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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Rudolf Steiner über Tyrannei. Ein Aphorismus

Sprach Rudolf Steiner, der 1925 verstorbene Philosoph der Freiheit, auch über ihr Gegenteil, die Tyrannei? Ja, aber er verwendete den Ausdruck »Tyrannei« relativ selten. Das relativ seltene Vorkommen des Wortes mag darüber hinwegtäuschen, dass das ungeschriebene Kapitel der Steinerforschung mit der Überschrift »Rudolf Steiner über Tyrannei« weitläufig sein könnte.

Rudolf Steiner über Tyrannei

Andrea Appiani, Napoleon als König von Rom. Moderner Archetyp des Tyrannen. Bildquelle: Wikimedia. Gemeinfrei

In der Gesamtausgabe seiner Werke gibt es 29 Fundstellen für diesen Ausdruck, 9 davon in Zitaten anderer Autoren. Das bedeutungsgleiche Wort »Tyrannis« findet sich 31 mal in seinem schriftlichen oder mündlichen Werk. Einige der Verwendungen kehren öfter wieder, so etwa die Charakterisierung des Leninismus (Sozialismus, Kommunismus, der Diktatur des Proletariats) als Tyrannei. Auch einzelne Tyrannen werden erwähnt, wie Nero oder Ludendorff, sowie Institutionen, vor allem das römische Imperium oder die katholische Kirche mit ihrem Glaubenszwang. Das relativ seltene Vorkommen des Wortes mag darüber hinwegtäuschen, dass das ungeschriebene Kapitel der Steinerforschung mit der Überschrift »Rudolf Steiner über Tyrannei« weitläufig sein könnte.

Die begrenzte Aussagekraft dieses Aperçus ist auch dadurch bedingt, dass es sich lediglich mit dem Begriff der »Tyrannei« beschäftigt, nicht jedoch mit verwandten Begriffen wie »Despotie«, »Zwangsherrschaft«, »Bonapartismus« oder »Unterdrückung«. Die folgenden Hinweise sind lediglich kursorisch und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Man könnte sagen, sie umreißen ein Forschungsprojekt. Zu bedenken ist bei einer solchen Etüde zu Wortvorkommen außerdem, dass Steiner die Verwendung vorgestanzter Formeln systematisch vermied und in seinen Ausführungen – auch zu denselben Themen – stets von neuem mit neuen Gedankenwendungen und Wortprägungen die Beobachtung von Phänomenen und deren begriffliche Durchdringung anzuregen versuchte. Deswegen finden sich vielfach über sein Werk verteilt Ausführungen über Phänomene des Zwangs, der Unterdrückung und der Tyrannei, ohne dass die betreffenden Schlagworte verwendet werden.

Mehrfach tritt in den Fundstellen eine Assoziation des Begriffs der Tyrannei, genauer des »Tyrannischen«, mit dem »Ahrimanischen« auf, insbesondere in dem bereits erwähnten Zusammenhang mit dem Sozialismus sowjetischer Prägung, aber auch im Hinblick auf eine vom »Westen« angestrebte »merkantilistische« Herrschaft über den Rest der Welt, wobei der Westen zunächst das britische Empire, dann aber die Vereinigten Staaten von Amerika meint. Die im Gesamtwerk in großer Zahl vorkommenden Charakterisierungen des Ahrimanischen, das mit der Tyrannei, zumindest einer Ausprägung davon, in Verbindung steht, müssten bei einer gründlicheren Recherche ebenfalls einbezogen werden. Auch Luzifer kennt seine Tyrannen – es sind die »Idealisten«, die in ihren Vorstellungen leicht schwärmerisch, in ihrem Willen jedoch despotisch, tyrannisch werden können. Die Historie bis in die unmittelbare Gegenwart bietet dafür leider viel Anschauungsmaterial. Während »Idealisten« in ihren Vorstellungen weltfremden Utopien verfallen, die sie anderen gewaltsam aufzwingen wollen (ihr Wille wird »despotisch, ahrimanisch«), versinken »Materialisten« in der nüchternen, philiströsen Banalität des Bösen, einer Vorstellungswelt, die nur Zahlen, keine Menschen, nur Statistiken, keine Einzelfälle kennt und werden in ihrem Willen »luziferisch«, d.h. laut Steiner »animalisch, begierlich, hysterisch«.[1] Einige repräsentative Vorkommen der Tyrannei seien im Folgenden vorgestellt.

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