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Sockenpuppen und Infokrieger – Wikipedia als Propagandainstrument

Derzeit wirbt Wikipedia wieder, wie jedes Jahr, um Spenden. Der Begründer der Online-»Enzyklopädie«, Jimmy Wales, weist die Besucher darauf hin, dass Wikipedia zwar zu den Top-Webseiten weltweit gehöre, aber kein kommerzielles Projekt sei, sondern vielmehr »gemeinnützig«. Und deshalb sei es auf Spenden angewiesen. Wikipedia könnte, so Wales, mit Werbung sehr viel Geld verdienen. Aber »dann wäre es komplett anders«. »Wir könnten ihm nicht mehr vertrauen«. Aber können wir Wikipedia vertrauen?

Schaubild aus dem Film »Zensur«

Maren Lorenz, die an der rechtswissenschaftlichen Fakultät in Hamburg lehrt, hat in der Zeitschrift Forschung & Lehre ein entscheidendes Problem der Online-»Enzyklopädie« bereits 2011 auf den Punkt gebracht: »Es gibt kein Qualitätsmanagement«. Die Betreuer der Lemmata berufen sich selbst und »technische Eingriffsrechte« werden aufgrund eines »fragwürdigen Abstimmungssystems« erlangt. Außerdem seien »das hierarchische Prinzip der verschiedenen technischen Zugriffs-, Lösch- und Sperrrechte für Artikel oder Nutzerkennungen … hochkomplex« und das Backend von Wikipedia und seine Funktionsweisen schwer durchschaubar. »Nicht einmal die Identitäten der … Aktiven … sind innerhalb der Community transparent«.

Lorenz hält daher auch die Frage nach Objektivität oder Neutralität der Artikel für müßig. Denn die Entstehung von »Entscheidungsmacht und Deutungshoheit« sei bei Wikipedia intransparent, nicht nachvollziehbar. In den Edit-Wars um Inhalte setze sich am Ende stets der »Hartnäckigste mit der meisten Zeit« durch. Wikipedia versage »in puncto Objektivität« durch »gezielte, oft politisch, ideologisch und ökonomisch motivierte Manipulationen, vor allem bei technischen und soziokulturellen Themen«. »Geschickte Manipulationen« seien nur »zeitlich aufwendig und technisch im strafbaren Einzelfall nur durch richterliche Genehmigung teuer nachzuweisen« – wenn überhaupt, muss man hinzufügen. Daher verbietet sie ihren Studenten auch konsequent, Wikipedia als Referenz zu nutzen.

Eine Illustration dieser Bedenken von Seiten der Wissenschaft bietet das Beispiel Daniele Ganser. Ich höre schon, wenn ich diesen Namen niederschreibe, wie bei vielen die Denkschablonen einrasten. Ganser – das ist doch dieser Verschwörungstheoretiker! Das ist doch der, der sich mit Rechtsextremen trifft – und hat er nicht den Holocaust geleugnet? Allein die Tatsache, dass ich hier seinen Namen erwähne, wird in vielen Nutzern – die den Eintrag zu Ganser bei Wikipedia gelesen haben – entsprechende Reflexe auslösen: »Wenn jemand Ganser verteidigt, dann muss er ebenfalls ein Verschwörungstheoretiker, Rechtsextremer oder Holocaustleugner sein«. Nun, ich hege keinerlei Sympathien für den Rechtsextremismus, ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien und erst recht zweifle ich nicht an der historischen Realität des Holocaust. (Diesen Satz darf man gerne – nicht sinnentstellend oder verkürzt – bei Wikipedia zitieren).

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