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Tugendregime – Worum es in der politischen Kampfarena geht

Tugenden waren schon immer politisch. Zumindest seit die alten Griechen über sie nachzudenken begannen. Plato entwickelte seine Staatslehre aus einer Anthropologie der Tugenden, die im Zentrum der »Politeia« stand.

Foto: Eva K., CC BY-SA 2.5, https///commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=824045

Im Aufbau des Gemeinwesens und seiner Funktionsschichten spiegelte sich seiner Auffassung nach der Aufbau des Menschen. Die sozialen Aktivitäten der Bauern, Händler und Gewerbetreibenden, der Krieger und Wächter sowie jene der Philosophenherrscher sind Projektionen der ihnen entsprechenden Seelenkräfte mit ihren Tugenden bzw. Untugenden in die Sphäre von Raum und Zeit. Die begehrende, raumgreifende und die stoffliche Welt gestaltende Seelenkraft des Willens äußert sich in der Kultivierung des Bodens und der Hervorbringung von Gütern des täglichen Bedarfs, von Nahrungsmitteln, Werkzeugen, Waffen, Bauwerken und so weiter. Besonnenheit ist die Zähmung der Begierde durch Arbeit, durch die Umformung der widerständigen Natur. Die zwischen Sympathie und Antipathie, Liebe und Aggression hin und her oszillierende Kraft des Fühlens manifestiert sich im Mut der Wächter, die bereit sind, das Gemeinwesen gegen äußere und innere Feinde zu verteidigen. Die denkende Seele schließlich schwingt sich zur Weisheit, zur Anschauung der Ideenwelt, der Urbilder des Guten und Wahren auf und ist dadurch zur Lenkung des Gemeinwesens berufen. Wirkt jeder das Seine und der in ihm vorwaltenden Seelenkraft gemäß, verwirklicht sich im Gemeinwesen die Gerechtigkeit, das Zusammenstimmen und die Harmonie der Teile, die das optimale Gedeihen des Ganzen sichert. Daher ist die idealste Staatsform die Aristokratie, die Herrschaft der Besten, die aus der philosophischen Kontemplation des Weltzusammenhangs und den daraus gewonnenen Einsichten die optimalsten Entscheidungen treffen.

Da in ihnen die Weisheit über die anderen Seelenglieder dominiert, werden sie nicht von der Begierde nach Besitz bestimmt und verzichten freiwillig auf privates Eigentum. Politiker ohne Gier nach Bereicherung: in der Tat wäre dies nicht die Herrschaft der Schlechtesten! Und eben wo diese Gier sich unter den Besten ausbreitet, beginnt der Verfall des Gemeinwesens, das über die Timokratie, die Oligarchie und die Demokratie schließlich zur Tyrannei entartet.

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