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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Könnt Euch mein Atem doch entzünden!

»Egmonts Freiheit oder den Tod!«, ruft seine Geliebte aus, als sie von dessen Verhaftung erfährt. Mit Engelszungen versucht sie die Bürger von Brüssel dazu zu bewegen, sich für seine Befreiung einzusetzen. »Mit seinem Atem fliegt der letzte Hauch der Freiheit … Die große Seele, die euch alle trug, beschränkt ein Kerker, und Schauer tückischen Mordes schweben um sie her.« »Könnt euch mein Atem doch entzünden! – Wie eine Fahne wehrlos ein edles Heer von Kriegern wehend anführt, so soll mein Geist um eure Häupter flammen, und Liebe und Mut das schwankende zerstreute Volk zu einem fürchterlichen Heer vereinigen.«

Kpnnt Euch mein Atem doch entzünden

Graf Lamoral von Egmond, Fürst von Gavre 1522-1568

Anfang September 1787 vollendete Johann Wolfgang von Goethe seinen »Egmont« in Rom. Umgeben vom Glanz der Macht einer jahrtausendealten Institution, schrieb er gegen deren Herrschaft an, die mit der Sorge um das Heil der ihr anvertrauten Seelen jede erdenkliche Grausamkeit gerechtfertigt hatte. Zwei Jahre vor der französischen Revolution blickte er auf das 16. Jahrhundert und den Freiheitskampf der Niederlande zurück, der mit der Errichtung von Inquisitionsgerichten durch den Herzog von Alba einen herben Rückschlag erlitten hatte. Von Philipp II. ausgesandt, um die Unruhen von Bilderstürmern im Jahr 1566 niederzuschlagen, die Kirchen und Kathedralen verwüstet hatten, griff Alba mit eiserner Faust nicht nur unter den Bürgern der Handelsstädte durch, sondern auch unter den Adligen, die sich dem Protestantismus zugewandt hatten.

Als Alba mit seinem Expeditionsheer im August 1567 in Brüssel eintraf, um die Regentin Margarete von Parma, die Halbschwester Philipp II. abzulösen, hatte er unterschriebene Todesurteile gegen des Verrats verdächtige Adlige bereits im Gepäck. Zu seinen Opfern gehörte Lamoral Graf von Egmont und Prinz von Gaure, der aus einem der ältesten Adelshäuser der Niederlande stammte. Zusammen mit anderen wurde er gefangen genommen und des Hochverrats angeklagt. Dass er Träger des Goldenen Vlieses war, und eigentlich nur von Mitgliedern seines Ordens zur Rechenschaft gezogen werden durfte, nützte ihm nichts. Auch nicht die flehentlichen Appelle, die seine durch die Beschlagnahmung seiner Besitztümer verarmte Frau an den spanischen König, an Herzog Alba oder den Kaiser richtete. Versuche Wilhelm von Oraniens, zu seinen Gunsten militärisch zu intervenieren, schlugen fehl. Am 2. Juni 1568 wurden Egmont und einige weitere Aufständische zum Tode verurteilt und drei Tage später auf dem Marktplatz von Brüssel öffentlich enthauptet.

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