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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Der Inkarnation Ahrimans entgegen (3)

Der dritte in der Reihe der hier publizierten Vorträge wurde von Steiner am 4. November 1919 in Bern gehalten. Auch er beschäftigt sich mit der künftigen Inkarnation Ahrimans im dritten Jahrtausend nach Christus im »Westen« und der Vorbereitung der Menschheit auf diese Inkarnation.

Der Inkarnation Ahrimans entgegen

Im Unterschied zu den beiden vorangegangenen Vorträgen findet sich in diesem eine eingängige Schilderung der Inkarnation Luzifer und ihrer näheren Umstände. Auch zu Ahriman enthält dieser Vortrag einige bemerkenswerte Ergänzungen, z.B. den Hinweis darauf, dass Wege gefunden werden, die menschliche Intelligenz durch bestimmte Nahrungsmittel zu optimieren. Durchgehend wird außerdem betont, dass sich die Menschheit als Ganze in einer absteigenden (rückläufigen) physischen Entwicklung befindet und dass dieser Niedergang nicht aufgehalten werden, sondern nur durch eine parallel verlaufende seelisch-geistige, spirituelle Entwicklung ausgeglichen werden kann. (Dieser dritte Vortrag ist enthalten in GA 193).

Ein weiterer Vortrag, der die bisherigen Darstellungen präzisiert bzw. amplifiziert, wird folgen. Hinzuzufügen ist, dass Steiner all diese Vorträge extemporierte, das heißt, nicht aus einem vorgefassten Manuskript ablas. Die Zwischenüberschriften stammen von mir (L.R.) Der Inkarnation Ahrimans entgegen (3). –


Die Menschheit ist in absteigender physischer Entwicklung begriffen, nur spirituell ist ein Aufstieg möglich

Ahriman im Ensemble des Menschheitsrepräsentanten

Die Entwickelungsphase der Menschheit, die mit einem besonderen Charakter in unseren Zeiten beginnt – selbstverständlich kann man von jeder Zeit sagen, dass eine bestimmte Entwickelungsphase der Menschheit beginnt, man muss dann nur charakterisieren, wie geartet diese Entwickelungsphase ist –, lässt sich etwa so charakterisieren, dass in der Hauptsache alles, was die Menschheit zu erleben haben wird in der ferneren Erdenzeit, in der physischen Welt, eine Art Abstieg sein wird, ein Rückgang, eine rückläufige Entwickelung. Diejenige Zeit ist bereits überschritten, in welcher die Menschheit durch die immer veredelter und veredelter auftretenden physischen Kräfte vorwärtskommt.

Die Menschheit wird in der nächsten Zeit auch vorwärtskommen, aber nur durch spirituelle Entwickelung, durch eine Entwickelung, welche sich erhebt über die Vorgänge des physischen Planes. Die Vorgänge des physischen Planes werden nicht solche sein, dass die Menschheit, wenn sie sich nur ihnen hingeben will, eine Befriedigung aus ihnen wird schöpfen können.

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