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1979 | Herbert Witzenmann über die Freie Hochschule und das Wesen der Anthroposophie

Fast exakt zwei Jahre nach der Rede Witzenmanns bei der Generalversammlung 1979 erschien die von ihm in Aussicht gestellte schriftliche Ausarbeitung seines »Rechenschaftsberichts« in der Zeitschriftenreihe Beiträge zur Weltlage. Zwar ist diese Ausarbeitung aus einem aktuellen Anlass entstanden, sie enthält aber Überlegungen zum Wesen der Freien Hochschule und zur Anthroposophie, die bis heute – abgesehen von den Ausführungen über »Klassenleser«, die durch die Publikation der »Klassentexte« inzwischen überholt sind – nichts von ihrer Relevanz verloren haben, obwohl sie vor bald vierzig Jahren niedergeschrieben wurden. Sie werden daher im Folgenden in voller Länge wiedergegeben.

Was Witzenmann über die beratende Funktion des Vorstandes im Unterschied zu einer verfügenden – die das Wesen der Hochschule zerstören würde – ausführt, liest sich wie eine Illustration zu einer Bemerkung, die Rudolf Steiner über den Vorstand am 6. Februar 1924 in Stuttgart fallen ließ: »Dieser Vorstand, der in Dornach zu Weihnachten gebildet worden ist, der beruht auf einer Art hypothetischen Urteils. Wenn die Gesellschaft aufnehmen will das, was er tut, dann wird er der Vorstand sein; wenn sie es nicht aufnehmen will, dann wird er überhaupt nichts sein«. Mit anderen Worten: der Vorstand der Gesellschaft sollte nur durch seine geistigen Leistungen existieren, durch die er sich die Anerkennung der Mitgliedschaft erwarb. Blieben diese aus, hörte er auf, zu existieren. Kein »ewiger Vorstand« also, keine autoritäre Machvollkommenheit, sondern gegenseitige Anerkennung freier Individualitäten im atmenden Austausch von Geben und Nehmen – auf beiden Seiten.

Und einige weitere Bemerkungen Steiners über das Zusammenwirken freier Individualitäten in der Gemeinschaft fügen sich hier ein, die das neuerdings propagierte Postulat einer »offenen Anthroposophie«, das paradoxerweise versucht, Richtlinien des Denkens und Regeln der Gesinnung zu etablieren, ins rechte Licht rücken: »Bei allem, was auf dem Boden der individuellen menschlichen Fähigkeiten erwachsen soll, kann nicht ein Gesamtwille in den Einrichtungen zum Ausdruck kommen; sondern diese Einrichtungen müssen solche sein, in denen die Einzelwillen sich voll zur Geltung bringen können.

Der einzelne Mensch muss gewissermaßen wie eine Naturgrundlage sich verhalten können. Man kann nicht über eine Landfläche hin aus Bedürfnissen heraus, die abgesehen von den einzelnen Teilen dieser Landfläche gefasst sind, diese bewirtschaften; man muss aus dem Wesen der einzelnen Teile kennenlernen, was sie besonders hervorbringen können […]

So muss auf geistigem Gebiete die auf den individuellen Fähigkeiten beruhende Einzelinitiative sich sozial auswirken können; sie darf nicht bestimmt werden durch den Inhalt eines Gesamtwillens. Dieser Gesamtwille muss unsozial wirken, denn er entzieht der Gemeinschaft die Früchte der individuellen menschlichen Fähigkeiten.

Es gibt keinen anderen Weg, die Früchte dieser individuellen Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen, als ihre Selbstverwaltung. Innerhalb dieser Selbstverwaltung kann allein der Zustand eintreten, durch den nicht ein die Fruchtbarkeit der Einzelmenschen für das soziale Leben unterdrückender Gesamtwille entsteht, sondern durch den in das Gesamtleben die menschlichen Einzelleistungen zu dessen Wohle aufgenommen werden«.

Doch geben wir Herbert Witzenmann das Wort.

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