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1980 – Zwischen verklärtem Ursprung und apokalyptischem Ende

Die von van Manen kenntnisreich ausgebreitete Selbstdeutung der anthroposophischen Gesellschaft zwischen verklärtem Ursprung und apokalyptischem Ende bildete den Stimmungshintergrund, aus dem viele Angehörige der sogenannten Tochterbewegungen die Kraft für ihre Tätigkeit schöpften. Sie wollten mitwirken an der Vorbereitung jener Kulmination, jener großen Entscheidungszeit, der die anthroposophische Bewegung am Jahrhundertende zustrebte.

Jörgen Smit in Aktion

Und tatsächlich sah es zu Beginn der 1980er Jahre so aus, als würde sich die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte in potenzierter Form fortsetzen. Die Zahl der Waldorfschulen beispielsweise war 1980 in Deutschland auf 70 gestiegen, zweifellos aufgrund des positiven Zuspruchs, den diese Pädagogik seitens einer anspruchsvoller oder kritischer gewordenen Elternschaft erfuhr.

Deutlich klangen die Motive, die van Manen in seinem Buch zusammengefasst hatte, auch in Ernst Weißerts Rückblicken auf die Entwicklung des Bundes der Freien Waldorfschulen im Jahr 1979 und 1980 an, die er als dessen Vorsitzender in der Zeitschrift Erziehungskunst jeweils zu Jahresbeginn veröffentlichte. Sie umfassten beide »Eventualitäten«, von denen Steiner 1924 so eindringlich gesprochen hatte: die Aufwärts- und die Abwärtsbewegung, Klimax wie Katastrophe.

Auf 1979 zurückblickend schrieb Weißert: »Wir sehen auf die erste Waldorfschulepoche von 1919-1933 oder 38 mit der beginnenden Ausbreitung im mitteleuropäischen Raum (Deutschland, Holland, Schweiz, dann England und schließlich sogar New York): wir sehen auf das gnadenvolle Wiederanfangendürfen seit 1945, das uns nun nach 34 Jahren die Ausweitung über die Erde hin geschenkt hat […] Nun, […] beim Hineinlauschen in das Kommende, werden die sorgenvollen Gedanken lauter [...] wir müssen erkennen, dass schubweise, nach scheinbar ruhigen Zeitepochen, neue Anstürme von Katastrophen und Zusammenbrüchen über die Menschheit kommen, so dass die wohlwollenden, mäßigenden und helfenden Bemühungen im Ganzen der Menschheit machtloser, ratloser, auswegloser zu werden scheinen. Die letzten Wochen, jedermann im Bewusstsein stehend, zeigen in Kambodscha, im Iran, in Afghanistan – und so ließen sich viele Namen anfügen – die sprunghaft sich ausweitende Gefährlichkeit der menschlichen Situation über die Erde hin. Das Bemühen wertvollster Kräfte, immer wieder in Geduld und mit neuem Beginn Frieden zu stiften oder zu retten, kann nur mit tiefster Bewunderung, Verehrung und Dankbarkeit erlebt werden. […]

Die Waldorfschulbewegung hat sich in den genannten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg mit einer vorher nie gekannten Energie ausbreiten dürfen. Aus dem Nichts der Verbotszeit brachen innerhalb von fünf Jahren sechs der alten, 1938 verbotenen Schulen hervor und mit ihnen zugleich zwischen 1945-1951 zwanzig junge·Schulen. Ende der sechziger und dann in den siebziger Jahren hat sich die Schulbewegung beispiellos ausgebreitet in Holland, in der Schweiz, in den Vereinigten Staaten, im ständigen Wachstum jetzt auch in England, Dänemark, Norwegen, Schweden [...]. In dieser Ausweitung glauben wir eine Gegenkraft gegen die vorher genannten Katastrophen und Zusammenbrüche empfinden zu dürfen, etwas, was in das dritte nachchristliche Jahrtausend gerettet werden kann und das dann durch neue Menschen – vielleicht mit ehemaligen Schülern dieser sich heute ausweitenden Schulen – neue Wirtschafts-, neue staatliche, neue geistige Formen herausbilden wird«.

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