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Eine Bombe schlägt ein – Die Bekanntgabe der Gründung des Nachlassvereins im Januar 1945

Im Januar 1945 zwang die Notwendigkeit, die 1943 gegründete Nachlassverwaltung ins Handelsregister einzutragen, zu einem Schritt, der ohnehin nicht zu vermeiden war. Marie Steiner verfasste am 29. einen Brief an Steffen und Wachsmuth, der wie eine Bombe in der Gesellschaft einschlug. In ihm teilte sie die Existenz der Nachlassverwaltung mit.

Publikationen zum Nachlassstreit

»Es obliegt mir vor meinem Ableben einige Verfügungen zu treffen, die in ähnlicher Weise schon seit Jahren gemacht wurden, die aber durch das Ableben einiger Persönlichkeiten und durch andere Ereignisse einer Neugestaltung bedurften. Vor allem handelt es sich mir um die künftige Verwaltung des mir von Dr. Steiner übertragenen literarischen und künstlerischen Nachlasses. Im Sommer 1943 habe ich dieser Verwaltung die Form gegeben, die ich jetzt bekanntzugeben wünsche. Gegründet wurde der ›Verein zur Verwaltungdes literarischen und künstlerischen Nachlasses‹ von Dr. Rudolf Steiner, Dornach.

Dieser Verein, dem ich angehöre, wird meine Arbeit am Nachlass Dr. Steiners weiterführen, und ich habe ihm, als Rechtsnachfolgerin Dr. Steiners, die entsprechenden Rechte, insbesondere alle Urheberrechte, d. h. das ganze geistige Eigentum, gesamthaft und ohne Einschränkung letztwillig übertragen. Um seiner Arbeit die nötige finanzielle Grundlage zu geben, trete ich dem genannten Verein ab die Guthaben, welche mir gegenüber dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag resp. der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft in Dornach zustehen, und zwar im folgenden Umfang:

Franken 180.000.– (Kaufsumme)
Franken 75.000.– vom unverzinslichen Darlehen;
Franken 25.000.– vom verzinslichen Darlehen –
Franken 280.000.– Total der Abtretung.

Im Vorstand des Vereins sind: Frau Marie Steiner, Dr. Charles v. Steiger, der auf meine Bitte und mit Zustimmung der Mitglieder den Vorsitz übernimmt und Dr. Hans W. Zbinden. Mitglieder sind: Frau Prof. Lucie Bürgi, Frau Isabella de Jaager, Herr Jan Stuten, Herr Kurt Englert-Faye und Herr Edwin Froböse, der an Stelle des verstorbenen Herrn Otto Reebstein trat. Dieser Verein wird nun ins Handelsregister eingetragen werden«.

Dieser Brief führte gleich drei Motive ein, um die sich die Kämpfe der folgenden Jahre mit zunehmender Heftigkeit drehen sollten, bis das Obergericht Solothurn am 17. Juni 1952 »in vollem Umfang und einstimmig« in einem von der Nachlassverwaltung angestrengten Prozess zugunsten des von Marie Steiner eingesetzten Vereins entschied. 

Diese drei Motive waren: die Frage des Eigentums am verschriftlichen Vermächtnis Rudolf Steiners, die Frage seines materiellen Gegenwerts und die Frage derspirituellen Legitimität einer Mitgliedergruppe, der von Marie Steiner die Aufgabe übertragen worden war, jenes Vermächtnis der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Verlauf der Jahre war zu beobachten, wie eine Auffassung, die bis zur Bekanntgabe dieser Gründung innerhalb der Gesellschaft allgemein akzeptiert war, sich in ihr Gegenteil verkehrte: das aus Rudolf Steiners Testament abgeleitete Recht Marie Steiners, über seinen Nachlass zu verfügen, das erstmals 1928 von Walter Johannes Stein infrage gestellt und seit den Auseinandersetzungen mit dessen Position von seiten der Gesellschaft immer wieder bestätigt und bekräftigt worden war, wurde zu Unrecht erklärt, indem Steffen und Wachsmuth sich die Auffassungen Steins zu eigen machten, die sie früher vehement abgelehnt hatten.

Aber nicht nur dieses Recht wurde nun bestritten, sondern auch die Legitimität der Personengruppe, die dieses Recht verwaltete, indem man behauptete, die Nachlassverwaltung sei eine Gründung »außerhalb der anthroposophischen Gesellschaft« und daher ungeeignet oder nicht berufen, die ihr übertragene Aufgabe wahrzunehmen, unbesehen der Tatsache, dass sämtliche Vorstandsmitglieder dieses Vereins Mitglieder der Gesellschaft waren. Hinter diesem erstaunlichen Sinneswandel stand ein ideelles oder spirituelles Motiv, das erstmals Roman Boos in einer Delegiertentagung (am 29. November 1930) – damals in Bezug auf Ita Wegman – ausgesprochen hatte: das Motiv des »Raubs der Esoterik«.

In den von Marie Steiner verwalteten Archiven schlummerten ungehobene Schätze, über die sie all die Jahre wie der mythische Drache Fafnir gewacht hatte, in ständigem Abwehrkampf gegen Diebe und begierige Schatzsucher, nicht ohne nach und nach Teile dieses Schatzes preiszugeben und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So lebte die Gesellschaft seit Steiners Tod in der Illusion einer fortlaufenden Offenbarung, die aus der Rudolf Steiner-Halde hervorquoll, obgleich der Träger dieser Offenbarung 1925 gestorben war. Die anthroposophische Gesellschaft zehrte von dieser Offenbarung, als deren geistige Erbin sie sich betrachtete, – eine Auffassung, die solange unproblematisch war, als zwischen dem Vorstandsmitglied Marie Steiner, der Erbin gemäß Testament, und den übrigen Vorstandsmitgliedern kein Zerwürfnis bestand. 

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