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Schwarzbuch Wikipedia

Mobbing, Diffamierung und Falschinformation in der Online-Enzyklopädie und was jetzt dagegen getan werden muss.

Begründer Jimmy Wales beteuert, das Onlinelexikon sei nahezu immun gegen Fake News. Schaut man genauer hin, zeigt sich: Von der einst guten Idee ist nach rund 20 Jahren nicht viel übriggeblieben. In der deutschsprachigen Wikipedia jedenfalls haben sich Sachfehler und Desinformation sowie Mobbing und Vandalismus ausgebreitet, Personen, Parteien und Unternehmen werden gezielt diffamiert – ein Spiegel der zunehmenden Radikalisierung unserer Internetkultur.

Die vorliegende Dokumentation enthält Texte und Interviews von und mit Experten sowie Geschädigten aus Politik, Wissenschaft und Kultur. Sorgfältig belegte Fallbeispiele, Gerichtsreportagen und bizarre Stilblüten runden das Bild ab. Das Buch zeigt aber auch Lösungswege aus dem Dilemma auf.

364 S., Euro 19,90.

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Schlachtfeld der Kränkungen – über die Erosion der Vernunft durch political correctness

In seiner Kritik der politischen Korrektheit geht Stegemann von der Beobachtung ihrer Ambivalenz aus. Zugrunde liegt ihr seiner Auffassung nach ein Gefühl des Gekränktseins. Zwar führt die Rücksichtnahme auf das Gekränktsein des Anderen zu größerer Achtsamkeit und damit potentiell zu einer Zivilisierung der Gesellschaft. Gleichzeitig bringt sie aber auch »ihre eigenen Roheiten« hervor und bewirkt immer öfter das Gegenteil dessen, was sie intendiert.

Die einen sehen in ihr ein »sprachzivilisatorisches Projekt«, die anderen möchten sie »auf den Müllhaufen der Geschichte« werfen. Eine dritte Partei schließlich leugnet ihre Existenz, da es sich lediglich um einen »Kampfbegriff der Rechten«, also ein Phantom, handle.

Aus diesen Positionen ergibt sich ein typisch postmoderner, »paradoxer Frontverlauf«. Die Gegner der politischen Korrektheit bekämpfen Sprachregelungen, die die freie Meinungsäußerung einschränken, ihre Befürworter sehen in ihr ein Mittel, um die Verbreitung »falscher Meinungen« zu unterbinden, während ein Teil ihrer Befürworter den Gebrauch des Ausdrucks selbst ablehnt, da er das Projekt des »sensiblen Sprechens« diffamiere.

Zu Recht weist Stegemann darauf hin, dass in dieser dritten Position ein Selbstwiderspruch liegt: Wer den Begriff der politischen Korrektheit ablehnt, weil er ihn als beleidigend empfindet und gleichzeitig behauptet, es gebe keinerlei Sprachregelungen aufgrund von Empfindlichkeit, widerlegt offensichtlich sich selbst. Man versucht mit Hilfe einer Sprachregelung die Existenz solcher Sprachregelungen zu negieren. Aber in diesem Paradox verbirgt sich eine »Machttechnik«. Wie funktioniert sie?

Der typische Verlauf einer Auseinandersetzung über politische Korrektheit beginnt mit der Beschwerde über die Verengung des Meinungskorridors, die mit der Androhung der sozialen Ächtung gegen jeden verbunden sei, der diesen Korridor verlasse. Dem wird entgegnet, die Kritik sei unberechtigt, da man ja seine Meinung habe äußern können. Gleichzeitig erfolgt die Mahnung an die Kritiker, sich an die Regeln des Sagbaren zu halten. Jeder darf sagen was er will, er muss sich aber an die Regeln halten. Verstößt er gegen sie, muss er die entsprechenden Konsequenzen tragen. Die Meinungsfreiheit wird also formal bekräftigt, gleichzeitig werden alle Äußerungen einer moralischen Beurteilung unterworfen.

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