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Vom Gott der Philosophen zur mystischen Gotteserfahrung

Rudolf Steiners Weg zu Christus 1883-1902

Rudolf Steiner hat die Geisteswissenschaft bekanntlich als Erfahrungswissenschaft verstanden. Allerdings hat er den Erfahrungsbegriff nicht so eng gefasst, wie der Empirismus seiner Zeit, sondern von Anfang an auch geistige Erfahrungen als vollgültige Gegenstände der wissenschaftlichen Erkenntnis betrachtet. In den Grundlinien einer Erkenntnistheorie z.B. bezeichnet er das Denken als »höhere Erfahrung in der Erfahrung«. Damit ist das Tor zur Geisterkenntnis bereits geöffnet, denn im Denken ist der Geist dem Menschen unmittelbar zugänglich: Denkerfahrung ist der Anfang – wenn auch nicht das Ende – der Geisterfahrung.

Im frühesten Brief, der uns von Steiner erhalten ist, bezieht sich der 19jährige auf Schellings »intellektuelle Anschauung« und spricht sich selbst die Fähigkeit zu, »im reinen Selbst das Ewige anzuschauen«. Schelling schreibt in seinen »Briefen über Dogmatismus und Kritizismus« 1795: »Uns allen wohnt ein geheimes, wunderbares Vermögen bei, uns aus dem Wechsel der Zeit in unser innerstes, von allem, was von außen hinzukam, entkleidetes Selbst zurückzuziehen und da unter der Form der Unwandelbarkeit das Ewige in uns anzuschauen. Diese Anschauung ist die innerste, eigenste Erfahrung, von welcher allein alles abhängt, was wir von einer übersinnlichen Welt wissen und glauben«.

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