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Moral als Falle – die Paradoxien des identitären Diskurses von links

Bernd Stegemanns neues Buch, Die Moralfalle, nimmt seinen Ausgang von der Analyse paradoxer Kommunikation. Seine Analyse ist kritisch und richtet sich an Leser, die sich als »Linke« verstehen, ist aber für Nichtlinke nicht weniger interessant.

Eine salvatorische Klausel darf angesichts des Wagnisses nicht fehlen. »Auch wenn manche Passagen sehr hart mit linken Denkweisen und Argumentationen ins Gericht gehen«, schreibt er, »richtet sich diese Kritik nie gegen das Projekt einer sozialen und offenen Gesellschaft, sondern versucht es zu stärken, indem mögliche Fehlentwicklungen bei seiner kommunikativen Durchsetzung und Verteidigung analysiert werden«. Lassen wir uns, wie bei der vorherigen Besprechung, interpretierend auf einige seiner Gedankengänge ein.

Für die paradoxe Kommunikation steht die Fabel vom Hasen und vom Igel. Diese verabreden einen Wettlauf. Der schlaue Igel positioniert jedoch seine Frau ans eine Ende der Rennbahn, sich selbst an das andere. Kommt der Hase am Ziel an, befindet sich dort immer schon ein Igel und das tragische Ende ist der Tod des Hasen, der sich vergeblich abhetzt.

Die Verdoppelung des Igels steht für die Verdoppelung einer rhetorischen Position, die es erlaubt, zwei sich widersprechende Standpunkte zugleich einzunehmen. Ein Dritter, der einen der beiden Standpunkte zu widerlegen versucht, wird sogleich mit der gegenteiligen Position konfrontiert und seine Argumentation läuft ins Leere. Diese politische Strategie ist Lesern Rudolf Steiners vertraut. 1916 erläuterte er in Ausführungen über das fiktive Testament Peters des Großen die historische Dialektik, an der sich das Handeln mancher politischer Eliten schon damals orientierte: »Nun handelt es sich, wenn man durch so etwas wirken will, immer darum, dass man nicht bloß eine Strömung erregt, sondern dass man die eine Strömung immer durchkreuzt mit einer andern, so dass sich diese beiden Strömungen in irgendeiner Weise gegenseitig beeinflussen.

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