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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Das Fiasko der »offenen Anthroposophie«

Wie »vorsorgliche Krisenkommunikation« die Krisen erzeugt, die sie verhindern will.

Eine der berühmtesten Verschwörungen, jene des Brutus und Longinus, führte in den Iden des März 44 v. Chr. zu Caesars Tod. Bild von Carl Theodor von Piloty (1865). Gemeinfrei. Wikipedia

Gastbeitrag von Sophie von Freiberg

Im Juli dieses Jahres erschien in verschiedenen anthroposophischen Publikationen (Anthroposophie weltweitInfo3 u.a.) ein Text, zu dem sieben Autoren und eine Autorin jeweils ein Kapitelchen beigesteuert hatten, der die Leser, an die er sich wandte, im Ungewissen darüber ließ, welcher Literaturgattung sie ihn zuordnen sollten. Facts oder Fiction? Hatte man sich einmal für erstere entschieden, erhob sich die weitere Frage, ob es sich um ein politisches Statement, eine hoheitliche Verlautbarung, einen Aufruf, ein Manifest, eine Handlungsanleitung oder möglicherweise eine Sachinformation handelte. Nennen wir diesen Acht-AutorInnen-Text im Folgenden, der Kürze wegen, den Ogdoadentext.

Die Redaktion von Anthroposophie weltweit deklarierte diesen Ogdoadentext zurückhaltend als »Dokumentation«, eine Rubrizierung, die man als vornehme Distanzierung hätte verstehen können, stellte ihm aber gleichzeitig einführende Ausführungen voran, die von einem der Mitverfasser, Wolfgang Held, geschrieben worden waren. Held berichtete von den zweimal jährlich stattfindenden Treffen anthroposophischer »Medienschaffender« (was bedeutet eigentlich dieser Ausdruck? Handelt es sich um Personen, die Medien schaffen oder mit Medien schaffen, und wenn letzteres, was schaffen sie mit ihren Medien? Öffentlichkeit, Meinung, Stimmungen, Urteile? Möglicherweise Medienfakten – also jene Ereignisse, die dadurch zu Fakten werden, dass sie in Medien publiziert und im selbstreferentiellen Kreislauf des medial vermittelten »öffentlichen Diskurses« von anderen Medien aufgegriffen, weiter verbreitet oder kritisiert werden?)

Laut Held tauschen sich diese »Schaffenden« regelmäßig über ihre Beobachtungen »gesellschaftlicher Strömungen« und »Tendenzen« aus und beschäftigen sich »im Sinne einer vorsorglichen Krisenkommunikation« mit der Frage, »wo sich für die anthroposophische Bewegung Angriffsflächen zeigen« und »wo kommunikative Hausaufgaben unerledigt geblieben sind«. Übersetzt man diese umständlichen Andeutungen in verständliches Deutsch, dann ist wohl gemeint: die »Hausaufgabe« der Medienschaffenden bestehe darin, danach Ausschau zu halten, wo oder wodurch die »anthroposophische Bewegung« angreifbar sein könnte, um alsdann vorsorglich zu kommunizieren, um die möglichen oder denkbaren Angriffe abzuwehren bzw. diejenigen, für die sie als Kommunikationsfachleute tätig sind, dazu aufzufordern, die Angriffsflächen, von denen Held spricht, zu beseitigen – entweder durch Glättung von Oberflächen, durch vorauseilende Unterwerfung oder auch Reinigung der eigenen Reihen von potentiellen Abweichlern, die Anlass zu Angriffen geben könnten.

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