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XVIII. Heil-Eurythmie

Innerhalb des Gebietes unserer Therapie spielt noch eine besondere Rolle die sogenannte «Heil-Eurythmie».

Sie ist herausgebildet aus der Anthroposophie durch Dr. Rudolf Steiner, zunächst als eine neue Kunst.

Sie ist in ihrer Wesenheit als eurythmische Kunst von Dr. Steiner oft geschildert worden und hat auch als Kunst schon eine weite Verbreitung gefunden.

Sie stellt sich auf die Bühne hin in dem bewegten Menschen; ist aber keine Tanzkunst. Das zeigt sich schon darinnen, dass am Menschen vorzüglich die Arme und Hände in Bewegung sind.

Menschengruppen in Bewegungen erheben das Ganze zu einem in sich künstlerisch wirkenden Bühnenbild.

Alle Bewegungen beruhen auf der inneren Wesenheit der Menschen-Organisation. Aus dieser fließt in den ersten Jahren des menschlichen Lebens die Sprache. So wie sich nun der Laut in der Sprache der Konstitution des Menschen entringt, so können bei einer wirklichen Erkenntnis dieser Konstitution Bewegungen aus dem Menschen und aus den Menschengruppen herausgeholt werden, die eine wirkliche sichtbare Sprache oder ein sichtbarer Gesang sind. Dabei ist in den Bewegungen so wenig etwas Willkürliches wie in der Sprache selbst. Wie in einem Worte nicht ein O intoniert werden kann, wo ein I hingehört, so kann auch in dem Eurythmischen für ein I oder ein O nur eine eindeutige bewegte Gebärde erscheinen. Es ist damit die Eurythmie eine wirkliche Offenbarung der Menschennatur, die nicht unbewusst wie die Sprache oder der Gesang aus ihr sich entwickelt, die aber durch wirkliche Menschen- Erkenntnis bewusst entwickelt werden kann.

Bei der Darstellung hat man auf der Bühne den bewegten Menschen oder Menschengruppen. Die Dichtung, die nun in die sichtbare Sprache umgesetzt wird, wird gleichzeitig rezitiert. Man hört den Inhalt der Dichtung und schaut ihn zugleich mit dem Auge. Oder es wird ein Musikalisches dargeboten, das in den bewegten Gebärden wieder erscheint als sichtbarer Gesang.

Es ist in der Eurythmie eine bewegte Plastik gegeben, die das Gebiet des Künstlerischen wesentlich erweitert.

Es kann nun, was da in künstlerischer Art gefunden worden ist, nach zwei anderen Seiten hin ausgebildet werden. Eine dieser Seiten ist die pädagogische. In der Waldorfschule in Stuttgart, die von Emil Molt begründet worden ist, und die unter der Leitung von Rudolf Steiner steht, wird pädagogische Eurythmie neben der Gymnastik durch alle Klassen hindurch getrieben. Es kommt dabei in Betracht, dass bei der gewöhnlichen Gymnastik nur die Dynamik und Statik des physischen Körpers entwickelt wird. Bei der Eurythmie strömt sich der ganze Mensch, nach Körper, Seele und Geist in Bewegung aus. Das fühlt der heranwachsende Mensch, und er erlebt diese eurythmischen Übungen mit ganz derselben Natürlichkeit als eine Äußerung der menschlichen Natur, wie er in jüngeren Jahren das Sprechenlernen erlebt.

Die andere Seite ist die therapeutische. Werden die Bewegungs-Gebärden der Kunst- und pädagogischen Eurythmie modifiziert, so dass sie aus der kranken Wesenheit des Menschen so fließen, wie die anderen aus der gesunden, so entsteht die Heil-Eurythmie. Bewegungen, die so ausgeführt werden, wirken auf die erkrankten Organe zurück. Man sieht, wie hier äußerlich Ausgeführtes sich gesundend in die Organe hinein fortsetzt, wenn einer Organerkrankung die bewegte Gebärde genau angepasst ist. Weil diese Art, durch Bewegungen in dem Menschen zu wirken, auf Körper, Seele und Geist geht, wirkt sie in intensiverer Art in das Innere des kranken Menschen hinein, als alle andere Bewegungs-Therapie.

Dafür kann Heil-Eurythmie aber auch nie eine Laiensache werden, und darf nicht als eine solche betrachtet, oder behandelt werden.

Der Heil-Eurythmie, der gut geschult in der Erkenntnis der menschlichen Organisation sein muss, kann nur im Zusammenhange mit dem Arzte handeln. Alles Herumdilettieren kann nur zu Übeln führen.

Nur auf Grundlage einer sachgemäßen Diagnose kann die heileurythmische Handlung ausgeführt werden. Es sind auch die praktischen Erfolge der Heil-Eurythmie solche, dass man sie durchaus als ein segensreiches Glied unserer hier dargestellten therapeutischen Denkweise ansprechen kann.

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