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Von Plato zu den Essäern – Das Christentum als mystische Tatsache (3)

Von Plato zu den Essäern. Der tiefste Kern des esoterischen Christentum existierte bereits Jahrhunderte vor Christi Geburt.

Der 12. Vortrag Steiners leitet zum Christentum über, indem er sich mit dem Einfluss der platonischen Philosophie auf dieses auseinandersetzt. Hier ist erstmals von Christus die Rede. Zugrunde liegt dem Vortrag eine Betrachtung dessen, was Platonismus und Christentum unterscheidet. Die Grundvorstellungen der platonischen Weltanschauung von der Seelenewigkeit und von der Liebe waren laut Steiner jene beiden Ideen, die den größten Einfluss auf die geistige Entwicklung der Menschheit ausgeübt haben. Die Ewigkeit der Seele war Plato zufolge keine Naturgegebenheit, sondern nur durch die philosophische Einweihung zu erreichen, dadurch, dass die Seele sich zur Ideenschau erhebt, indem sie sich vom sinnlichen Leben abwendet. Ein asketischer (oder pädagogischer) Grundzug geht durch Platos Philosophie, die die Seele hinauferziehen will zur Schau des Geistes, zur Teilhabe an dessen Ewigkeit, ein Zug, der dem gesamten antiken Mysterienwesen eigen ist, an dessen Hand sich auch der Weg von Plato zu den Essäern beschreiben lässt. (Näheres zu diesem asketischen Zug auch bei Sloterdijk: Du musst dein Leben ändern, Stichwort »Vertikalspannung«).

Dieser initiatorisch-pädagogischen Auffassung des Aufschwungs der Seele zum Geist stellte das Christentum die unmittelbare Gewissheit der Erlösung durch eine sinnliche, historische Tatsache gegenüber. Also ein diametraler Gegensatz: auf der einen Seite die Abwendung von der sinnlichen Gewissheit, auf der anderen ihre Affirmation. »Der mit den Sinnen wahrgenommene Erlöser ist es, um den es sich handelt.« Die unmittelbaren Augenzeugen erzählten von dessen Gegenwart, auf sie beriefen sich ihre Nachfolger, das Zeugnis von der historischen Wahrheit lebte in der Kirche fort. »Dies ist die sinnliche Wahrheit, welche im Bewusstsein der ersten Christen lebte.« Diese Wahrheit des sinnlichen Erlösers war für alle Zeiten da. Darin bestand das christliche Mysterium. Demgemäß war auch das Abendmahl kein bloßes Symbol, sondern Realität: wirkliche Kommunion mit der Substanz der Erlösung. Christus wurde jedes Jahr real im Weihnachtsfest geboren. Steiner bezeichnet dies als »mystische Auffassung«. Die Kirche wurde als Institution, als Leib aufgefasst, in dem der lebendige Christus auf mystische Weise weiterwirkte (die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen als Geistleib Christi). Durch die Taufe, die sie spendete, nahm er in seine Gemeinschaft auf. Zwar konnte dieses Fortleben des Erlösers in der Kirche nicht verstanden werden, da es mystisch war – real war es trotzdem. Noch Augustinus bekannte, er hätte nicht glauben können, wenn die Kirche die Wahrheit des Glaubens nicht bezeugt hätte. Die Kirche musste die Verkörperung des Mysteriums, eine mystische Gemeinschaft sein. Der Inhalt des Christentums konnte nicht bewiesen, er musste geglaubt werden. Allerdings, so Steiner, mussten sich auch die Mysten in den Mysterien einem Prozess unterwerfen, der sie zu einem Erlebnis führte. Die Wahrheit dieses Erlebnisses konnte ebensowenig bewiesen werden, wie die Erlösungsgewissheit des christlichen Glaubens. Aber im Prinzip konnte jeder Einzelne durch die Initiation zu diesem Erlebnis gelangen. »Im Christentum« dagegen trat etwas Neues hinzu: »die Stellvertretung durch eine einzelne in der Geschichte lebende Persönlichkeit.«

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