suche | spenden | impressum | datenschutz

Diese Webseite durchsuchen


Anzeigen

Wenn Sie auf dieser Seite keine Anzeigen sehen, haben Sie einen Adblocker installiert. Bitte fügen Sie für anthroweb.info eine Ausnahmeregel ein. Damit unterstützen Sie das unentgeltliche Angebot dieser Webseite.


Produktlinks


Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



Von der Notwendigkeit, Schichtenurteile zu bilden

In Zeiten von Corona zeigt sich die Sprache der Ausgrenzung und des Hasses in ihrer ganzen Fragwürdigkeit. Die Krise fordert uns auf, Schichtenurteile zu bilden.

Walchensee. © Lorenzo Ravagli

Die Wahrheit liegt nicht auf der Oberfläche. Walchensee. © Lorenzo Ravagli

Gastbeitrag von Andreas Laudert

1.

Warum stellt sich auch bei einem vollkommen unnormalen Modus unseres Alltagsverhaltens relativ rasch ein Gefühl der Normalität ein? Sie heißt nun, folgt man den Worten des Gesundheitsministers, lediglich »neue Normalität«. Es ist, als käme bereits unsere Sprache nicht mehr hinterher und setzte sich nach einer Weile erschöpft auf eine Wiese und schaute in den Himmel. Es ist, als kehrte unser Denken in den eigenen vier Wänden sich selbst den Rücken, um sich nicht im Spiegel, um nicht die eigenen Gedanken erblicken zu müssen. Es ist, als wüssten wir nicht mehr, was wir denken sollen – dabei »sollen« wir gar nicht denken, wir dürfen und wir können es –, es ist, als beherrschte uns ein Gefühl, das als Sorge um die eigene Gesundheit begann und als Irritation oder Missmut angesichts des Ungehorsams anderer endete, das plötzlich von der nackten Angst zur moralischen »Vernunft« mutierte, ein Gefühl, dessen Herkunft wir nicht mehr überprüfen, weil wir mit seiner Wirkung so beschäftigt sind.

Aber auch düstere Szenarien, die jetzt ersonnen oder konkludiert werden, dürften am Ende mehr oder minder ausbleiben, oder zumindest unserem Wahrnehmen und Wahrnehmenwollen entzogen sein, weil unser Zusammenleben, unsere medialen Gesellschaften und unsere Gewohnheiten so funktionieren, dass selbst das Ungeheuerlichste sich unentwegt selbst filtert, sich selbst relativiert und am Ende nur ein paar neue Schlagworte oder Moden oder nette Kolumnen über dies und jenes hervorgebracht haben wird.

Einige Menschen werden wahrscheinlich über diese Zeit reden wie über eine unfassbar abenteuerliche Ferienreise, wo wir zwar in Gefahr gerieten, wo aber alles glimpflich ausging und wir wertvolle neue Erfahrungen sammelten. Souvenirs, kleinere oder größere Unpässlichkeiten führen wir von dort noch eine Weile mit im Gepäck, aber im Großen und Ganzen haben wir alles blendend überstanden, die Wirtschaft brummt. Wir werden uns wieder vertragen und das Kleingedruckte in den neuen Verträgen und Gesetzen hinnehmen. Wir setzen uns nicht groß damit auseinander, wir saßen schließlich monatelang genug »auseinander«. Wir werden nicht kleinlich sein wollen – im Feuilleton und in der Wissenschaft wird genug Platz für die »großen Debatten« bleiben, für die tiefergehende Aufarbeitung, für den Ernst, den wir natürlich auch ernstnehmen und honorieren und mit Preisen bedenken. Wird also alles wieder gut? Wird die Ausnahme die Regel? Wenn wir es eines Tages mit der Vorsicht mal gut sein lassen – was wird das sein: das Gute?

Lesen Sie weiter

To top

nach Oben