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Geschichte der Anthroposophie: 1976 | Der Eingriff des Widersachers

Die Übersicht der für die anthroposophische Gesellschaft und Bewegung »epochalen« Publikationen wäre nicht vollständig, wenn wir nicht an ein weiteres Buch erinnern würden, das ebenfalls im Jahr 1976 erschien: die Studie »Der Eingriff des Widersachers« von Johannes Tautz (1914-2008). Diese Studie, die »Fragen zum okkulten Aspekt des Nationalsozialismus« behandelt, fasst drei für den Druck aufbereitete Vorträge zusammen, die der Stuttgarter Waldorflehrer bereits 1966 – 33 Jahre nach der Machtergreifung – gehalten hatte.

Die Aufgabe, die Tautz sich stellte, bestand darin, sich mit den »Kräften der Zerstörung«, die während der Epoche des Nationalsozialismus in die Geschichte »eingebrochen« waren, geistig auseinanderzusetzen, um »künftige Angriffe der Freiheitsgegner« zu verhindern. Tautz fragte in seinem »Werkstattbericht« nach dem historischen Zeitpunkt, an dem jene »Widersachermächte«, auf die Steiner frühzeitig hingewiesen habe, in den Gang der Geschichte eingriffen hätten, nach den »Mitteln ihrer Wirksamkeit« und der »Bedeutung und dem Rang dieser Wesenheiten«. Seiner Fragestellung legte er eine Auffassung zugrunde, die nach dem Vorbild der »Zeitgeschichtlichen Betrachtungen« Steiners von 1916/17 Geschichte als einen »physiognomischen Ausdruck geistiger Kräfte« deutete. Die »wirklichen Ursachen und Triebfedern« gelte es zu durchschauen, die das Volk der Deutschen »in den Abgrund des Bösen« gestürzt hätten. Möglich sei dies nur, wenn jenes Übersinnliche, das in der Geschichte wirke, so wie das Ich in der menschlichen Biografie, in die Untersuchung einbezogen werde.

Tautz eröffnet seine Darstellung der äußerlichen Geschichte des Nationalsozialismus mit dem Reichstagsbrand, der Ouvertüre jener zwölf Jahre, an deren Ende ein Weltenbrand das auf Wahn und Dämonie gebaute »Dritte Reich« verschlingen sollte. Mit dem Reichstagsbrand sei ein Ventil geöffnet worden, durch das »eine ganze Welt lauernder Untergangsgeister« hereingebrochen sei, sich »der getrübten Bewusstseine bemächtigt« und in »unkontrollierten Triebhandlungen und halb-schizophrenen Zwangstaten« ausgewirkt habe. Durch die auf den Brand folgende »Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat« sei eine Entwicklung aufgehoben worden, die 1215 mit der großen Freiheitsurkunde, der Magna Charta ihren Anfang genommen habe. Mit jener Verordnung sei eine »große Urkunde der Unfreiheit« eingesetzt worden und die Herrschaft der Rechtlosigkeit habe in Deutschland ihren Lauf genommen.

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