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Christus in Gestalt eines Engels (25)

Wie bereits bemerkt, ist mit den Hinweisen auf die Theophanie Christi in einem ätherischen Leib ein Geheimnis verbunden, das Steiner erst 1913 enthüllte, das hier aber entgegen der chronologischen Ordnung kurz erläutert werden soll, da sich aus ihm ein Hinweis auf das Verständnis der Beziehung Christi zur Engelwelt ergibt. Der Menschheit steht, wie deutlich wurde, ein neues Ereignis von Damaskus bevor. So wie Paulus damals Christus in ätherischer Gestalt schaute, wird sie ihn sehen lernen. 

Was heißt das aber eigentlich: Christus in seinem Ätherleib zu sehen? Es heißt nichts anderes, als Christus in Gestalt eines Engels zu sehen! Diese Tatsache wird in aufschlussreichen Ausführungen mitgeteilt, die am 2. Mai 1913 in London stattfanden und 1920 zusammen mit dem vorangegangenen Vortrag vom 1. Mai im Druck erschienen.

Steiners Vortrag vom 2. Mai beginnt mit einer eindringlichen Warnung vor der Überschätzung des Verstandes: eine Illusion wäre es, zu glauben, dieser vermöge die Tatsachen der übersinnlichen Welt zu erkennen. Dies gilt besonders für das Mysterium von Golgatha, das nicht nur schwer zu erkennen, sondern auch schwer zu verstehen ist, weil es sich um ein einzigartiges Ereignis handelt. Zwar sind alle geschichtlichen Ereignisse einzigartig, weil sie unwiederholbar sind, aber die Einzigartigkeit dieses Ereignisses besteht nicht nur darin, dass es unwiederholbar ist, sondern auch darin, dass es unvergleichlich ist, dass es sich allen denkbaren Kategorien entzieht. Der menschliche Verstand sucht stets nach Vergleichsmaßstäben, an welchen er messen kann, was er zu verstehen sucht. Wie aber kann etwas, das unvergleichlich ist, verstanden werden? Hilfreich ist die deskriptive Methode der Geschichtserzählung: das Ereignis muss von den verschiedensten Gesichtspunkten aus beschrieben werden, damit seine Komplexität sichtbar werden kann. Definitionen helfen nicht weiter, weil sie Komplexität reduzieren und damit das, worum es geht, das Phänomen in seiner Vielschichtigkeit, zum Verschwinden statt zur Erscheinung bringen. Darauf weist Steiner ausdrücklich hin: »Diejenigen unter Ihnen, die meinen Vorträgen öfter gefolgt sind, werden das Fehlen von beinahe jeglichen Definitionen bemerkt haben. Man kann die Dinge der Wirklichkeit nicht durch Definitionen erfassen«, erst recht nicht solche, die der »übersinnlichen Wirklichkeit« angehören. Daher muss charakterisiert werden, die Tatsachen und Wesen müssen durch ein Narrativ zum Vorschein gebracht werden, durch das sie sich selbst in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität mit eigener Stimme aussprechen können. Die folgenden Äußerungen könnten auch unserem eigenen Versuch entgegengehalten werden, wenn er als Suche nach Definitionen missverstanden würde: »Vor allem, um die verschiedenen Wesenheiten in den übersinnlichen Welten unterscheiden zu können, möchten Menschen eine Definition haben. Sie fragen: Was ist genau genommen eine solche Wesenheit?« Diesem Bedürfnis hält Steiner entgegen: »Je weiter man … in die übersinnlichen Welten eindringt, desto mehr durchdringen sich die Wesenheiten …, sie sind nicht mehr voneinander abgegrenzt, so dass es schwer ist, sie voneinander zu unterscheiden«. Ebendies dürfte inzwischen klar geworden sein: dass himmlische Wesen einerseits geistige Individualitäten, andererseits Organe von Gliedorganismen sind, die nicht als mechanisch voneinander abgegrenzte Gebilde, sondern als sich durchdringende, fließend ineinander übergehende Kraft- und Bewusstseinssphären vorgestellt werden sollten. So wie die Begriffe der Bewegung, des Lebens und des Bewusstseins sich gegenseitig durchdringen und aneinander teilhaben, da es keine Bewegung ohne Leben und kein Leben ohne Bewusstsein gibt, so durchdringen und unterscheiden sich auch die Wesen der himmlischen Hierarchie.

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