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Fast alles ist subjektiv – Neues aus Provo (4)

Die philosophischen Kontexte der anthroposophischen Kosmanthropogonie führen laut Clement von Kant über Schelling und Fichte (Vater und Sohn) zur Theosophie und über diese hinaus. Eine eingehendere Untersuchung seiner philosophischen Entwicklung entkräftet, wie er auch an dieser Stelle betont, die These von der »Konversion« Steiners zur Theosophie, vielmehr erweist sich durch sie, dass die verschiedenen Phasen jener Entwicklung Ausdruck eines in sich »kohärenten« Prozesses sind. »Steiners Zugang zur Wirklichkeits- und damit zur Ursprungsfrage« erscheint demnach in der prinzipiellen Nachfolge Kants – aber auch in Abgrenzung von ihm – als »transzendentalphilosophisch«.

Zuzustimmen ist dem, wenn unter »Transzendentalphilosophie« eine Philosophie verstanden wird, die sich aus einem exzentrischen Standpunkt ergibt, von dem aus das erkennende Bewusstsein seine eigene Tätigkeit beobachtet, nicht jedoch, wenn diese das Postulat einer Wirklichkeit einschließt, die dem Erkennen aus prinzipiellen Gründen entzogen ist.

Unter »Wirklichkeit« verstehe der junge Steiner die »innere Einheit dessen, was in der menschlichen Erfahrung notwendig in eine innere und eine äußere ›Welt‹«, in Subjekt und Objekt zerfalle, schreibt Clement. Daher dürfe sich die Erkenntnis nie nur auf einen dieser Teilbereiche erstrecken, sondern müsse das Ganze erfassen, aus dem die Teile hervorgingen. »Geisteswissenschaft« wiederum, so wie Steiner sie auffasse, richte sich nicht nur auf die Erzeugnisse des menschlichen Geistes (in Religion, Wissenschaft und Kultur), das also, was Hegel als objektiven Geist bezeichnete, sondern schließe die Tätigkeit mit ein, die all diese Erzeugnisse hervorbringe. Allein in der Erfahrung dieser zeugenden Tätigkeit könne der Mensch hoffen, jene Einheit zu erfassen, deren Bilder und Spiegelungen alle sinnenfälligen oder ideellen Welten seien.

Bereits in der Philosophie der Freiheit finde sich eine ahnungsvolle Passage, die darauf hindeute, dass sich die Frage nach dem Ursprung – und damit die Grundfrage der Kosmogonie – nicht durch die äußere Erfahrung, sondern nur durch die Erfahrung des Denkens beantworten lasse:

»Wir können uns nicht mit einem Sprunge an den Anfang der Welt versetzen, um da unsere Betrachtung anzufangen, sondern wir müssen von dem gegenwärtigen Augenblick ausgehen und sehen, ob wir von dem Späteren zu dem Früheren aufsteigen können. Solange die Geologie von erdichteten Revolutionen gesprochen hat, um den gegenwärtigen Zustand der Erde zu erklären, solange tappte sie in der Finsternis. Erst als sie, ihren Anfang damit machte, zu untersuchen, welche Vorgänge gegenwärtig noch auf der Erde sich abspielen und von diesen zurückschloss auf das Vergangene, hatte sie einen sicheren Boden gewonnen. Solange die Philosophie alle möglichen Prinzipien annehmen wird, wie Atom, Bewegung, Materie, Wille, Unbewusstes, wird sie in der Luft schweben.

Erst wenn der Philosoph das absolut Letzte als sein Erstes ansehen wird, kann er zum Ziele kommen. Dieses absolut Letzte, zu dem es die Weltentwickelung gebracht hat, ist aber das Denken.«

Damit sei der Ausgangspunkt der späteren esoterischen Kosmogonie vorweggenommen, denn diese gehe nicht von äußeren Tatsachen, sondern von der Tatsache des Denkens aus. Indem der Erkennende sich in die »geistig-seelische Aktivität« vertiefe, die in seinem »individuellen subjektiven Denken« zum Ausdruck komme, gelange er zur Einsicht, dass diese Tätigkeit »über das Individuum und die Subjektivität« hinausweise, die raumzeitliche Erfahrung transzendiere und damit zum »Anfang der Welt« führe. Denn diese (nicht näher spezifizierte) geistig-seelische Tätigkeit sei der Ursprung aller Welten; indem der Mensch an ihr teilhabe, sei er tatsächlich bei der Weltschöpfung jederzeit »darbey«. Eine Tätigkeit gebe es, die sowohl das individuelle Bewusstsein hervorbringe, als auch die »scheinbar draußen liegende Welt« – und diese sei aus Steiners Perspektive ein und dieselbe.

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