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Der Konflikt zwischen Marie Steiner und Albert Steffen (3) – Streit um Waldorfpionier Eymann

Seit 1931 bestand eine von Curt Conrad Englert-Faye und Johannes Waeger gegründete Pädagogische Arbeitsgruppe am Goetheanum, die die Stelle einer nicht vorhandenen Pädagogischen Sektion vertrat. Bis zu seinem Tod hatte Steiner die Verantwortung für das pädagogische Arbeitsgebiet getragen – ebenso wie für die allgemein-anthroposophische Sektion.

Friedrich Eymann, 1887-1954

Marie Steiner hatte die Schirmherrschaft für diese Arbeitsgruppe übernommen und die Organisation der konkreten Aktivitäten ihrer Dornacher Vertrauten, Isabella de Jaager und dem Zürcher Lehrer Curt Englert-Faye anvertraut. Englert-Faye hatte zusammen mit Paul Jenny und Hans Werner Zbinden – ehemaligen Schulkameraden aus dem humanistischen Gymnasium in Basel – 1927 die Zürcher Rudolf Steiner Schule als zweite Schweizer Waldorfschule gegründet. (Die erste war 1926 in Basel eröffnet worden). Seitdem hatten die drei nicht nur an der Schule unterrichtet, sondern auch wichtige Funktionen wahrgenommen: Englert-Faye als deren pädagogischer Leiter, Jenny als Vorsitzender des Schulvereins und Zbinden als Schularzt. Auch die 1927 ins Leben gerufene Zeitschrift Die Menschenschule ging auf eine Initiative Englert-Fayes zurück, der seit ihrer Gründung die Schriftleitung innehatte. 1936 war Englert-Faye, der seit 1923 mit der Norwegerin Anna Elisabeth Faye verheiratet war, und bereits zwischen 1921 und 1926 in Norwegen gelebt hatte, aufgrund der Krise um Johannes Hohlenberg zum Generalsekretär der norwegischen Landesgesellschaft berufen worden.

1938 nun wurde George B. O’Neil (1906-1988), ein amerikanischer Philosoph und Musiker, der in seiner Studienzeit in Paris mit Ernest Hemingway, Ezra Pound und James Joyce verkehrt und in Dornach bei Guenther Schubert Anthroposophie studiert hatte, von letzterem eingeladen, bei einer Tagung für englische Pädagogen mitzuwirken. Er gab Kurse zur Geheimwissenschaft im Umriss und zur Philosophie der Freiheit und organisierte weitere Seminare zur Bildhauerei, zur Sozialwissenschaft und schließlich zur Pädagogik. An diesen wirkten auch Lehrer der Basler Schule, u.a. Rudolf Große und Willi Aeppli mit. Die Zürcher Lehrer, die das pädagogische Sachgebiet am Goetheanum als ihre Domäne betrachteten, empfanden O’Neil und die Basler Lehrer als unbefugte Eindringlinge und veranlassten Marie Steiner, die Schirmherrin der Arbeitsgruppe, zur Intervention. Im Nachrichtenblatt erschienen daraufhin ominöse Mitteilungen über »Verwicklungen« im Zusammenhang mit der pädagogischen Arbeitsgruppe und Distanzierungen des Basler Lehrer von diesen nicht näher spezifizierten Verwicklungen. Nelly Grosheintz setzte sich in einem Exposé, das sie Steffen zur Veröffentlichung anbot, für O’Neil ein, aber Steffen lehnte ab, da er fürchtete, die Publikation würde eine Lawine von Gegendarstellungen auslösen. Die Verfasserin nutzte daraufhin informelle Kanäle zur Verbreitung des Exposés, was wiederum Englert-Faye veranlasste, eine Gegendarstellung zu verfassen, die Steffen veröffentlichen sollte, die aber später vom Verfasser zurückgezogen wurde. Obwohl das Exposé von Nelly Grosheintz nicht veröffentlicht worden war, erschien im Nachrichtenblatt eine »vorläufige Mitteilung« der Pädagogischen Arbeitsgruppe, die dieses Exposé als »unverantwortliche Kränkung« einer »Institution am Goetheanum« bezeichnete. Darauf folgte eine Vertrauenserklärung des gesamten Vorstands für die Arbeitsgruppe. Die Invasion war abgewehrt, die Claims abgesteckt, aber die Ressentiments schwelten fort. O’Neil kehrte kurz darauf in die USA zurück.

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