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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Schlachtfeld der Kränkungen – über die Erosion der Vernunft durch political correctness

In seiner Kritik der politischen Korrektheit geht Stegemann von der Beobachtung ihrer Ambivalenz aus. Zugrunde liegt ihr seiner Auffassung nach ein Gefühl des Gekränktseins. Zwar führt die Rücksichtnahme auf das Gekränktsein des Anderen zu größerer Achtsamkeit und damit potentiell zu einer Zivilisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig bringt sie aber auch »ihre eigenen Roheiten« hervor und bewirkt immer öfter das Gegenteil dessen, was sie intendiert.

Die einen sehen in ihr ein »sprachzivilisatorisches Projekt«, die anderen möchten sie »auf den Müllhaufen der Geschichte« werfen. Eine dritte Partei schließlich leugnet ihre Existenz, da es sich lediglich um einen »Kampfbegriff der Rechten«, also ein Phantom, handle.

Aus diesen Positionen ergibt sich ein typisch postmoderner, »paradoxer Frontverlauf«. Die Gegner der politischen Korrektheit bekämpfen Sprachregelungen, die die freie Meinungsäußerung einschränken, ihre Befürworter sehen in ihr ein Mittel, um die Verbreitung »falscher Meinungen« zu unterbinden, während ein Teil ihrer Befürworter den Gebrauch des Ausdrucks selbst ablehnt, da er das Projekt des »sensiblen Sprechens« diffamiere.

Zu Recht weist Stegemann darauf hin, dass in dieser dritten Position ein Selbstwiderspruch liegt: Wer den Begriff der politischen Korrektheit ablehnt, weil er ihn als beleidigend empfindet und gleichzeitig behauptet, es gebe keinerlei Sprachregelungen aufgrund von Empfindlichkeit, widerlegt offensichtlich sich selbst. Man versucht mit Hilfe einer Sprachregelung die Existenz solcher Sprachregelungen zu negieren. Aber in diesem Paradox verbirgt sich eine »Machttechnik«. Wie funktioniert sie?

Der typische Verlauf einer Auseinandersetzung über politische Korrektheit beginnt mit der Beschwerde über die Verengung des Meinungskorridors, die mit der Androhung der sozialen Ächtung gegen jeden verbunden sei, der diesen Korridor verlasse. Dem wird entgegnet, die Kritik sei unberechtigt, da man ja seine Meinung habe äußern können. Gleichzeitig erfolgt die Mahnung an die Kritiker, sich an die Regeln des Sagbaren zu halten. Jeder darf sagen was er will, er muss sich aber an die Regeln halten. Verstößt er gegen sie, muss er die entsprechenden Konsequenzen tragen. Die Meinungsfreiheit wird also formal bekräftigt, gleichzeitig werden alle Äußerungen einer moralischen Beurteilung unterworfen.

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