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Orwellexikon. Bestiarium der Vorurteile der akademischen Welt

Ein erstes Bestiarium der Vorurteile und ideologischer Neologismen des 20. Jahrhunderts, das Werk Lingua Tertii Imperii (LTI), veröffentlichte 1947 der Philologe Victor Klemperer, der die Einsichten Walter Lippmanns auf die Sprachpolitik des Nationalsozialismus anwandte.

Die öffentliche Meinung wurde Klemperer zufolge von der schwarzen Propaganda nicht durch langatmige argumentative Erörterungen manipuliert, sondern durch die ständige Wiederholung von Euphemismen und Stereotypen. Der Sprachgebrauch richtete sich an strukturierenden Prinzipien aus, von der Biologisierung und Emotionalisierung über die Hierarchisierung bis zur Heroisierung.

Über die Heroisierung heißt es im Vorwort des Buches: »Durch zwölf Jahre ist der Begriff und ist der Wortschatz des Heroischen in steigendem Maße und immer ausschließlicher auf kriegerischen Mut, auf verwegene todverachtende Haltung in irgendeiner Kampfhandlung angewandt worden. Nicht umsonst hat die Sprache des Nazismus das neue und seltene Adjektiv neuromantischer Ästheten: ›kämpferisch‹ in allgemeinen Umlauf gesetzt und zu einem seiner Lieblingsworte gemacht. Kriegerisch war zu eng, ließ nur an die Dinge des Krieges denken, war wohl auch zu offenherzig, verriet Streitlust und Eroberungssucht. Dagegen kämpferisch! Es bezeichnet in einer allgemeineren Weise die angespannte, in jeder Lebenslage auf Selbstbehauptung durch Abwehr und Angriff gerichtete, zu keinem Verzicht geneigte Haltung des Gemütes, des Willens. Der Missbrauch, den man mit dem Kämpferischen getrieben hat, passt genau zu dem übermäßigen Verschleiß an Heroismus bei schiefer und falscher Verwendung des Begriffes«.

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