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Einzelheiten aus dem Gebiet der Geheimwissenschaft

Der Ätherleib des Menschen

Wenn höhere Glieder des Menschen durch die übersinnliche Wahrnehmung beobachtet werden, dann ist diese Wahrnehmung niemals vollkommen gleich einer solchen, welche durch die äußeren Sinne gemacht wird. Wenn der Mensch einen Gegenstand berührt, und er hat eine Wärmewahrnehmung, so muß man unterscheiden zwischen dem, was vom Gegenstande kommt, von diesem gleichsam ausströmt, und dem, was man in der Seele erlebt. Das innere Seelenerlebnis der Wärme-Empfindung ist etwas anderes als die vom Gegenstande ausströmende Wärme. Man denke sich nun dieses Seelenerlebnis ganz allein, ohne den äußeren Gegenstand. Man denke sich das Erlebnis — aber eben ein seelisches — einer Wärme-Empfindung in der Seele, ohne daß ein äußerer physischer Gegenstand die Veranlassung dazu ist. Wäre ein solches nun einfach da ohne eine Veranlassung, so wäre es eine Einbildung. Der Geistesschüler erlebt solche innere Wahrnehmungen ohne physische Veranlassung, vor allem ohne Veranlassung seines eigenen Leibes. Sie stellen sich für eine gewisse Stufe der Entwickelung aber so dar, daß er wissen kann (wie gezeigt worden ist, durch das Erlebnis selbst wissen kann), daß die innere Wahrnehmung nicht Einbildung ist, sondern daß sie ebenso bewirkt ist durch eine geistig-seelische Wesenheit einer übersinnlichen Außenwelt, wie die gewöhnliche Wärme-Empfindung zum Beispiel durch einen äußerlich physisch-sinnlichen Gegenstand. So ist es auch, wenn man von einer Farbenwahrnehmung spricht. Da muß unterschieden werden zwischen der Farbe, die am äußeren Gegenstand ist, und dem innerlichen Empfinden der Farbe in der Seele. Man vergegenwärtige sich die innere Empfindung, welche die Seele hat, wenn sie einen roten Gegenstand der physisch-sinnlichen Außenwelt wahrnimmt. Man stelle sich vor, man behalte eine recht lebhafte Erinnerung an den Eindruck; aber man wende das Auge ab von dem Gegenstande. Was man da noch als Erinnerungsvorstellung von der Farbe hat, vergegenwärtige man sich als inneres Erlebnis. Man wird dann unterscheiden zwischen dem, was inneres Erlebnis ist an der Farbe, und der äußeren Farbe. Diese inneren Erlebnisse unterscheiden sich inhaltlich durchaus von den äußeren Sinneseindrücken. Sie tragen viel mehr das Gepräge desjenigen, was als Schmerz und Freude empfunden wird, als die normale Sinnesempfindung. Nun denke man sich ein solches inneres Erlebnis in der Seele aufsteigen, ohne daß die Veranlassung dazu durch einen äußeren physisch-sinnlichen Gegenstand oder die Erinnerung an einen solchen gegeben sei. Der übersinnlich Erkennende kann ein solches Erlebnis haben. Und er kann auch in dem entsprechenden Falle wissen, daß es keine Einbildung, sondern der Ausdruck einer seelisch-geistigen Wesenheit ist. Wenn nun diese seelisch-geistige Wesenheit denselben Eindruck hervorruft wie ein roter Gegenstand der sinnlich-physischen Welt, dann mag sie rot genannt werden. Beim sinnlich-physischen Gegenstand wird aber stets zuerst da sein der äußere Eindruck und dann das innere Farbenerlebnis; beim wahren übersinnlichen Schauen des Menschen unseres Zeitalters muß es umgekehrt sein: zuerst das innere Erlebnis, das schattenhaft ist wie eine bloße Farbenerinnerung, und dann ein immer lebhafter werdendes Bild. Je weniger man darauf achtet, daß der Vorgang so sein muß, desto weniger kann man unterscheiden zwischen wirklicher geistiger Wahrnehmung und eingebildeter Täuschung (Illusion, Halluzination usw.). Wie lebhaft nun das Bild wird bei einer solchen seelisch-geistigen Wahrnehmung, ob es ganz schattenhaft bleibt, wie eine dunkle Vorstellung, ob es intensiv wirkt, wie ein äußerer Gegenstand, das hängt ganz davon ab, wie sich der übersinnlich Erkennende entwickelt hat. — Man kann nun den allgemeinen Eindruck, welchen der Schauende von dem menschlichen Ätherleib hat, so beschreiben, daß man sagt: wenn ein übersinnlich Erkennender es bis zu einer solchen Willensstärke gebracht hat, daß er, trotzdem ein physischer Mensch vor ihm steht, die Aufmerksamkeit von dem ablenken kann, was das physische Auge sieht, so vermag er durch übersinnliches Bewußtsein in den Raum, welchen der physische Mensch einnimmt, zu schauen. Es gehört selbstverständlich eine starke Steigerung des Willens dazu, um nicht nur seine Aufmerksamkeit von etwas abzuwenden, woran man denkt, sondern von etwas, das vor einem steht, so daß der physische Eindruck ganz ausgelöscht wird. Aber diese Steigerung ist möglich und sie tritt durch die Übungen zur übersinnlichen Erkenntnis auf. Der so Erkennende kann dann zunächst den allgemeinen Eindruck des Ätherleibes haben. In seiner Seele taucht auf dieselbe innere Empfindung, welche er hat beim Anblick etwa der Farbe einer Pfirsichblüte; und diese wird dann lebhaft, so daß er sagen kann: der Ätherleib hat die Farbe der Pfirsichblüte. Dann nimmt er auch die einzelnen Organe und Strömungen des Ätherleibes wahr. Man kann aber den Ätherleib auch weiter beschreiben, indem man die Erlebnisse der Seele angibt, welche Wärmeempfindungen, Toneindrücken und so weiter entsprechen. Denn er ist nicht etwa bloß eine Farbenerscheinung. In demselben Sinne können auch der Astralleib und die andern Glieder der menschlichen Wesenheit beschrieben werden. Wer das in Betracht zieht, wird einsehen, wie Beschreibungen zu nehmen sind, welche im Sinne der Geisteswissenschaft gemacht sind. (Vergleiche Kapitel II dieses Buches.)

Die astralische Welt

Solange man nur die physische Welt beobachtet, stellt sich die Erde als Wohnplatz des Menschen wie ein gesonderter Weltkörper dar. Wenn aber die übersinnliche Erkenntnis zu andern Welten aufsteigt, dann hört diese Sonderung auf. Daher konnte gesagt werden, daß die Imagination mit der Erde zugleich den bis in die Gegenwart herein entwickelten Mondenzustand wahrnimmt. Diejenige Welt, welche man in dieser Art betritt, ist nun eine solche, daß zu ihr nicht nur das Übersinnliche der Erde gehört, sondern daß auch noch andere Weltenkörper in sie eingebettet sind, welche physisch von der Erde abgesondert sind. Der Erkenner übersinnlicher Welten beobachtet dann nicht bloß das Übersinnliche der Erde, sondern zunächst auch das Übersinnliche anderer Weltkörper. (Daß es sich zunächst um eine Beobachtung des Übersinnlichen anderer Weltkörper handelt, möge derjenige beachten, welcher zu der Frage gedrängt wird: warum denn die übersinnlich Schauenden nicht angeben, wie es auf dem Mars usw. aussieht. Der Fragende hat dann die physisch-sinnlichen Verhältnisse im Auge.) Daher konnte in der Darstellung dieses Buches auch gesprochen werden über gewisse Beziehungen der Erdenentwickelung zu gleichzeitigen Saturn-, Jupiter-, Marsentwickelungen usw. — Wenn des Menschen astralischer Leib nun vom Schlafe hingenommen wird, so gehört er nicht nur den Erdenzuständen an, sondern Welten, an denen noch andere Weltgebiete (Sternenwelten) beteiligt sind. Ja, diese Welten wirken auch im Wachzustande in den astralischen Leib des Menschen herein. Daher kann der Name «astralischer Leib» gerechtfertigt erscheinen.

Vom Leben des Menschen nach dem Tode

Es ist in den Ausführungen dieses Buches gesprochen worden von der Zeit, durch welche hindurch, nach dem Todeseintritt des Menschen, der Astralleib noch mit dem Ätherleibe vereinigt bleibt. Während dieser Zeit ist eine allmählich verblassende Erinnerung an das ganze eben verflossene Leben vorhanden (vergleiche Kapitel III). Diese Zeit ist für verschiedene Menschen verschieden. Sie hängt davon ab, wie stark die Kraft ist, mit welcher bei einem Menschen der Astralleib den Ätherleib an sich hält, welche Gewalt der erste über den zweiten hat. Die übersinnliche Erkenntnis kann einen Eindruck von dieser Gewalt erhalten, wenn sie einen Menschen beobachtet, der eigentlich nach dem Grade seiner seelisch-leiblichen Verfassung schlafen müßte, der sich aber durch innere Kraft wach erhält. Und nun zeigt sich, daß verschiedene Menschen sich verschieden lang wach erhalten können, ohne zwischendurch von dem Schlafe überwältigt zu werden. Ungefähr so lange als ein Mensch sich im äußersten Falle, wenn es sein muß, wach erhalten kann, so lange dauert nach dem Tode die Erinnerung an das eben verflossene Leben, das heißt der Zusammenhalt mit dem Ätherleib. Wenn der Ätherleib nach dem Tode von dem Menschen losgelöst ist (vergleiche Kapitel III), so bleibt von ihm doch für alle spätere Entwickelung des Menschen noch etwas zurück, was man wie einen Extrakt oder eine Essenz desselben bezeichnen kann. Dieser Extrakt enthält die Früchte des verflossenen Lebens. Und er ist der Träger alles dessen, was während der geistigen Entwickelung des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt sich wie ein Keim zum folgenden Leben entfaltet. (Vergleiche Kapitel III.)

Die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt (vergleiche Kapitel III) ist in ihrer Dauer dadurch bestimmt, daß das «Ich» in der Regel erst dann wieder in die physisch-sinnliche Welt zurückkehrt, wenn diese sich inzwischen so umgestaltet hat, daß Neues von dem «Ich» erlebt werden kann. Während dieses in den geistigen Gebieten ist, ändert sich der Erdenwohnplatz. Diese Änderung hängt nach einer Richtung hin mit den großen Veränderungen im Weltall zusammen; mit Veränderungen in der Stellung der Erde zur Sonne usw. Das aber sind durchaus Veränderungen, in denen gewisse Wiederholungen in Verbindung mit neuen Verhältnissen eintreten. Sie finden ihren äußeren Ausdruck darin, daß zum Beispiel der Punkt am Himmelsgewölbe, in welchem die Sonne bei Frühlingsanbeginn aufgeht, sich im Laufe von etwa 26.000 Jahren in einem vollständigen Kreise dreht. Dieser Frühlingspunkt bewegt sich dadurch im Laufe dieser Zeit von einem Himmelsgebiete zum andern. Im Verlaufe des zwölften Teiles jener Zeit, das ist in 2100 Jahren ungefähr, haben sich die Verhältnisse auf der Erde so weit verändert, daß die Menschenseele auf derselben Neues nach einer vorangegangenen Verkörperung erleben kann. Da aber die Erlebnisse des Menschen verschieden sind, je nachdem er sich als Frau oder als Mann verkörpert, so finden innerhalb des charakterisierten Zeitraumes in der Regel zwei Verkörperungen, eine als Mann, eine als Frau, statt. Doch hängen diese Dinge auch davon ab, wie die Kräfte sind, welche sich der Mensch aus dem Erdendasein durch den Tod hindurch mitnimmt. Daher sind alle solche Angaben, wie die hier gegebenen, nur so aufzufassen, daß sie im wesentlichen gelten, im einzelnen aber sich in der mannigfaltigsten Weise abgeändert zeigen. Von den angeführten Verhältnissen im Weltenall hängt es eben nur in einer Beziehung ab, wie lange das Menschen-Ich in der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verweilt. In einer andern Beziehung hängt dies ab von den Entwickelungszuständen, welche der Mensch in dieser Zeit durchmacht. Diese Zustände führen das «Ich» nach einem gewissen Zeitablauf zu einer geistigen Verfassung, die in ihrem inneren Geisterleben nicht mehr Befriedigung findet, welche das Verlangen nach jener Bewußtseinsänderung entwickelt, die in dem Sichspiegeln durch das physische Erleben sich befriedigt. Aus dem Zusammenwirken dieses inneren Durstes nach Verkörperung und der im Weltenall gegebenen Möglichkeit, die entsprechende Leiblichkeit zu finden, erfolgt der Eintritt des Menschen in das Erdenleben. Er erfolgt — weil zweierlei zusammenwirken muß — das eine Mal, auch wenn der «Durst» noch nicht seine Höhe erreicht hat, weil eine annähernd angepaßte Verkörperung erreicht werden kann; das andere Mal, auch wenn der «Durst» über seine normale Höhe hinausgeschritten ist, weil zur entsprechenden Zeit noch keine Möglichkeit der Verkörperung da war. Die allgemeine Lebensstimmung, in der sich ein Mensch durch die Beschaffenheit seines körperlichen Wesens befindet, hängt mit diesen Verhältnissen zusammen.

Der Lebenslauf des Menschen

Das Leben des Menschen, wie es sich äußert in der Aufeinanderfolge der Zustände zwischen Geburt und Tod, kann nur dadurch vollständig begriffen werden, daß man nicht nur den sinnlich-physischen Leib in Betracht zieht, sondern auch jene Veränderungen, welche sich mit den übersinnlichen Gliedern der Menschennatur vollziehen. — Man kann diese Veränderungen in der folgenden Art ansehen. Die physische Geburt stellt sich dar als eine Loslösung des Menschen von der physischen Mutterhülle. Kräfte, welche der Menschenkeim vor der Geburt mit dem Leibe der Mutter gemeinsam hatte, sind nach der Geburt nur noch als selbständige in ihm selbst vorhanden. Nun gehen aber im späteren Leben für die übersinnliche Wahrnehmung ähnliche übersinnliche Ereignisse vor sich, wie die sinnlichen sind bei der physischen Geburt. Der Mensch ist nämlich ungefähr bis zum Zahnwechsel (im sechsten oder siebenten Jahre) in bezug auf seinen Ätherleib von einer ätherischen Hülle umgeben. Diese fällt in diesem Zeitabschnitte des Lebens ab. Es findet da eine «Geburt» des Ätherleibes statt. Noch immer bleibt aber der Mensch von einer astralischen Hülle umgeben, welche in der Zeit vom zwölften bis sechzehnten Jahre (zur Zeit der Geschlechtsreife) abfällt. Da findet die «Geburt» des astralischen Leibes statt. Und noch später wird das eigentliche «Ich» geboren. (Die fruchtbaren Gesichtspunkte, welche sich aus diesen übersinnlichen Tatsachen für die Handhabung der Erziehung ergeben, sind in meiner kleinen Schrift: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft» dargestellt. Dort findet man auch weitere Ausführungen über dasjenige, was hier nur angedeutet werden kann.) Der Mensch lebt nun nach der Geburt des «Ich» so, daß er sich den Welt- und Lebensverhältnissen eingliedert und innerhalb ihrer sich betätigt, nach Maßgabe der durch das «Ich» tätigen Glieder: Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. Dann tritt eine Zeit ein, in welcher der Ätherleib sich wieder zurückbildet, in welcher er die umgekehrte Bildung seiner Entfaltung vom siebenten Jahre an wieder durchmacht. Während vorher der Astralleib sich so entwickelt hat, daß er in sich zuerst das entfaltet hat, was in ihm als Anlage bei der Geburt vorhanden war, und sich dann, nach der Geburt des «Ich», durch die Erlebnisse der Außenwelt bereichert hat, beginnt er von einem bestimmten Zeitpunkte an damit, sich von dem eigenen Ätherleibe aus geistig zu nähren. Er zehrt am Ätherleibe. Und im weiteren Verlaufe des Lebens beginnt dann auch der Ätherleib an dem physischen Leibe zu zehren. Damit hängt des letzteren Verfall im Greisenalter zusammen. — Nun zerfällt dadurch des Menschen Lebenslauf in drei Teile, in eine Zeit, in welcher der physische Leib und Ätherleib sich entfalten, dann in diejenige, in welcher der Astralleib und das «Ich» zur Entwickelung kommen, und endlich diejenige, in welcher Ätherleib und physischer Leib sich wieder zurückverwandeln. Nun ist aber der astralische Leib bei allen Vorgängen zwischen Geburt und Tod beteiligt. Dadurch, daß er eigentlich aber erst mit dem zwölften bis sechzehnten Jahre geistig geboren ist und in der letzten Lebensepoche von den Kräften des Ätherleibes und physischen Leibes zehren muß, wird dasjenige, was er durch seine eigenen Kräfte kann, sich langsamer entwickeln, als wenn es nicht in einem physischen und Ätherleibe wäre. Nach dem Tode, wenn physischer und Ätherleib abgefallen sind, geht die Entwickelung in der Läuterungszeit (vergleiche Kapitel III) deshalb ungefähr so vor sich, daß sie ein Drittel derjenigen Dauer beträgt, die das Leben zwischen Geburt und Tod in Anspruch nimmt.

Die höheren Gebiete der geistigen Welt

Durch Imagination, Inspiration und Intuition steigt die übersinnliche Erkenntnis allmählich in diejenigen Gebiete der geistigen Welt hinauf, in welchen ihr erreichbar sind die Wesen, welche an der Welt- und Menschheitsentwickelung beteiligt sind. Und es wird ihr dadurch auch möglich, die Entwickelung des Menschen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt so zu verfolgen, daß diese verständlich wird. Nun gibt es noch höhere Gebiete des Daseins, auf welche hier nur ganz kurz hingedeutet werden kann. Wenn sich die übersinnliche Erkenntnis bis zur Intuition erhoben hat, dann lebt sie in einer Welt geistiger Wesen. Auch diese machen Entwickelungen durch. Was Angelegenheit der gegenwärtigen Menschheit ist, das erstreckt sich gewissermaßen bis in die Welt der Intuition hinauf. Allerdings empfängt der Mensch auch Einflüsse aus noch höheren Welten im Laufe seiner Entwickelung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; aber diese Einflüsse erfährt er nicht direkt; die Wesen der geistigen Welt führen sie ihm zu. Und werden diese betrachtet, so ergibt sich alles, was an dem Menschen geschieht. Die eigenen Angelegenheiten aber dieser Wesen, dasjenige, was sie für sich brauchen, um die menschliche Entwickelung zu führen, können nur durch eine Erkenntnis beobachtet werden, welche über die Intuition hinausgeht. Es ergibt sich damit der Hinweis auf Welten, welche so vorzustellen sind, daß geistige Angelegenheiten, welche auf der Erde die höchsten sind, dort zu den niedrigeren gehören. Vernünftige Entschlüsse zum Beispiel gehören innerhalb des Erdengebietes zu dem höchsten; die Wirkungen des mineralischen Reiches zu dem niedrigsten. In jenen höheren Regionen sind vernünftige Entschlüsse ungefähr das, was auf Erden die mineralischen Wirkungen sind. Über dem Gebiete der Intuition liegt die Region, in welcher aus geistigen Ursachen heraus der Weltenplan gesponnen wird.

Die Wesensglieder des Menschen

Wenn gesagt worden ist (vergleiche Seite 69 und die folgenden), das «Ich» arbeite an den menschlichen Wesensgliedern, dem physischen Leib, dem Ätherleib und dem astralischen Leib, und gestalte diese in umgekehrter Folge um zu Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch, so bezieht sich dieses auf die Arbeit des Ich an der menschlichen Wesenheit durch die höchsten Fähigkeiten, mit deren Entwickelung erst im Laufe der Erdenzustände der Anfang gemacht worden ist. Dieser Umgestaltung geht aber eine andere auf einer niedrigeren Stufe voran, und durch diese entstehen Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. Denn während sich im Laufe der Entwickelung des Menschen die Empfindungsseele bildet, gehen Veränderungen im Astralleibe vor sich, die Bildung der Verstandesseele drückt sich in Verwandlungen des Ätherleibes, und jene der Bewußtseinsseele in solchen des physischen Leibes aus. Im Verlaufe der Schilderung der Erdenentwickelung, welche in diesem Buche gegeben worden ist, wurde darüber das Nähere angegeben. So kann man also in einer gewissen Beziehung sagen: schon die Empfindungsseele beruhe auf einem verwandelten Astralleib; die Verstandesseele auf einem verwandelten Ätherleib; die Bewußtseinsseele auf einem verwandelten physischen Leib. Man kann aber auch sagen, diese drei Seelenglieder seien Teile des astralischen Leibes, denn nur dadurch ist zum Beispiel die Bewußtseinsseele möglich, daß sie eine astralische Wesenheit in einem ihr angepaßten physischen Leib ist. Sie lebt ein australisches Leben in einem zu ihrem Wohnplatz bearbeiteten physischen Leib.

Der Traumzustand

Der Traumzustand ist in einer gewissen Beziehung im Kapitel III dieser Schrift charakterisiert worden. Er ist aufzufassen auf der einen Seite als ein Überrest des alten Bilderbewußtseins, wie es dem Menschen während der Mondenentwickelung und auch noch während eines großen Teiles der Erdenentwickelung eigen war. Die Entwickelung schreitet eben so vorwärts, daß frühere Zustände in spätere hin einspielen. Und so kommt während des Träumens in dem Menschen jetzt als Überrest zum Vorschein, was früher normaler Zustand war. Zugleich aber ist dieser Zustand nach einer anderen Seite doch wieder anders als das alte Bilderbewußtsein. Denn seit der Ausbildung des Ich spielt dasselbe auch in die Vorgänge des astralischen Leibes hinein, welche im Schlafe während des Träumens sich vollziehen. So stellt sich im Traume ein durch die Anwesenheit des Ich verändertes Bilderbewußtsein dar. Weil aber das Ich nicht bewußt seine Tätigkeit auf den Astralleib während des Träumens ausübt, so darf auch nichts, was in das Gebiet des Traumlebens gehört, zu dem gerechnet werden, was in Wahrheit zu einer Erkenntnis der übersinnlichen Welten im Sinne der Geisteswissenschaft führen kann. Ein Gleiches gilt für das, was man oft als Vision, Ahnung oder «zweites Gesicht» (Deuteroskopie) bezeichnet. Diese kommen dadurch zustande, daß sich das «Ich» ausschaltet und dadurch Überreste alter Bewußtseinszustände entstehen. Sie haben in der Geisteswissenschaft keine unmittelbare Verwendung; was in ihnen beobachtet wird, kann nicht im echten Sinne als Ergebnis derselben betrachtet werden.

Zur Erlangung übersinnlicher Erkenntnisse

Der Weg zur Erlangung von Erkenntnissen der übersinnlichen Welten, der in diesem Buche ausführlicher beschrieben worden ist, kann auch der «unmittelbare Erkenntnisweg» genannt werden. Neben ihm gibt es noch einen solchen, welchen man als «Gefühlsweg» bezeichnen kann. Doch wäre es ganz unrichtig, etwa zu glauben, daß der erstere mit 1er Ausbildung des Gefühles nichts zu tun habe. Er führt vielmehr zur größtmöglichen Vertiefung des Gefühlslebens. Doch wendet sich der «Gefühlsweg» eben unmittelbar an das bloße Gefühl und sucht von diesem aus zu den Erkenntnissen aufzusteigen. Er beruht darauf, daß ein Gefühl, wenn sich die Seele ganz ihm hingibt eine gewisse Zeit hindurch, sich in eine Erkenntnis, in eine bildhafte Anschauung verwandelt. Wenn zum Beispiel die Seele sich ganz ausfüllt durch Wochen, Monate, ja länger, mit dem Gefühle der Demut, so verwandelt sich der Gefühlsinhalt in eine Anschauung. Man kann nun auch durch ein stufenweises Durchmachen solcher Gefühle einen Weg in die übersinnlichen Gebiete finden. Doch ist er für den gegenwärtigen Menschen innerhalb der gewöhnlichen Lebensbedingungen nicht leicht durchzuführen. Einsamkeit, Zurückgezogenheit von dem Leben der Gegenwart ist dabei fast unerläßlich. Denn was das alltägliche Leben bringt an Eindrücken, stört namentlich im Anfange der Entwickelung dasjenige, was die Seele durch Versenkung in bestimmte Gefühle erreicht. Dagegen ist der in diesem Buche geschilderte Erkenntnisweg in jeder gegenwärtigen Lebenslage durchzuführen.

Beobachtung besonderer Ereignisse und Wesen der Geisteswelt

Es kann die Frage gestellt werden, ob die innere Versenkung und die andern geschilderten Mittel zur Erlangung von übersinnlichen Erkenntnissen nur die Beobachtung des Menschen zwischen Tod und neuer Geburt oder andere geistige Vorgänge im allgemeinen gestatten, oder ob sie es auch ermöglichen, ganz bestimmte Einzelvorgänge und Wesen, zum Beispiel einen bestimmten Toten zu beobachten. Darauf muß geantwortet werden: Wer sich durch die geschilderten Mittel die Fähigkeit erwirbt zur Beobachtung der geistigen Welt, der kann auch dazu gelangen, Einzelheiten zu beobachten, welche in derselben vor sich gehen. Er macht sich fähig, sich mit Menschen, die in der geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt leben, in Verbindung zu setzen. Nur muß beachtet werden, daß dieses im Sinne der Geisteswissenschaft nur geschehen soll, nachdem man die regelrechte Schulung für die übersinnlichen Erkenntnisse durchgemacht hat. Denn erst dann kann man in bezug auf besondere Ereignisse und Wesenheiten zwischen Täuschung und Wirklichkeit unterscheiden. Wer einzelnes beobachten will ohne richtige Schulung, der wird vielen Täuschungen zum Opfer fallen können. Selbst das Anfänglichste: das Verstehen der Art, wie solche Eindrücke besonderer Tatsachen der übersinnlichen Welt zu deuten sind, ist nicht möglich ohne fortgeschrittene Geistesschulung. Jene Schulung, welche in die höheren Welten zur Beobachtung dessen führt, was in diesem Buche geschildert ist, sie führt auch dazu, das Leben eines einzelnen Menschen nach dem Tode verfolgen zu können: und nicht minder dazu, alle geistig-seelischen besonderen Wesen zu beobachten und zu verstehen, welche aus verborgenen Welten in die offenbaren hereinwirken. Doch ist sicheres Beobachten gerade des Einzelnen nur auf Grund der Erkenntnisse der allgemeinen, großen, jeden Menschen angehenden Welt- und Menschheitstatsachen der geistigen Welt möglich. Wer das eine begehrt, ohne das andere haben zu wollen, geht in die Irre. Es gehört nun einmal zu den Erfahrungen, die man in bezug auf das Beobachten der geistigen Welt machen muß, daß der Eintritt in diejenigen Gebiete des übersinnlichen Daseins, nach denen man zu allererst begehrt, einem erst dann beschert wird, wenn man sich auf ernsten und schwierigen, nur den allgemeinen Erkenntnisfragen zugeneigten Wegen um das bemüht hat, was Aufschluß über den Sinn des Lebens gibt. Ist man diese Wege in reinem, unegoistischem Erkenntnisdrange gegangen, dann ist man erst reif, Einzelheiten zu beobachten, deren Anschauung vorher doch nur die Befriedigung eines egoistischen Bedürfnisses wäre, auch wenn sich der Verlangende einredete, daß er nur aus Liebe — zum Beispiel zu einem Toten — den Einblick in die geistige Welt erstrebe. Der Einblick in das Besondere kann nur dem werden, der sich durch ernstes Interesse für geisteswissenschaftliche Allgemeinheiten die Möglichkeit gewonnen hat, auch das Besondere ganz ohne egoistische Begehrungen wie eine objektive wissenschaftliche Wahrheit hinzunehmen.


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