um sich nach einem gnädig einladenden Wink von Manfred Schmidt-Brabant ans Rednerpult zu begeben, machte das Tuscheln und Raunen bald einer gespannten Stille Platz.

Witzenmann verteidigte sich in seiner Rede nicht gegen einzelne Vorwürfe, die erhoben worden waren, sondern stellte den Kern des Problems aus seiner Sicht erneut in den Mittelpunkt, die Methode der geisteswissenschaftlichen Arbeit, die sogenannte »seelische Beobachtung« und die spirituelle Existenz der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, von deren Fortbestand er – im Gegensatz zur Nachlassverwaltung – aufgrund der Praxis ebenjener Methode überzeugt war. Außerdem sprach er das Problem der Einmütigkeit von Beschlüssen des Vorstandes sowie die Kriterien der Zugehörigkeit zu diesem Gremium an. Seine Ansprache, die vollkommen frei von polemischen Untertönen oder Anwürfen war, führte zu einem Stimmungsumschwung im Saal, nach dem es nicht mehr als opportun erschien, das Vorhaben seiner Abwahl weiterzuverfolgen. Dies sollte sich aber erst nach der Abendpause herausstellen. Mehr noch als der Inhalt seiner Ansprache dürfte die gebrechliche und doch souveräne Ausstrahlung des Redners – die den Verfasser dieser Zeilen, der Augenzeuge des Geschehens war, an den von Plato geschilderten Auftritt des Sokrates vor dem athenischen Gericht im Jahr 399 v. Chr. erinnerte – zu diesem Stimmungsumschwung beigetragen haben. Da jeder Versuch einer Zusammenfassung der meisterhaften Gedanken- und Sprachkomposition Abbruch täte, sei die Ansprache im Folgenden in voller Länge abgedruckt. Witzenmann verstand übrigens seine Rede nicht als Apologie, sondern als »Rechenschaftsbericht«.

»Ich ergreife nicht gerne das Wort, denn es könnte so scheinen, als ob ich meine Abberufung verhindern wollte. Hierin mögen Sie so verfahren, wie es Ihrer Einsicht und Ihrem Verantwortungsbewusstsein entspricht. Aber ich bin der Versammlung und der ganzen Mitgliedschaft nach alledem, was hier zu der Sache, die ich vertrete, gesagt wurde, Rechenschaft schuldig.

Ich möchte zunächst zu denen sprechen, die sich der freundlichen, an mich ergangenen Einladung, zu sprechen, anschließen. Die anderen möchte ich um ihr Gehör bitten, um ihre Geduld, denn es ist meine Überzeugung, dass ich etwas zu sagen habe, was alle Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft, und nicht nur sie, angeht. Nicht, weil ich es sage; denn die Worte, die ich jetzt sprechen werde, können natürlich bei weitem übertroffen werden. Aber weil es sich nach meiner innersten Überzeugung um einen Inhalt handelt, der für sich Bestand hat. Und noch eine Bitte. Es wurde sehr ausführlich zur Sache im Vorausgehenden gesprochen. Haben Sie bitte mit mir die gleiche Geduld und gestatten Sie mir, dass ich etwas aushole und zunächst etwas zu sagen scheine, das nicht zur Sache gehört. Es gehört zur Sache ...

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