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Holocaust-Leugnung und der Umgang mit der deutschen Geschichte

Unter den Begriffen »Revisionismus« oder »Negationismus« werden im Sprachgebrauch der Geschichtswissenschaft Bestrebungen zusammengefaßt, die darauf abzielen, historische Wahrheit zu verfälschen und die Massenvernichtungen dieses Jahrhunderts zu verharmlosen oder sogar gänzlich in Abrede zu stellen. Je nach politischem Motiv und weltanschaulicher Überzeugung können im Zentrum negationistischer Bemühungen die Entkulakisierungen und Zwangsdeportationen der Ära Stalins, der von den Jungtürken während des Ersten Weltkrieges an den Armeniern verübte Völkermord, die von Einheiten der serbischen Armee besorgten »ethnischen Säuberungen« im früheren Bundesstaat Jugoslawien oder der nationalsozialistische Genozid an Juden, Sinti und Roma stehen.

Von Ralf Sonnenberg

Das internationale Völkerrecht definiert »Revisionismus« darüber hinaus als die Bereitschaft, Verträge abzuändern, sich mit territorialen Grenzziehungen nicht abfinden zu wollen und auf eine Revision der entsprechenden vertraglichen Übereinkünfte hinzuarbeiten. Das wohl folgenreichste und zugleich verhängnisvollste Beispiel eines Revisionismus der jüngeren Geschichte war mit dem Diktat von Versailles verbunden, dessen einseitige Schuldzuweisung in bezug auf die Ursachen des Ersten Weltkrieges der nationalsozialistischen Propaganda die Rechtfertigung lieferte, auf die Wiederherstellung militärischer Macht und Geltung Deutschlands zu pochen. Nach 1945 konzentrierten sich die Bemühungen sogenannter Revisionisten zunehmend auf den Versuch, den Charakter des von der Wehrmacht im Osten Europas geführten »Eroberungs-, Versklavungs- und Vernichtungskriegs« (Ernst Nolte) zu leugnen, die Hintergründe für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu verschleiern sowie die Dimension des Demozids an den Juden zu bestreiten. Mitunter scheuen sich die Revisionisten nicht, längst widerlegte Legenden und Unwahrheiten aus dem Begründungsarsenal der politischen Propaganda zu reanimieren und diesen den Anschein geschichtlicher Authentizität zu verleihen. Während der Holocaust-Negationismus in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg öffentlich kaum Beachtung erfuhr und überwiegend das obskure Betätigungsfeld einiger unbedeutender Politsekten bildete, hat sich diese Situation seit dem Zusammenbruch der bipolaren Weltordnung Ende der achtziger Jahre gewandelt. Es hat den Anschein, als ob mit einer wachsenden zeitlichen Distanz zu den Greueltaten dieses Jahrhunderts die Bereitschaft zunähme, Geschichte umzudeuten und einer grundsätzlichen »Revision« zu unterziehen. Offensichtlich sollen auf diesem Weg politisch kompromittierte Ideologien reanimiert und bis zu einem gewissen Grad gesellschaftlich »salonfähig« gemacht werden.

Der im Jahrbuch für anthroposophische Kritik 1999 erschienene Beitrag beschäftigt sich mit der Methode und den Hintergründen der revisionistischen Geschichtsklitterung am Beispiel der Holocaust-Leugnung und ihrer Protagonisten.

Er wird hier erstmals online zugänglich gemacht.

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