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Was tun die Exusiai im Phantom des Menschen? – 1911 – Teil 1 (Zur Christologie Steiners #27)

Im Oktober 1911 hielt Steiner in Karlsruhe jene Vortragsreihe für Mitglieder der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft, von der – wie er später wiederholt bemerkte – die »Feindschaft der Jesuiten« gegen die Anthroposophie ausgegangen sei. Veranlasst worden sei diese Feindschaft durch seine Ausführungen über die Exerzitien des Ignatius von Loyola als okkulten Schulungsweg, der aufgrund einer »Überspannung des Jesus-Prinzips« eine »außerordentlich gefährliche Verirrung« darstelle und dem Rosenkreuzerweg diametral entgegengesetzt sei.

Die Erde im Sonnenwind. Grafik NASA.

Die Erde im Sonnenwind. Grafik NASA.

In dieser Vortragsreihe findet sich der erste explizite Hinweis darauf, dass Christus gegen Ende des 20. Jahrhunderts das »karmische Richteramt« übernehmen wird. Mehr als zwei Jahrtausende hatte Moses, der dem Menschen nach dem Tod – »beim Eintritt in die Läuterungszeit« – gegenübertrat und ihm sein Sündenregister vorhielt, dieses Amt inne. Nun aber wird Christus zum »Herrn des Karma« und darauf bedacht sein, den karmischen Ausgleich für jeden einzelnen Menschen »in der bestmöglichen Weise in die allgemeinen Weltangelegenheiten einzufügen«. Dieses übersinnliche Ereignis wird immer stärker in das Leben des Menschen vor dem Tod hineinwirken, so dass er – jeder Mensch – die Empfindung entwickeln wird, mit allem, was er tue, vor Christus – dem »großen menschlichen Erdenvorbild«, dem der Geistesschüler bekanntlich auch an der Schwelle begegnet – Rechenschaft ablegen zu müssen. Dieses Gefühl werde sich im weiteren Verlauf der Bewusstseinsentwicklung umgestalten und die Seele »mit einem Licht durchtränken«, das vom Menschen ausgehen und »die Christus-Gestalt in der ätherischen Welt beleuchten« werde. Dies ist eine zeitlich frühere Erklärung für das Sichtbarwerden Christi in ätherischer Gestalt, nachdem wir eine spätere Herleitung dieses Ereignisses (im Vortrag vom 2. Mai 1913) aus der Erlösung jenes Engels, dessen Ätherleib Organ der Epiphanie Christi ist, bereits weiter oben kennengelernt haben. Die beiden Erklärungen schließen sich natürlich nicht aus, sondern ergänzen sich.

Auf diese Themen soll hier jedoch nicht weiter eingegangen werden, vielmehr wenden wir uns dem zentralen Gegenstand dieser Reihe zu: der Auferstehung. Die Karlsruher Vorträge aus dem Jahr 1911 sind die ersten, in welchen Steiner ausführlich unter Verwendung einer neuen – oder zumindest präzisierten – Terminologie und in Anknüpfung an die Lehre des Paulus vom ersten und zweiten (letzten) Adam auf die genaueren Umstände dieses Vorgangs eingeht. Der Gegenstand wird im fünften bis siebten Vortrag entwickelt, der achte fügt einige Ergänzungen hinzu. Die Ausführungen über die Auferstehung sind deshalb für unsere Fragestellung von Interesse, weil in ihrem Verlauf einige Bemerkungen über Christus als hierarchisches bzw. überhierarchisches Wesen fallen. Außerdem machen sie deutlich, dass Steiners Christologie, je mehr sie sich nach oben in Richtung Trinität ausweitete, zugleich um so tiefer in die Mysterien der Menschwerdung eindrang. Die sich in zwei Richtungen erstreckende Erkenntnisbewegung erinnert an das bekannte Bild des Baumes, der um so höher in den Himmel ragt, je tiefer er in der Erde verwurzelt ist.

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