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1981 | Der Tröster spricht

Zwei religionsgeschichtliche Phänomene sollten in einem Rückblick auf das Jahr 1981 nicht unerwähnt bleiben: Papst Johannes Paul II. ernannte im November den Erzbischof von München und Freising, Joseph Aloisius Ratzinger, zum Präfekten der römischen Glaubenskongregation, der sich für die Durchsetzung seiner moralpolitischen Agenda in den folgenden Jahren als äußerst hilfreich erweisen und im Jahr 2005 sogar seine Nachfolge antreten sollte.

Und der Guru der entwurzelten Wohlstandskinder, dessen anarchische Erleuchtung bisher durch eine beschwerliche Pilgerreise nach Poona erworben werden musste, Bhagwan Shree Rajshneesh, siedelte im Sommer mit seinen 93 Rolls Royce und vergoldeten Klobrillen nach Oregon über. Ein größerer Gegensatz als der zwischen dem Erfinder der dynamischen Meditation, der verkündet hatte: »Es war gut von Friedrich Nietzsche, Gott für tot zu erklären – ich aber sage, dass er überhaupt nie geboren wurde« und dem Präfekten für die Bewahrung eines Glaubens, in dessen Zentrum der als Mensch geborene und gestorbene, immer lebendige Gott stand, der in Dogma und Institution eingesargt war, ist kaum denkbar. Wie in einem historischen Brennglas verdichten sich in diesen beiden Vorgängen symptomatisch die spirituellen Tendenzen des Zeitalters: die Suche nach dem Heil durch Entweltlichung und die weltliche Usurpation des Heils.

Aber auch die Anthroposophische Gesellschaft sah sich in diesem Jahr mit »religiösen« Phänomenen eigener Art konfrontiert. Während sie angestrengt darum bemüht war, die beiden genannten spirituellen Irrwege zu vermeiden, befand sie sich auf einem dritten, den sie sich selbst gebahnt hatte. Am 30. August veröffentlichten Rudolf Grosse und Jörgen Smit eine Mitteilung an die Mitglieder, in der von einer »Trösterbewegung« berichtet wurde, die von Dornach aus bereits zur Bildung von »Gruppen an verschiedenen Orten« geführt habe, die sich gemeinsam mit »gebetsartigen Wortformulierungen« beschäftigten, »welche aus Eingebungen herrührten«. Die Unterzeichneten betonten in ihrer Mitteilung »energisch«, diese »Dinge« hätten weder mit dem Goetheanum noch mit der Anthroposophischen Gesellschaft etwas zu tun und die Bewegung befinde sich auch »nicht im Einvernehmen« mit dem Vorstand.

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