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1983 | Nazi-Wiedergänger, hinkende Demokratie und Kritik an der zynischen Vernunft

Am 19. Januar 1983 wurde Klaus Barbie, ein früherer Gestapo-Chef, der wegen seiner Grausamkeit als »Schlächter von Lyon« bezeichnet wurde, in Bolivien festgenommen, wohin er 1951 geflüchtet war, um sich unter dem Namen »Klaus Altmann« der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen. Der Festnahme waren einige vergebliche Versuche vorausgegangen, seiner in irgendeiner Form habhaft zu werden oder ihn aus der Welt zu schaffen.

Nachdem er vom »Nazijäger« Serge Klarsfeld zu Beginn der 1970er Jahre in seinem Versteck aufgespürt worden war, scheiterte 1972 ein Entführungsversuch, 1975 der Versuch eines französischen Juden, der den Tod seines Vaters rächen wollte, ihn zu ermorden, 1980 schließlich ein Attentatsversuch des israelischen Geheimdienstes. Ein Regimewechsel in Bolivien, hin zu einer demokratischen Regierung, hatte die Ergreifung möglich gemacht. Helmut Kohl verspürte an einer Auslieferung an Deutschland kein besonderes Interesse, und so kam Barbie an den Schauplatz seiner Untaten, nach Frankreich, zurück, wo ihm 1987 der Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemacht werden sollte. Vier Jahre später starb er im Gefängnis an Krebs. 

Noch ein anderer Nazi trat in diesem Jahr wie ein Wiedergänger in die Öffentlichkeit: Adolf Hitler, dessen geheime Tagebücher das Magazin »stern« entdeckt zu haben glaubte. Ende April verkündete es die »Sensation«, aber bereits einige Wochen später stellten sich die angeblichen Dokumente als Fälschungen durch einen begabten Hochstapler heraus, der sich mit den insgesamt 62 Notatheften stolze 9 Millionen Deutsche Mark ergaunert hatte. Über seinen Reichtum konnte sich Konrad Kujau daher nicht allzulange freuen. 1985 wurde er zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt, wegen einer Erkrankung jedoch vorzeitig entlassen. Danach bewirtschaftete er seine durch den Schwindel entstandene Popularität; seine Kunstfälschungen, die er als solche verkaufte, sicherten ihm bis zu seinem Tod im Jahr 2000 ein Auskommen; zeitweise versuchte er sich sogar in der Politik, so als ob sein Fähigkeitsnachweis als Hochstapler und Fälscher ihn für einen Dienst an der Öffentlichkeit empfohlen hätte. Auch andere verdienten durch den gefälschten Hitler gut. Helmut Dietl verarbeitete den Skandal 1992 zu einem Klamaukfilm (»Schtonk!«), der sogar für den Oscar nominiert wurde und dem Darsteller Kujaus, Uwe Ochsenknecht, dessen Kinder eine Münchner Waldorfschule besuchten, internationale Beachtung bescherte. Hätte es damals bereits die Begriffe »Fakenews« oder »Lügenpresse« gegeben, wären sie auf die Affäre um die »Hitler-Tagebücher« angewandt worden.

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