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Marie Steiner 1944: »Auf weiteren Verkehr mit der Gesellschaft verzichte ich«

Die Delegiertenversammlung vom 2. April 1944 beschloss, eine Delegation von 12 Personen mit einem Verhandlungsmandat auszustatten, um Möglichkeiten einer Schlichtung zwischen den Parteien auszuloten. Zwei Angehörige der Delegation überbrachten Marie Steiner den Vorschlag, die gesamte Gruppe zu empfangen.

J.W. Ernst

J.W. Ernst

Am 3. April teilte sie dem Vorstand mit: »Was die zwei mir zugeschickten Herren vorbrachten, hat mich nicht erwarten lassen, dass diese für mich mehr als ehrabschneidenden Schilderungen der Ereignisse von 1942 folgen würden, die nachher nun erfolgt sind. Es kann keine Rede davon sein, dass ich auf das hin eine Delegation empfange. Auf weiteren Verkehr mit der Gesellschaft verzichte ich. Umso mehr Zeit kann ich der Arbeit am Nachlass widmen«.

Die Generalversammlung des Jahres 1944 stellte Steffen am 16. April eine Art Blankoscheck für seine vergangenen und künftigen Handlungen aus. Sein Anerbieten, eine umfassende Darstellung der Konflikte zu verfassen, lehnte sie mit der Begründung ab, es gebe wichtigere Dinge als eine solche Aufarbeitung: »Die am 16. April 1944 versammelte Generalversammlung möchte Herrn Steffen als ihrem ersten Vorsitzenden zum Ausdruck bringen, dass sie es in keiner Hinsicht für notwendig erachtet, dass Herr Steffen das beabsichtigte Memorandum über Gesellschaftsverhältnisse der letzten Jahre schreibt und sie möchte die Bitte aussprechen, dass er sich im Interesse der Sache seiner produktiven Arbeit widmet«.

Wie bereits angemerkt, erschienen 1944 zwei gewichtige Bände mit der Dokumentation der Weihnachtstagung: der genannte Band über die Konstitution (heute GA 260a), sowie ein weiterer über die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft (heute GA 260). Zu letzterem verfasste Marie Steiner – inmitten der aktuellen Gesellschaftskrise – ein Vorwort, das nicht nur die damaligen Geschehnisse schilderte, sondern zugleich zu einem Spiegel der Gegenwart wurde, und eine Botschaft an sie enthielt.

Sie erinnerte an den Höhepunkt der öffentlichen Wirksamkeit Rudolf Steiners 1922, als die Wolffsche Konzertagentur sich um die Organisation seiner Vorträge in Deutschland beworben hatte und die größten Säle nicht mehr ausreichten, um das herbeiströmende Publikum zu fassen, an die völkische, alldeutsche, kommunistische, kirchliche und sonstige Gegnerschaft, die Hetzkampagnen, die in tätlichen Angriffen gegen Steiner gipfelten. Der nicht zu übersehende Erfolg entfachte auch den »Vernichtungswillen der Gegner«: »Damals arbeitete man in den Kreisen, die sich die Alldeutschen nannten, skrupellos mit den Mitteln von inszenierten Tumulten, Überfällen aus dem Hinterhalt, ja mit Mord und Totschlag, wie es der Fall von Erzberger, Rathenau und manche andere beweisen. Um einer wachsenden, den eigenen Absichten gefährlich scheinenden geistigen Bewegung den Garaus zu machen, verbanden sich die sonst sich gegenseitig befehdenden Parteien. Alldeutsche, Katholiken, protestantische Pastoren, Kommunisten und Vertreter der Wissenschaft waren in diesem Bestreben einig. Und die finanzmächtigen und pressegewaltigen jüdischen Kreise taten alles, um durch Hetzartikel den Vernichtungswillen der Feinde zu stützen und zu schüren. So war es denn nicht schwer, Radauszenen zu inszenieren. Diese spielten sich besonders tumultuarisch ab anlässlich der Vorträge Dr. Steiners in München und Elberfeld.

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