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Das Christentum als mystische Tatsache – eine Forschungsaufgabe (2)

Zu ähnlichen Anschauungen wie Heraklit und die Orphiker gelangten die Pythagoräer, nur dass bei ihnen die Mathematik im Zentrum stand (4. Vortrag). Auch sie pflegten Einsichten, die sich in Steiners philosophischen Werken wiederfinden.

»Kein Mensch kann [...] irgendetwas von einem mathematischen Gebilde, von einem Raumgebilde geometrischer Figuren in der Welt und in der Wirklichkeit finden, wenn er nicht diese mathematischen Figuren erst in seinem Geiste ausgebildet hat.« »Das was ich draußen sehe, muss auch in gewisser Weise in meinem Geiste enthalten sein. Das, was aus dem Quellpunkt meiner Seele hervorgeht, ist dasselbe, was ich draußen als Urgrund der Welt selbst wahrnehme.« Die Ellipse, die ich in mir wahrnehme und die Ellipse, die draußen als Bahn eines Sternes vorhanden ist, sind nicht zwei Ellipsen, sondern eine. Auch an dieser Stelle verweist Steiner auf Schelling, diesmal auf dessen Naturphilosophie, dessen Interpretation der Schwere bzw. Anziehung. »Wenn ein Körper auf der Erde wirkt [durch die Anziehungskraft] so ist er auf der Erde. Ein Körper ist da, wo er wirkt. Die Lichtgrenze ist nicht die Grenze der wirklichen Sonne. Die Sonne ist in dem ganzen Raum, wo sie ihre Anziehungskraft ausübt. Der Raum, den die Erde ausfüllt, gehört mit zum Sonnenraum.« Übertragen auf den menschlichen Geist: »Der Menschengeist füllt den ganzen Weltenraum aus. Er ist nicht eingeschlossen in einen einzelnen Organismus. Der Geist ist da, wo er wahrnimmt.« Deshalb darf der Pythagoräer zu Recht behaupten: Wenn der Geist des Menschen eine Ellipse im Weltraum wahrnimmt, dann ist er geistig im Weltraum anwesend. Dasselbe Gesetz beherrscht einen Himmelskörper, der eine elliptische Bahn vollzieht, wie den menschlichen Geist, der diese Ellipse denkt. Die gesamte pythagoräische Lehre beruht auf der Anerkennung der Produktivität des Menschengeistes: »Wer keine Intuition hat, wer nicht aus dem Quellpunkt seines Geistes heraus wirklich das hat, was er den Dingen entgegenzuhalten hat, wer steril und unfruchtbar ist, wer seine Seele nicht mit geistigen Wirklichkeiten ausfüllen kann, der glaubt, dass er nichts weiter hat, wenn er über [die Sinneswelt] hinausgeht, als Worte.« (Man denke an die weiter oben zitierten Sätze über Spiegelbilder aus den Grundlinien ...).

Besonders interessant für naturwissenschaftlich Interessierte dürfte der 5. Vortrag sein, der ebenfalls von den Pythagoräern handelt. Die »ganze Naturwissenschaft« ist nämlich laut Steiner dabei, den alten Satz der Pythagoräer zu bestätigen, dass alles, was im Raum existiert, auf Zahlenverhältnisse zurückführbar ist. Illustriert wird dies durch die Verbindungen chemischer Elemente, die sich nach Zahlenverhältnissen bilden. Wir kennen heute zwar erheblich mehr Tatsachen, als die Alten, aber die zugrundeliegende Denkform ist dieselbe. Ja, die Naturwissenschaft »widerlegt von Tag zu Tag mehr den Materialismus«. Illustriert wird dies am Auge des Tintenfischs und dem menschlichen Auge, die zwar ähnlich gebaut sind, aber auf völlig unterschiedliche Weise entstehen; die Folgerung daraus: nicht der Stoff ist es, der die Formen bildet, sondern der Geist, der den Stoff organisiert. Erneut kommt das Unbegrenzte, das sich selbst begrenzt zur Sprache. Indem das Unbegrenzte (der Geist), sich selbst begrenzt, wird es sichtbar, es wird zum Stoff, zur Materie. »Um die Wesenheiten aus der Materie herauszubilden, atmet der Geist Materie ein und atmet sie wieder in den Weltenraum aus. Daher [wirkt] der Geist [in ] einem fortwährenden Ein- und Ausatmen, in einem Atmungsprozess.« Davon habe auch Goethe gesprochen.

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