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1983 | Logik des Todes, pädagogische Belebung

Der englische Generalsekretär John Davy berichtete bei der Generalversammlung 1983 unter dem Rubrum »Auseinandersetzung mit dem Bösen« über einen neuen Angriff auf die Kindheit in der englischsprachigen Welt. Dieser ging nach seiner Ansicht von der Informationstechnologie aus.

Die englische Regierung habe die Ausstattung von Schulen mit Computern verfügt, amerikanische Kinder besuchten inzwischen Sommerlager, die sie in den Gebrauch dieser neuen Technologie einübten. Im Hintergrund stünden wirtschaftliche Interessen (der Computerproduzenten), gezielt geschürt werde jedoch die Angst der Eltern, ihre Kinder würden von der technologischen Entwicklung abgehängt und damit von Statusverlust bedroht, wenn sie sich nicht früh genug mit ihr vertraut machten. Argumente, die uns aus der Gegenwart allzu gut vertraut sind. Davy wies auf den Mathematiker Seymour Papert, einen Schüler Piagets hin, der eine Programmiersprache für Kinder namens »Logo« entwickelt und das Buch Mindstorms. Children, Computer and Powerful Ideasveröffentlicht hatte, in dem er eine mechanistische Theorie des Lernens entwickle. Programmiersprachen als Unterrichtsinhalt verglich Davy mit dem Latein, das laut Bemerkungen Steiners in einem Arbeitervortrag die gebildeten Klassen, die darin unterrichtet worden seien, daran gehindert habe, ein selbstständiges Denken zu entwickeln, da es dem Menschen die ihm immanente Logik aufzwinge.

Das Latein als Sprache der gebildeten Klassen sei heute praktisch ausgestorben, aber nun erhebe sich eine »riesige Kulturwelle« aus dem Westen, die jeden, der gebildet erscheinen wolle, dazu zwinge, sich Computersprachen anzueignen. Die Bemerkung ist in gewisser Weise hellsichtig – wenn auch anders, als von Davy gemeint: nicht Computersprachen bestimmen heute unsere Beteiligung an Bildung, ja sogar an Kultur, sondern die Sprache der Computer – d.h. die Weltdeutung und Handlungsroutinen, die sie uns aufzwingen, wenn wir sie benutzen. Die Computer- oder Programmiersprachen sind längst hinter »userfreundlichen« Oberflächen verschwunden, bestimmen aber im Hintergrund, wie uns die virtuelle Repräsentation der Wirklichkeit dargeboten wird und was uns von ihr dargeboten wird. Kaum jemand in der gebildeten oder entwickelten Welt kommt heute mehr um diese Nutzung herum, sei es auch nur, dass wir uns der Smartwaches oder Smartphones oder eben des Internets bedienen, zu dem wir keinerlei Zugang hätten, wenn wir uns nicht dem Diktat der Terminals und Tastaturen, der Browser und Betriebssysteme unterwürfen. 

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