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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Band 1 | 1875–1952

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Worum es geht, beschreibt die Einleitung.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung

Band 2 | 1953–1982

Der Zeitraum, den dieser zweite Band der Geschichte der Anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung umfasst, wurde von Albert Steffen und Rudolf Grosse geprägt. Albert Steffen war bis zu seinem Tod 1963 Vorsitzender der Gesellschaft.

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Vladimir Putin rechnet mit Kulturmarxismus ab

Vladimir Putin rechnet mit Kulturmarxismus ab. In einer Rede auf der Valdai-Konferenz am 21. Oktober 2021 sagte er u.a., der Kampf für Gleichheit und gegen Diskriminierung werde zu »einem aggressiven Dogma am Rande der Absurdität, wenn die großen Autoren der Vergangenheit – zum Beispiel Shakespeare – nicht mehr in Schulen und Universitäten« gelehrt würden, weil ihre Ideen »rückständig« seien. Über den rassistischen Antirassismus führte er aus: »Die Besessenheit bei dem Thema Rasse spaltet die Menschen weiter, während der Traum der wahren Bürgerrechtler darin bestand, die Unterschiede verschwinden zu lassen und die Unterscheidung der Menschen nach ihrer Hautfarbe abzulehnen.« Die Übersetzung fertigte Thomas Röper an.

Putin rechnet mit Kulturmarxismus ab

Ein Auszug aus Putins Rede: »Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte, ist, dass das Ausmaß des Wandels uns alle zwingt, besonders vorsichtig zu sein, und sei es nur aus Selbsterhaltungstrieb. Qualitative Veränderungen in der Technologie oder radikale Veränderungen in der Umwelt oder der Zusammenbruch gewohnter Strukturen bedeuten nicht, dass die Gesellschaft und der Staat radikal reagieren müssen. Zerstören ist bekanntlich etwas anderes als aufbauen. Leider wissen wir in Russland das aus eigener Erfahrung sehr gut und haben es mehr als einmal erlebt.

Vor etwas mehr als hundert Jahren hatte Russland objektiv gesehen, auch im Zusammenhang mit dem damals noch andauernden Ersten Weltkrieg, ernste Probleme, aber nicht mehr als andere Länder, vielleicht sogar in geringerem Ausmaß und weniger schwerwiegend, und hätte sie allmählich auf zivilisierte Weise überwinden können. Doch der revolutionäre Umbruch führte zu einem Zusammenbruch, zum Zerfall des großen Landes. Die Geschichte wiederholte sich vor 30 Jahren, als ein potenziell sehr mächtiges Land den notwendigen flexiblen, aber notwendigerweise durchdachten Wandel nicht rechtzeitig in Angriff nahm und infolgedessen Dogmatikern aller Art zum Opfer fiel: Reaktionären und so genannten Progressiven – alle haben daran gearbeitet, auf beiden Seiten.

Anhand dieser Beispiele aus unserer Geschichte können wir sicher sagen: Die Revolution ist nicht der Ausweg aus der Krise, sondern sie verschärft sie nur. Keine Revolution war jemals den Schaden wert, den sie dem menschlichen Potenzial zugefügt hat.

Drittens. In der heutigen zerbrechlichen Welt nimmt die Bedeutung eines soliden, moralischen, ethischen und wertebasierten Fundaments erheblich zu. Werte sind das Produkt der kulturellen und historischen Entwicklung eines jeden Volkes und sie sind ein einzigartiges Produkt. Die gegenseitige Vermischung der Völker ist zweifellos bereichernd, Offenheit erweitert den Blick und ermöglicht ein anderes Verständnis der eigenen Tradition. Dieser Prozess sollte jedoch organisch sein und geht nicht schnell. Denn was fremd ist, wird immer abgelehnt, vielleicht sogar in harter Form. Versuche, unter unsicheren und unvorhersehbaren Bedingungen Werte zu diktieren, verkomplizieren eine ohnehin schon angespannte Situation weiter und führen in der Regel zu einer Gegenreaktion und zum Gegenteil des erwarteten Ergebnisses.

Wir sind überrascht von den Prozessen, die sich in Ländern abspielen, die sich früher als Vorreiter des Fortschritts verstanden haben. Die sozialen und kulturellen Umwälzungen, die sich in den USA und Westeuropa abspielen, gehen uns natürlich nichts an; wir mischen uns da nicht ein. Irgendwer in den westlichen Ländern ist davon überzeugt, dass die aggressive Auslöschung ganzer Seiten der eigenen Geschichte, die ›umgekehrte Diskriminierung‹ der Mehrheit zugunsten von Minderheiten oder die Forderung, das übliche Verständnis von so grundlegenden Dingen wie Mutter, Vater, Familie oder sogar dem Unterschied zwischen den Geschlechtern aufzugeben, dass das ihrer Meinung nach Meilensteine der Bewegung zur sozialen Erneuerung sind.

Wissen Sie, ich möchte noch einmal betonen, dass es ihr Recht ist, dass wir uns da heraushalten. Wir bitten sie nur, sich von unserem Haus fernzuhalten. Wir – oder korrekt ausgedrückt, die große Mehrheit der russischen Gesellschaft – haben eine andere Sichtweise und meinen, dass wir uns auf unsere geistigen Werte, auf die historischen Traditionen, auf die Kultur unseres multi-ethnischen Volkes stützen müssen.

Die Vordenker des sogenannten sozialen Fortschritts glauben, dass sie der Menschheit ein neues Bewusstsein bringen, ein Bewusstsein, das richtiger ist als das vorherige. Und Gott mit ihnen, sollen sie – wie man bei uns sagt – mit der Fahne in der Hand voran stürmen. Aber wissen Sie, was ich sagen will: Die Rezepte, die sie anbieten, sind absolut nicht neu, das haben wir in Russland alles schon durchgemacht, auch wenn es manchen seltsam vorkommen mag, aber bei uns gab es das schon. Die Bolschewiken erklärten nach der Revolution von 1917, gestützt auf die Dogmen von Marx und Engels, auch, dass sie die gesamte gewohnte Lebensweise ändern würden, nicht nur die politische und wirtschaftliche, sondern auch die Vorstellung davon, was die menschliche Moral ist, die Grundlage für die gesunde Existenz der Gesellschaft. Die Zerstörung jahrhundertealter Werte, Überzeugungen, zwischenmenschlicher Beziehungen bis hin zur völligen Abschaffung der Familie – das gab es -, das Einschleusen und die Ermutigung zum Anschwärzen von Verwandten – all das wurde zum Fortschritt erklärt und fand übrigens damals in der Welt breite Unterstützung und war in Mode, genauso wie heute. Übrigens: Die Bolschewiken waren gegenüber anderen Meinungen auch vollkommen intolerant.

Das sollte uns – meiner Meinung nach – irgendwie an das erinnern, was wir jetzt erleben. Wenn wir uns ansehen, was in einer Reihe westlicher Länder geschieht, stellen wir mit Erstaunen sowjetische Praktiken fest, die wir selbst zum Glück hinter uns gelassen haben und die hoffentlich in der Vergangenheit bleiben. Der Kampf für Gleichheit und gegen Diskriminierung wird zu einem aggressiven Dogma am Rande der Absurdität, wenn die großen Autoren der Vergangenheit – zum Beispiel Shakespeare – nicht mehr in Schulen und Universitäten gelehrt werden, weil sie, ihre Ideen, wie man glaubt, rückständig sind. Die Klassiker werden für rückständig erklärt, da sie die Wichtigkeit von Gender oder Rasse nicht verstehen. Hollywood schreibt vor, wie ein Film sein und wovon er handeln soll, wie viele Figuren welcher Hautfarbe oder welchen Geschlechts darin vorkommen sollen. Das ist schlimmer als die Agitations- und Propagandaabteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Sich dem Rassismus entgegenzustellen, ist eine notwendige und edle Sache, aber in der neuen ›Cancel Culture‹ wird daraus eine ›umgekehrte Diskriminierung‹, also ein umgekehrter Rassismus. Die Besessenheit bei dem Thema Rasse spaltet die Menschen weiter, während der Traum der wahren Bürgerrechtler darin bestand, die Unterschiede verschwinden zu lassen und die Unterscheidung der Menschen nach ihrer Hautfarbe abzulehnen. Ich erinnere daran – und ich habe meine Kollegen gestern extra gebeten, dieses Zitat von Martin Luther King herauszusuchen -, dass er, wie Sie sich vielleicht erinnern, sagte: ›Ich habe den Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einem Land leben werden, in dem sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrer Persönlichkeit beurteilt werden‹ – das ist der wahre Wert. Aber wir sehen, dass dort jetzt etwas anderes vor sich geht. In Russland ist es übrigens der überwiegenden Mehrheit unserer Menschen egal, welche Hautfarbe jemand hat, und es ist auch nicht so wichtig, ob jemand Männlein oder Weiblein ist. Jeder von uns ist ein menschliches Wesen, das ist das Wichtigste.

Die Debatte über die Rechte von Männern und Frauen ist in einer Reihe von westlichen Ländern zu einem völligen Hirngespinst geworden. Sehen Sie, Sie werden zu dem Punkt kommen, den die Bolschewiken vorgeschlagen haben, dass nicht nur Hühner, sondern auch Frauen kollektiviert werden sollten. Noch ein Schritt und Sie sind an dem Punkt.

Die Eiferer der neuen Ansätze gehen so weit, dass sie diese Begriffe selbst abschaffen wollen. Diejenigen, die zu sagen wagen, dass es Männer und Frauen gibt und dass das eine biologische Tatsache ist, werden regelrecht geächtet. ›Elternteil Nummer eins‹ und ›Elternteil Nummer zwei‹, ›gebärender Elternteil‹ anstelle von ›Mutter‹, ein Verbot der Verwendung des Begriffs ›Muttermilch‹ und dessen Ersetzung durch ›menschliche Milch‹ – damit sich Menschen, die sich über ihr eigenes Geschlecht nicht sicher sind, nicht aufregen. Ich möchte wiederholen, dass das nicht neu ist: In den 1920er Jahren wurde der so genannte ›Neusprech‹ auch von den sowjetischen Kulturregimen erfunden, die glaubten, auf diese Weise ein neues Bewusstsein zu schaffen und die Werteordnung zu verändern. Und wie ich bereits sagte, haben sie so viel angerichtet, dass es manchmal heute noch schmerzt.

Ganz zu schweigen von dem Ungeheuerlichen, das geschieht, wenn Kindern von klein auf beigebracht wird, dass ein Junge ohne weiteres ein Mädchen werden kann und umgekehrt, wenn ihnen die Wahl, die angeblich jedem offensteht, aufgezwungen wird. Sie wird aufgezwungen, indem die Eltern aus der Verantwortung genommen werden, indem das Kind gezwungen wird, Entscheidungen zu treffen, die sein Leben ruinieren können. Und niemand zieht Kinderpsychologen zu Rate: Ist ein Kind in irgendeinem Alter in der Lage, eine solche Entscheidung zu treffen oder nicht? Um die Dinge beim Namen zu nennen: Das grenzt schlichtweg an ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und das alles im Namen und unter dem Banner des Fortschritts.

Wenn es jemandem gefällt, soll er das tun. Ich habe mal gesagt, dass wir uns bei der Gestaltung unserer Ansätze von der Ideologie eines gesunden Konservatismus leiten lassen. Das war vor einigen Jahren, damals hatten die Leidenschaften auf der internationalen Bühne noch nicht ihre heutige Intensität erreicht, obwohl man natürlich sagen kann, dass sich die Wolken schon damals verdichtet haben. Jetzt, da die Welt einen strukturellen Zusammenbruch erlebt, hat die Bedeutung eines vernünftigen Konservatismus als Grundlage für die Politik um ein Vielfaches zugenommen, gerade weil sich die Risiken und Gefahren vervielfachen und die Realität um uns herum zerbrechlich ist.

Der konservative Ansatz ist keine stumpfsinnige Bevormundung, keine Angst vor Veränderungen und kein Spiel des Festhaltens, geschweige denn des Sich-Einschließens in sein Schneckenhaus. Er ist vor allem das Vertrauen in die bewährte Tradition, die Erhaltung und Mehrung der Bevölkerung, der realistischen Einschätzung von sich selbst und den anderen, der genaue Aufbau des Prioritätensystems, das Verhältnis zwischen dem Notwendigen und dem Möglichen, die durchdachte Formulierung von Zielen, die prinzipielle Ablehnung des Extremismus als Handlungsweise. Und offen gesagt, für die bevorstehende Periode der Neuordnung der Welt, die ziemlich lange dauern kann und deren endgültige Ausgestaltung unbekannt ist, ist ein gemäßigter Konservatismus – zumindest meiner Meinung nach – die vernünftigste Verhaltenslinie. Er wird sich natürlich verändern, aber im Moment scheint der medizinische Grundsatz ›nicht schaden‹ am vernünftigsten zu sein. Nil nocere, wie Sie wissen.

Ich wiederhole: Für uns in Russland sind dies keine spekulativen Postulate, sondern die Lehren aus unserer schwierigen, bisweilen tragischen Geschichte. Der Preis eines unüberlegten sozialen Naturalismus ist manchmal einfach nicht abzuschätzen; er zerstört nicht nur die materiellen, sondern auch die geistigen Grundlagen der menschlichen Existenz und hinterlässt moralische Trümmer, auf denen für lange Zeit nichts mehr aufgebaut werden kann.«

Quelle

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