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Selbsterkenntnis in der Geschichte

Das Werk »Selbsterkenntnis in der Geschichte. Anthroposophische Gesellschaft und Bewegung im 20. Jahrhundert« bietet ein Jahrhundert Anthroposophie in verdichteter Form. Erschienen ist inzwischen der erste Band. Worum es geht, beschreibt die Einleitung, von der hier ein Auszug folgt.

Die vorliegende Studie unternimmt den Versuch, eines der aufregendsten spirituellen Experimente des 20. Jahrhunderts aus der Perspektive eines teilnehmenden und zugleich kritischen Beobachters im Kontext der zeitgenössischen Geschichte nachzuzeichnen und zu interpretieren. Der Standpunkt des Verfassers dieses Versuchs befindet sich aufgrund der von ihm angewandten Forschungsmethode, die nicht nur ihren Gegenstand, sondern auch die Hervorbringung ihres Gegenstandes beobachtet, zugleich innerhalb und außerhalb dieses Experiments.

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt nicht auf Institutionen oder Organisationen, sondern auf den Debatten, die über das Selbstverständnis der Anthroposophen geführt wurden. Gesellschaft und Bewegung sind in hohem Grade selbstreflexiv; die permanente Diskussion über die anthroposophische Identität gehört damit zum Kern der Geschichte beider. Der anthroposophische Identitätsdiskurs durchdringt alle Arbeitsfelder und sozialen Netze, die sich auf die eine oder andere Art dem gemeinsamen Ursprung verbunden fühlen, auf den sie sich beziehen. Eine Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft und Bewegung muss daher als Geschichte ihrer Diskurse über das eigene Selbstverständnis geschrieben werden. Dass es sich bei einer solchen Diskursgeschichte um eine spezifisch anthroposophische Form von Historiographie handelt, ergibt sich auch aus einem weiteren Gesichtspunkt.

Das Buch kann hier erworben werden. Oder in jeder Buchhandlung



»Was einer der geringsten eurer Brüder denkt …«

»Was einer der geringsten eurer Brüder denkt …«. Rudolf Steiner 1919 über Toleranz und Selbsterziehung zum Idealismus als Gedankenweg und Willensweg zu Christus.

was einer der geringsten eurer brüder denkt

Toleranz – der Gedankenweg zu Christus

Wie finde ich den wahren Weg, der zu Christus führt, zu diesem besonderen göttlichen Wesen, das mit Recht als der Christus bezeichnet wird? – Wenn wir bloß geboren werden und von der Geburt bis zum Tode hier auf Erden mit einem Seelenleben leben, das sich nun einmal nach der gebräuchlichen Anlage und Entwickelung der Anlagen zwischen Geburt und Tod ergibt, dann haben wir nämlich gar keine Veranlassung, zu dem Christus zu kommen. Dann mag in uns noch so viel Geistiges vorgehen, wir haben keine Veranlassung zu dem Christus zu kommen. Wenn wir uns gewissermaßen, ohne dass wir etwas Gewisses tun, was ich gleich bezeichnen werde, einfach zwischen Geburt und Tod entwickeln, wie das die meisten Menschen heute tun, dann bleiben wir dem Christus fern.

Wie aber kommen wir zu dem Christus? Die Initiative, wenn auch die manchmal aus dem Unterbewussten oder aus dem dunklen Gefühl heraus kommende Initiative, den Weg zum Christus einzuschlagen, muss aus uns selbst kommen. Zu dem Gott, der auch identisch ist mit dem Gott Jahwe, kann man kommen, wenn man einfach gesund lebt. Den Jahwe nicht zu finden, ist bloß eine Art von Krankheit des Menschen. Gottesleugner, Atheist sein, bedeutet in einer gewissen Weise krank sein. Ist man überhaupt vollständig gesund normal entwickelt, so ist man nicht Gottesleugner, weil es lächerlich ist, zu glauben, dass dasjenige, was wir als unseren gesunden Organismus an uns tragen, nicht göttlichen Ursprungs sein könnte. Das Ex deo nascimur ist etwas, was im sozialen Leben dem gesund entwickelten Menschen sich von selbst ergibt. Denn erkennt er das nicht an: Aus dem Göttlichen bin ich geboren – so muss er irgendwie einen Defekt haben, der sich eben in der Weise ausdrückt, dass er Atheist wird. Aber da kommen wir zu dem Göttlichen im allgemeinen, das aus einer inneren Lüge heraus moderne Pastoren Christus nennen, das aber nicht der Christus ist.

Zu dem Christus kommen wir nur – und ich spreche hier mit Bezug auf unsere unmittelbare Gegenwart –, wenn wir noch weitergehen, als das gewöhnlich naturgemäß Gesunde anzuerkennen. Denn wir wissen, dass das Mysterium von Golgatha deshalb auf die Erde gekommen ist, weil fernerhin der Mensch nicht das Menschenwürdige ohne dieses Mysterium von Golgatha, das heißt, ohne den Christus-Impuls hätte finden können. Und so müssen wir gewissermaßen unseren Menschen zwischen Geburt und Tod nicht nur finden, sondern wir müssen ihn wiederfinden, wenn wir Christen sein wollen im rechten Sinne, wenn wir dem Christus nahekommen wollen. Wir müssen ihn in der folgenden Weise wiederfinden, diesen unseren Menschen. Wir müssen die innere Ehrlichkeit suchen, müssen uns aufraffen zu der inneren Ehrlichkeit, uns zu sagen: Wir werden mit Bezug auf unsere Gedankenwelt nach dem Mysterium von Golgatha nicht vorurteilslos geboren, wir werden alle mit gewissen Vorurteilen geboren.

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