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Warum Jesus jedes Jahr von neuem geboren wird

Sieger Köder, Fenster in der Heilig Geist Kirche, Ellwangen

»Man sagt, die Zeit sei gekommen, um eine gewisse positive historische Kritik ins Werk zu setzen … Was uns hier aber interessiert, ist eine unbestreitbare spirituelle Tatsache: die Art und Weise, wie das Heilige Buch von der spirituellen Elite des Islam seit 14. Jahrhunderten gelesen und gelebt wurde. Und wenn es auch wahr ist, dass eine spirituelle Tatsache die positive historische Kritik nicht zu entwaffnen vermag, so ist doch nicht minder wahr, dass keine historische Kritik eine spirituelle Tatsache entkräften kann.« Henry Corbin
Das Folgende stellt einen erstmals ins Deutsche übersetzten, an manchen Stellen leicht vereinfachten Auszug aus Corbins Werk »En islam iranien« (I, 5.4) dar.

Das Ereignis der Reformation im 16. Jahrhundert wurde höchst unterschiedlich interpretiert. Einerseits wurde behauptet, es habe den Aufschwung des historischen Bewusstseins gefördert, das zur Entstehung einer säkularisierten, nachchristlichen Zivilisation führte, andererseits soll sie aber auch ein Heilmittel enthalten haben, – nichts Geringeres nämlich, als die Wiederaufrichtung, die Wiedereröffnung der prophetischen Inspiration, die seit den ersten christlichen Jahrhunderten verschlossen war.

Es ist wohl wahr, dass Martin Luther von seiner Zeit als Mönch sagte, er habe damals »alles allegorisiert«, während sein Anliegen später allein darin bestand, die Schrift simplici sensu (im schlichten Wortsinn) zu übersetzen. Gleichzeitig darf man jedoch nicht vergessen, dass die große Entdeckung seiner Jugend: die significatio passiva, die sich im Wesen des Gläubigen vollzieht – das Ereignis der »Rechtfertigung« durch den Glauben allein –, seiner mystischen Phase angehört. Der buchstäbliche Sinn vermischte sich von da ab mit dem tropologischen (moralischen). Wenn dennoch der vierfache Schriftsinn und seine künstliche Technik überwunden wurden, dann nur dank einer Verinnerlichung, deren Bedeutung die spätere Orthodoxie vergaß, deren wahre Erben jene waren, die von der Geschichte des Protestantismus als »Spiritualisten« bezeichnet werden (Sebastian Franck, Valentin Weigel, Caspar Schwenkfeldt, die ganze Schule Jacob Boehmes, und nicht zu vergessen, der Rosenkreuzerorden, der durch die Schriften Johann Valentin Andreaes bekannt wurde, dessen Hoffnungen jedoch der Dreißigjährige Krieg gänzlich zunichte machte).

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