suche | spenden | impressum | datenschutz

Diese Webseite durchsuchen


Anzeigen

Wenn Sie auf dieser Seite keine Anzeigen sehen, haben Sie einen Adblocker installiert. Bitte fügen Sie für anthroweb.info eine Ausnahmeregel ein. Damit unterstützen Sie das unentgeltliche Angebot dieser Webseite.


Produktlinks


Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Autoritäre Sprachregime, Tugendterror und identitäre Erregungen

Bernd Stegemann, Professor für Dramaturgie in Berlin, hat es auf sich genommen, den kommunikativen Wahnsinn unserer Tage einer schonungslosen Kritik zu unterziehen. Wie zu erwarten, spielen in seiner Analyse autoritäre Sprachregime, Tugendterror und identitäre Erregungen eine herausragende Rolle.

Bereits sein Buch Das Gespenst des Populismus (2017) enthielt längere Passagen über politische Korrektheit und schöne Seelen. In seiner neuesten Publikation Die Moralfalle (2018) wird die system- und diskurstheoretische Analyse dieser Erscheinungsformen postmodernen Irreseins fortgeführt und zugeschärft.

Stegemann versteht seine Untersuchungen als Selbstkritik, deren Ziel es ist, die »soziale Linke« (im Unterschied zur identitären) aus den diskursiven Sackgassen zu befreien, in die sie sich selbst hineinmanövriert hat. Indem große Teile der Linken den antiessentialistischen Versuchungen des postmodernen Denkens erlagen und sich von der großen Erzählung des Widerstreits der Klassen verabschiedeten, die die realen Widersprüche der Gesellschaft zum Ausdruck brachte, verdammten sie sich zur politischen Wirkungslosigkeit. Dass ihm aus dem Milieu, dem er sich selbst zurechnet, der Vorwurf entgegengehalten wird, er sei nach rechts abgedriftet, ist Symptom ebenjenes Wahnsinns, den er zu analysieren versucht. Gehen wir seinen Überlegungen hier in einem interpretierenden Gespräch etwas nach.

Die Political Correctness, so Stegemann in Das Gespenst des Populismus, verdankt sich der Einsicht in die Macht der Sprache. Diese beeinflusst nicht nur Fühlen und Denken des Menschen, sondern auch sein Wollen. Als zentrales Medium der Kommunikation dient sie der Verständigung über Wahrnehmungen des sozialen Raums, in dem sich die Angehörigen dieses Raums bewegen. Da die Interpretation der Wirklichkeit von der Sprache abhängt, mit der sie beschrieben wird, liegt der Kurzschluss nahe, die Wirklichkeit werde durch ihre Beschreibung verändert. Wer also die Herrschaft über die Sprache erringt, durch die die soziale Wirklichkeit beschrieben wird, beherrscht die Wirklichkeit. Wer die Machtverhältnisse verändern will, muss daher die Sprache verändern. Die Folge der Entdeckung, dass Sprache ein Instrument der Herrschaft ist, war, dass eine neue Klasse von Intellektuellen entstand, die sich darauf spezialisierten, Manifestationen der Macht, also Diskriminierungen, durch Worte aufzuspüren. Obwohl sie angetreten sind, Diskriminierungen zu beseitigen, bedienen sie sich mittlerweile umso massiverer Diskriminierungen all jener, die sich ihren Vorschlägen zum Umbau der Sprache nicht anschließen. Im Feld der politischen Korrektheit tat sich ein Abgrund zwischen Hypersensibilität auf der einen Seite und brutaler Bestrafung auf der anderen auf, – wer sich den Regelungen der gerechten Sprache nicht fügt, zieht Shitstorm und Hatespeech, Stigmatisierung und soziale Ächtung auf sich.

Lesen Sie weiter

To top

nach Oben