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Anthroposophie / trithemius verlag / Jahrbuch 2002 Diskurs

Die anthroposophische Gesellschaft und Bewegung als diskurstheoretisches Problem

Von Lorenzo Ravagli

Auszug aus dem Jahrbuch für anthroposophische Kritik 2002

Die Identitätskrise der Moderne

Ein Diskurs ist eine geistige Auseinandersetzung, die mit den Mitteln der Sprache geführt wird. Er unterscheidet sich in nichts vom Dialog. Während aber der Ausdruck Dialog an die geistige Abstammung des Menschen vom Logos erinnert, verweist der Ausdruck Diskurs auf das Nebeneinanderherlaufen der Sprechenden im Wettbewerb der Symbole. Der gesamtgesellschaftliche Diskurs ist eine polyphone Rede über die Symbole, durch die die Gesellschaft sich definiert. Er ist stets ein Diskurs über kollektive Identität.

Die Einwanderungsdebatten, die gegenwärtig in den europäischen Gesellschaften geführt werden, die Sicherheits- und Absicherungsdebatten, die Gesundheits- und Leistungsdebatten, sind Einschließungs- und Ausgrenzungsdebatten. Es sind Diskurse über die Kompatibilität und Inkompatibilität, die Annahme oder Ablehnung von Symbolsystemen. Symbole sind die Gedankenbilder, in die wir unser Selbst- und Weltverständnis kleiden. Symbole sind auch die Worte, mit deren Hilfe wir unsere gedanklichen Bilderwelten kommunizieren. Die verschiedenen Symbolsysteme unterscheiden sich durch ihre unterschiedliche historische und spirituelle Tiefe, manche, meist traditionelle,  umgreifen den gesamten Kosmos, modernistische meist nur die sichtbare, wägbare Oberfläche der Dinge. Die Rückseite des derzeit in den europäischen Gesellschaften geführten Identitätsdiskurses, - der das Fremde steuern, eingrenzen, domestizieren will, und der ein Diskurs um Existenzsicherung ist, in dessen Windschatten die Konservativen wieder an die Macht gelangen, - die Rückseite ist die Debatte um die Neudefinition des Menschen.

Die bei dieser Debatte zutage tretende Angst vor dem Fremden ist die Angst vor der Invasion des Nichtmenschlichen in den Menschen: die Technisierung und Hybridisierung des Menschen. Diese drohende Selbstentfremdung des modernen Menschen bildet das Thema ganzer Technologiezweige. Sie beschäftigt die Parlamente, die sich in progressive und konservative, in prometheische und schöpfungsbewahrende Gruppierungen quer durch alle bisherigen politischen Lager teilen. Die einen sehen in der Selbstabschaffung des Menschen den krönenden Abschluß der Utopie der Moderne, die anderen sehen darin die ultimative Verirrung einer lebensfeindlichen Ideologie. Die ehemals Linken erweisen sich als die Speerspitze der neuen Eugenik, weil sie nur ein naturalistisches Bild des Menschen besitzen. In der Kolonialisierung des Lebens und der Selbstabschaffung des Menschen kommt die totalitaristische Wurzel der Aufklärung zu ihrem absoluten Durchbruch. Die Aufklärung predigte die Selbstermächtigung des Menschen gegenüber ihrem Schöpfer. Wann wird der verlorene Sohn in das Haus seines Vaters zurückkehren? Kann er es noch?

Die tiefe Identitätskrise der Moderne erweckt die Angst vor dem Fremden, die auf die anderen Fremden, die Einwanderer und Aufnahmekandidaten projiziert wird. Die Abgrenzung die der Westen gegen den Osten und Süden gegenwärtig vornimmt, spiegelt sich auch in seinem Inneren, in seinem inneren Osten und Süden. Die westliche Zivilisation führt in ihrem Inneren einen Identitätsdiskurs. Dieser Identitätsdiskurs ist ein Diskurs über den fundamentalen Widerspruch zwischen Zerstören und Bewahren, zwischen technologischer und spiritueller Umschaffung des Menschen. Er ist ein Diskurs über die Verselbständigung von Seelenkräften. Der Intellekt offenbart sich in der Technologie als nichtmenschliche Intelligenz, die in virtuller Gestalt an die Stelle des Menschen treten will. Die Emotion entfesselt ihre mörderische Kraft in neuen Rassen- und Bürgerkriegen. Die Begierde gibt sich ungeahnten Exzessen hin.

Der Kampf linker Technokraten und Rationalisten gegen das New Age, gegen Sekten und Terroristen, ist der Abwehrkampf gegen das, was die westliche Moderne verdrängt hat: Spiritualität und Solidarität, das Fühlen und das Wollen, den Osten und den Süden. Denn wenn der Westen die Welt wirklich als Einheit begriffe, könnte es keinen Terrorismus geben. Wenn der Westen in seinem Rationalitätswahn nicht selbst hochgradig sektiererisch wäre, müßte er keine Sektenfurcht haben. Die heutigen Verschwörungsdiskurse und die realen machtpolitischen Verschwörungen unserer Zeit sind Hinweise auf die Defizite unter denen die westlichen, säkularisierten, aufgeklärten Gesellschaften leiden. Ihre mangelnde Integrationsfähigkeit ist ein Symptom ihres geistig defizitären Charakters. Der Westen erstarrt gegenwärtig in Angst vor seiner eigenen Seele, in der Angst des Intellekts vor dem Untergang in Gefühl und Wille.

Wie definiert sich eine Gesellschaft, das heißt, welche ethischen und welche Erkenntnisziele setzt sie sich? Eine Gesellschaft definiert sich über den öffentlichen und den privaten Diskurs und sie verändert sich nur durch den Diskurs. Liegen ihre Erkenntnisziele in der Ausweitung der Macht über die Natur und den Menschen oder liegen sie in der Bewahrung der Schöpfung? Ebenso entscheidend sind die ethischen Ziele, die eine Gesellschaft sich gibt. Ob eine Gesellschaft Körperverletzung und Todesstrafe als legitimes Mittel der Selbstorganisation betrachtet oder ob sie diese ächtet, bestimmt die Identität dieser Gesellschaft. Die ethischen Überzeugungen werden, ebenso wie die wissenschaftlichen, in Symbolsystemen festgelegt, die die Gesellschaft konstituieren. Ist sie der Würde des Menschen verpflichtet, oder einem Gesetz, das Gleichheit als gesellschaftlichen Zustand festschreibt? Läßt sich das individualistische Dogma von der Einzigartigkeit des Menschen mit dessen Züchtung oder Klonung vereinbaren?

Wer bestimmt das Gesetz, auch das religiöse? Die Menschen, die sich am öffentlichen Diskurs beteiligen. Wer setzt die Grenzen dieses Diskurses fest und wer bestimmt seine Inhalte? Wer bestimmt die Normen, an denen die Teilhaber dieser Gesellschaften gemessen werden? Wer übt die Macht im Staate aus? In demokratischen Mehrheitsgesellschaften - im Gegensatz zu theokratischen oder kollektivistischen Einheitsgesellschaften - werden die verbindlichen Normen im öffentlichen Diskurs gesetzt, der über die Medien ausgetragen wird.

Symbolokratien

Anfang 2002 zitierte der Ministerpräsident des Saarlandes, Peter Müller, in einer Rede über die Gesetze der Kommunikationsgesellschaft, in der wir leben, Willem Flusser: »Was nicht kommuniziert wird, ist nicht, und je mehr es kommuniziert wird, desto mehr ist es.« Und: »Alles, was kommuniziert wird, ist etwas wert, und je mehr es kommuniziert wird, desto wertvoller ist es.« Schließlich: »Wer kommunizieren will, darf wenig informieren.«

Wer nicht mehr informieren darf, muß durch Symbole, durch mit Emotion aufgeladene Bilder und Gesten kommunizieren. Insofern leben wir in einer zunehmend von Bildern beherrschten Gesellschaft, deren Herrschaft durch die Medien vermittelt wird. Wir leben in einer symbolokratischen Mediengesellschaft, deren Wesen die Öffentlichkeit ist. Herrschaft über die Öffentlichkeit kommt mit Herrschaft über die Gesellschaft gleich. Wer den öffentlichen Diskurs beherrscht und seine Themen setzt, beherrscht eine symbolokratische Gesellschaft. In ihr rivalisieren idololatrische Clans um Einfluß aufeinander. Die Identität idololatrischer Clans bilden ihre jeweiligen Gründungstraditionen und deren gegenwärtige Umdeutungen. Die unterschiedlichen Symboltraditionen bilden die Arkandisziplinen der einzelnen Teilgesellschaften. Symbolokratische Clangesellschaften können nur über die Veränderung der herrschenden Symbole umgestaltet werden.

Entscheidend für die Veränderung ist der Einfluß bestimmter Symboltraditionen auf die Öffentlichkeit. Welche Symboltraditionen beherrschen heute die westlichen Gesellschaften? Wem dienen sie? Gott, Dämonen, einzelnen Menschen oder Menschengruppen, dem Menschen, der Menschheit? Wie sind die einzelnen Teilgesellschaften der großen Gesellschaft miteinander vernetzt? Wie sind die Einzelnen mit dem Bewußtsein der anderen vernetzt? Durch Symbole: durch Worte und Bilder. Wenn es sich bei diesen Gesellschaften um demokratische Gesellschaften handelt, um Gesellschaften, in denen das Volk herrscht, dann kann man an ihren herrschenden Symbolen ablesen, von was das Volk beherrscht wird. Will eine Gesellschaft die Beste aller Gesellschaften sein? Will sie die Reichste sein? Will sie die Mächtigste sein? Will sie gar die Schönste sein, weil sie »Gott« gefallen möchte? Herrscht das Volk, wenn es von Symboltraditionen beherrscht wird, in denen sich seine Privatheit gar nicht wiederfindet?

Der gesellschaftliche Diskurs ist immer auch ein Diskurs über das Menschsein. Was versteht eine Gesellschaft unter dem Menschen? Ist er ein individuelles, selbstbestimmtes Wesen, das ein Recht darauf hat, auf eigenem Weg nach seinem Glück zu suchen? Ist er ein an göttliche Gesetze gebundenes Wesen, das alle ihm Zugewandten in einem großen Kollektiv verschwinden läßt? Ist er das willenlose und rechtlose Subjekt einer autokratischen Personal- oder Kollektivdespotie? Ist er selbst das höchste ethische Ziel, er selbst als Hüter des Kosmos, wie es die Jedi-Ritter mächtig suggerieren? Der Mensch: uneinholbar und unüberschreitbar zugleich?

Macht über die Symbole

Welche Diskurse herrschen über die Gesellschaft? Die medialen. Oder bilden wir uns das nur ein? Haben die Medien nur die Macht, die wir ihnen zugestehen? Warum gestehen wir ihnen diese Macht zu? Weil sie behaupten, die kollektive Identität zu repräsentieren. Weil sich unsere eigene kollektive Identität in ihnen getreu widerspiegelt? In welche Medien blicken wir und in welcher Nische der Gesellschaft sind wir selbst beheimatet?

Der symbolokratische Mediendiskurs ist von einem grundlegenden Widerspruch zwischen Öffentlichkeit und Privatheit, von Exoterik und Esoterik durchdrungen. Das Private ist das Esoterische, das Öffentliche das Exoterische. Kann das Esoterische das Exoterische beherrschen? Das heißt, kann die Gesellschaft sich von der Herrschaft der Medien wieder emanzipieren? Oder leben wir fortan in symbolischen Mediokratien? Wie gelingt es uns, unsere privaten Identitäten im Wettbewerb der Öffentlichkeit zu behaupten? Wie gelingt es uns, sie zu vermitteln, sie darzustellen?

Wir sind nicht nur Bestandteile der Gesamtgesellschaft, wir sind auch Teil von kleineren privaten und halböffentlichen Gesellschaften. Gesellschaften in der Gesellschaft. Die kleinste dieser Kollektividentitäten ist die Familie oder die Lebenspartnerschaft. Sie ist der Inbegriff der Privatheit. Wie finden wir unser Privates in der Öffentlichkeit wieder? Mit welchen anderen Teilgesellschaften können wir uns identifizieren? Wie sehr unterwirft uns die gesellschaftliche Rationalität? Gehören unsere privaten Symbolwelten zu den die Öffentlichkeit beherrschenden oder werden sie angefeindet, verfemt, verleumdet? Warum ist dies so? Stehen die Symbolwelten der Teilgesellschaften, denen wir angehören, im Widerspruch zu den die Gesellschaft beherrschenden Symbolen? Warum werden sie angefeindet und von wem werden sie angefeindet? Handelt es sich um wirtschaftliche, um politische, kulturelle, geistige, spirituelle Konkurrenz? Wie gut können wir unsere Ideale und Symbole der Öffentlichkeit vermitteln und sie verteidigen?

Die diversen Teilgesellschaften stehen mit ihren jeweils partiellen Symbolsystemen im Wettbewerb um die Definition der kollektiven Identität. Sie können an diesem Wettbewerb aber nur teilnehmen, insofern sie im öffentlichen Diskurs vorkommen. Dieser ist stets ein Kampf von Minderheiten um die Mitbestimmung beim öffentlichen Diskurs.

Die anthroposophische Gesellschaft als kosmopolitische Gesellschaft

Auch die anthroposophische Gesellschaft ist eine Teilgesellschaft der Gesamtgesellschaft mit einer genuinen symbolischen Tradition. Die anthroposophische Gesellschaft ist eine Gesellschaft in der Gesellschaft, die einen gesamtgesellschaftlichen, universalistischen Diskurs führt. Sie ist eine internationale Gesellschaft, sie ist in vielen nationalen Gesellschaften rund um die Erde aktiv. Sie setzt sich in vielen Ländern der Erde für die Überwindung des Nationalbewußtseins ein. Sie vertritt die Rechte des Individuums gegenüber einem Staat, der diese individuellen Freiheitsrechte unter welchem Vorwand auch immer zu beschneiden versucht. Sie vertritt die Rechte des Individuums auf Anerkennung unabhängig von der Geschlechts-, Rassen oder Religionszugehörigkeit. Sie vertritt das Recht auf Bildung für jeden, das Recht auf eine menschenwürdige medizinische Behandlung und Pflege, das Recht auf Religionsfreiheit, auf freie Wirtschaftsbeziehungen, den Schutz der Schwachen und Benachteiligten, eine tierwürdige Landwirtschaft, den Schutz der Erde und der künftigen Generationen. Sie sollte sich als das begreifen, was sie ist: als Nicht-Regierungs-Organisation. Als Vertreterin des esoterischen Prinzips der Privatheit, des Rechts auf Freiheit und Selbstbestimmung jedes einzelnen Gliedes dieser Gesellschaft gegenüber dem verschlingenden Moloch der alles gleichmachenden Öffentlichkeit. Als Vertreterin einer die gesamte Menschheit umfassenden Solidarität. Als Vertreterin der Koinzidenz aller Gegensätze durch die Gegenwart des Göttlichen in jedem einzelnen Menschen.

Diese Gesellschaft hat eine weitreichende und fundamentale gesellschaftliche - und damit politische - Botschaft: begreift sie sich auch als politische Gesellschaft? Wie stark ist sie im politischen Diskurs präsent und in welcher Form spiegelt sich diese Beteiligung am politischen Diskurs, am Spiel der Öffentlichkeit, in der anthroposophischen Gesellschaft und ihrer Führungsöffentlichkeit, der schreibenden und redenden wieder?

Die anthroposophische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die in vielen Ländern der Erde, wo sie präsent ist, einen emanzipatorischen Diskurs führt. Zuerst ist es ein Diskurs über die Befreiung des Menschen von der Naturbestimmtheit. Es ist ein Diskurs, der die Existenz eines geistigen Menschen beinhaltet: das Supremat des Geistes über den Stoff, über die Materie, über die Naturbedingungen. Es ist ein Diskurs, der den Menschen als Wesen sieht, das aus einem von schöpferischen Mächten durchdrungenen Kosmos stammt, das sich von diesem göttlichen Kosmos emanzipiert und endlichen Interessen zugewandt hat. Durch diese Abwendung von der Welt des Vatergottes oder auch der Muttergottheiten, konnte sich erst das sohnesgöttliche Prinzip: das Bewußtsein der Einheit aller Menschen in Christus durchsetzen. Insofern ist die anthroposophische Gesellschaft eine messianische Gesellschaft, die die Ankunft des Messias in jedem einzelnen Menschen verkündet. Sie ist eine  mystische Gesellschaft, die von dem Göttlichen in jedem Menschen spricht, der Sonne der Freiheit, des Mitleids und der Liebe.

Was Steiner mit seiner anthroposophischen Gesellschaft eigentlich anstrebte, war eine Art von Gegenvölkerbund, eine Vollversammlung der Nationen, in der nicht einseitig die Interessen bestimmter Nationen vorherrschten, sondern alle Nationen, Völker und Kulturen zum gemeinsamen Wohl aller zusammenwirken. Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft sollte das Gewissen der Völker sein. Dem brüderlichen Zusammenschluß sollte die Besinnung auf die spirituellen Traditionen, auf die Geschichte des menschheitlichen Geistes und die Geschichte der Gesetzmäßigkeit dieser Entwicklung, die auf die Freiheit und das Reich der freien Geister hinzielt, dienen. Auch dieses Ziel formulierte Steiner

1912 deutlich: »Wenn einmal nicht nur der Brahmine den Brahminen, der Paria den Paria, der Jude den Juden, der Christ den Christen lieben und verstehen wird, sondern wenn der Jude den Christen, der Paria den Brahminen, der Amerikaner den Asiaten als Mensch zu verstehen und sich in ihn zu versetzen vermag, dann wird man auch wissen, wie tief christlich empfunden es ist, wenn wir sagen: Ohne Unterschied eines jeglichen äußeren Bekenntnisses muß Brüderlichkeit unter den Menschen sein.« (GA 155, Theosophische Moral, 30.5.1912, S. 123)

Die Söhne und Töchter der Witwe

Vom Werk Steiners inspirierte Menschen setzen sich auf nahezu allen Lebensfeldern für die Ideale ein, die die Begegnung mit diesem Werk in ihnen wachgerufen hat. Sie sind Mitglieder vieler anderer Teilgesellschaften der großen Weltgesellschaft und stehen zu diesen in einer Beziehung, die man als Partizipation und Konkurrenz bezeichnen könnte. Sie setzen sich überall mit Gegnern auseinander, finden aber auch Verbündete. Sie sind auf allen Lebensfeldern aktiv. Sie nehmen an den Teildiskursen der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen teil. Sie führen zahlreiche Teildiskurse mit verschiedenen Erkenntnisgebieten: mit dem mathematischen, dem philosophischen, dem ästhetischen, literarischen, naturwissenschaftlichen usw.

Wo werden diese Diskurse geführt und wie leben sie im Bewußtsein der anthroposophischen Gesamtgesellschaft? Wie gut sind die Teildiskurse der anthroposophischen Gesellschaft, die sie quer durch das Gesellschaftsganze führt, integriert? Mit sich selbst und mit dem gesamtgesellschaftlichen Diskurs integriert? Welches Bewußtsein hat sie eigentlich von sich selbst und wo ist dieses Bewußtsein konzentriert? Wie und von wem werden die Diskurse der Teilgesellschaften der anthroposophischen Gesellschaft, der sog. Tochterbewegungen, wahrgenommen? Erfüllt »Anthroposophie weltweit« diese Aufgabe?

Mangel an Geistesgegenwart

Einer der Hauptmängel der gegenwärtigen anthroposophischen Bewegung ist die fehlende Integration von Gesellschaft und Bewegung. Es ist die ungelöste Integration der Progressiven und der Konservativen, die auf der einen Seite in die Praxisfelder ausgewandert sind und andererseits ihre Zuflucht in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft gefunden haben. Die Anthroposophie ist in den Praxisfeldern zuwenig gegenwärtig und die Praxisfelder sind in der Gesellschaft zu wenig präsent. Die Gegenwart des Geistes ist seine Gegenwart in den anderen Menschen. Wie nehmen wir die Gegenwart des Geistes in den anderen Menschen wirklich wahr? Und zwar nicht nur in Mitgliedern der anthroposophischen Gesellschaft? Das Scharnier für die Kommunkation zwischen Praxisfeldern und Gesellschaft wäre die Hochschule mit ihren Sektionen. Findet eine Kommunikation zwischen der Hochschule und den Praxisfeldern statt? Wie wird diese Kommunikation, sofern sie stattfindet, der anthroposophischen Öffentlichkeit vermittelt? Wo werden die Erkenntnis- und Lebensfragen der Progressiven, die die Wahrnehmungsfelder umgestalten, reflektiert und mit neuen Einsichten befruchtet? Wo wirken die Progressiven auf das Verständnis der Anthroposophie zurück?

Ebensowenig wie die Praxisfelder und die Hochschule der Theorie sind die nationalen Gesellschaften und Bewegungen miteinander vernetzt. Die lokalen Entwicklungen haben sich viel zu wenig gegenseitig im Bewußtsein. Nur die Wahrnehmung der Entwicklungen in den einzelnen Ländern ermöglicht einen Gesamtüberblick über die Lage, in der das Projekt Anthroposophie sich gegenwärtig befindet. Auch hier geht es um die Gegenwart des Geistes im anderen Menschen. Die anthroposophische Gesellschaft muß sich als internationale Gesellschaft begreifen, weil ihr Anliegen ein menschheitliches ist. Sie muß die Aufgabe, die Steiner ihr gestellt hat, ergreifen: »Zwei Grundimpulse sind es zunächst, welche ein wirklich moralisches Leben begründen können: Erstens der Glaube an das Göttliche auf dem Grund einer jeden Menschenseele, zweitens die aus diesem Glauben hervorsprießende maßlose Liebe zum Menschen ... der dritte Impuls, das ist die Hoffnung für jede Menschenseele, daß sie den Weg wieder zurückfinden kann zu dem Göttlich-Geistigen.« (GA 155, Theosophische Moral, 29.5.1912, S. 103-104)

Mangel an Geschichtsbewußtsein

Ein anderer Hauptmangel des Zustands der gegenwärtigen anthroposophischen Gesellschaft ist der Mangel an Geschichtsbewußtsein. Das heißt, welches Bewußtsein hat die Gesamtgesellschaft von ihrer Geschichte? Sie hat lange nicht verstanden, sich als geschichtliche Erscheinung zu begreifen. Sie hat kaum ein Bewußtsein ihrer Geschichte, sie hat sich mit ihrer Geschichte kaum auseinandergesetzt, sie hat diese nicht verarbeitet. Sie hat kein Bewußtsein ihrer eigenen Geschichtlichkeit, davon, daß diese Wirkungsgeschichte ist. Wer sein gegenwärtiges Bewußtsein aber nicht als Wirkungsgeschichte begreift, kann seine Nähe oder Distanz zum Ursprung nicht überprüfen. Wirkungsgeschichte lehrt, daß die jeweils neuen Generationen sich ihre Traditionen stets von neuem aneignen müssen, daß sie sich in ihrem eigenen Ursprung neu verorten müssen, daß sie ihren Ursprung neu verstehen müssen. Wirkungsgeschichtliches Bewußtsein lehrt, daß der eigene Ursprung stets einer aktuellen Deutung bedarf. Neu deuten kann man aber nur, was man kennt.  Das bedeutet: zurück zu den Quellen, die auf neue Weise angeeignet werden müssen!

Ein Symptom für diesen Mangel an geschichtlichem Bewußtsein ist, daß sich die Gesellschaft zunehmend mit Interpretationen ihrer Geschichte auseinandersetzen muß, die nicht aus ihr selbst kommen, und die meist diese Geschichte verfälschen. Hier treten die Versäumnisse der eigenen Geschichtsverarbeitung zutage. Ein anderes Symptom ist, daß die Gesellschaft auf ihren Generalversammlungen seit Jahren um das Verständnis und die Interpretation ihrer Konstitution eine ungelöste Auseinandersetzung führt. Die Konstitutionsfrage schließt die Frage nach dem heutigen Verständnis der Anthroposophie ein. Sie ist die Frage nach einer aktualisierten Deutung der Anthroposophie. Kann diese Frage dadurch beantwortet werden, daß der Ursprungszustand wieder hergestellt wird? Oder muß sie nicht durch eine neue Deutung des Ursprungs beantwortet werden?

Die okkulte Gefangenschaft, von der der verstorbene Manfred Schmidt-Brabant sprach, ist möglicherweise die Angst der Gesellschaft vor ihrer Geschichte, vor ihrer Vergeschichtlichung. Das ist die Angst vor dem imaginativen Bewußtsein. Denn das geschichtliche Bewußtsein weitet das Gegenwartsbewußtsein auf die ganze Ausdehnung der verflossenen Lebenszeit aus. Der Schulungsweg zur Erlangung der Imagination besteht darin, sich mit der eigenen Geschichte, der eigenen Erinnerung so zu identifizieren, wie mit der eigenen Gegenwart. Wer sich dieser Identifikation, dieser Ausdehnung des Zeitbewußtseins auf die gesamte Dauer seiner Lebenszeit verweigert, hat Angst davor, ein imaginatives Bewußtsein auszubilden, er bleibt vor der Schwelle stehen. Insofern lebt die anthroposophische Gesellschaft in Angst vor dem Geist. Es ist dieselbe Angst vor der auch die Gegenwart lebt. Nur lauert in ihrer Vergangenheit die unverzeihbare Schuld. In unserer lauert eine andere Schuld: die Schuld des Versagens. Das ist die okkulte Gefangenschaft, in der sich die anthroposophische Gesellschaft befindet. Sie hat es versäumt, zur wirklichen Initiationsgesellschaft zu werden. Will die anthroposophische Gesellschaft den Gang über die Schwelle antreten, dann muß sie zur Imagination ihrer Geschichte gelangen, um sich durch den Zeitpunkt der Geburt in ihre präexistentielle Daseinsform zu begeben. Nur so kann sie die Ursprungsintentionen erinnern, zu deren Verwirklichung sie angetreten ist. In Teilen der Konstitutionsdebatte wird das Bemühen sichtbar, die Ursprungsintentionen unter Umgehung der Imagination der eigenen Geschichte wiederherzustellen. Dies kann auch als Versuch interpretiert werden, die Begegnung mit dem eigenen Doppelgänger zu vermeiden. Klärend wirkt hier die Frage: was ist Anthroposophie?

Eine Befreiung aus dieser Gefangenschaft scheint die Identifikation mit der eigenen Geschichte zu bieten. Was hat sich in der Geschichte der anthroposophischen Gesellschaft wirklich abgespielt? Was bedeutete es für das Werk Steiners, daß er das Generalsekretariat der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft übernommen hat? Wie sehr ist der Diskurs über seine Weltsicht vom Diskurs, der in dieser Gesellschaft herrschte, bestimmt worden? Was bedeuteten die Anfeindungen, die Steiner durch die Adyar-TG unter der Führung Annie Besants und in der Deutschen Sektion durch Vertreter anderer Strömungen innerhalb der TG erfuhr, für die Akzentuierung der Schwerpunkte seines Werkes? Welchen Stellenwert haben die Auseinandersetzungen mit Hugo Vollrath, mit Seiling, mit Bamler, Dessoir und anderen, und in welchem Umfang haben sie die Richtung der Entwicklung der dargestellten Anthroposophie beeinflußt? Möglicherweise gar nicht oder mehr als wir glauben? Wie sehr ist Steiners Denken vom Kampf der Moderne gegen die traditionellen Mächte von Thron und Altar geprägt oder stellt eine Darstellung seines Denkens mit Hilfe der Topoi dieser Zeit dar? In welchem Umfang hat der gesamtgesellschaftliche Diskurs seit 1919 in die Geschichte der Anthroposophishen Gesellschaft hineingewirkt? Wie sehr davor? In welchem Umfang leben die Erkenntnisfragen, mit denen Steiner gerungen hat, etwa die der Versöhnung der großen spirituellen Wissenstraditionen der Menschheit mit der abendländischen Moderne, in dieser Gesellschaft fort? Wie hat sich die Umgestaltung der wilhelminischen Gesellschaft und der Weltordnung in der Folge des I. Weltkriegs auf das Werk Steiners ausgewirkt? Wie ist in diesem Licht die Dreigliederungsidee zu sehen? Wie hat sich Steiners Darstellungsart der Anthroposophie nach der Neubegründung  der Gesellschaft verändert? Wie wurde Steiners Tod von dieser Gesellschaft geistig bewältigt? Welche Bedeutung hat etwa die Tradition, Steiner sei als Geistlehrer bei den Beratungen des Vorstands gegenwärtig?

Quer durch die Tochterbewegungen und die anthroposophische Gesellschaft ging nach Steiners Tod ein Bruch. Der Vorstand zerstritt sich, die Mitgliedschaft zerstritt sich, quer durch alle Teilbewegungen hindurch. Was bedeuten die Konflikte, die nach Steiners Tod ausgebrochen sind, wirklich? Was hatte es mit dem Streit um die Hochschule, mit dem Nachlaßstreit wirklich auf sich? Warum kam es zu den Ausschlüssen ganzer Landesgesellschaften, wie konnte die anthroposophische Gesellschaft so sehr von ihren Idealen abweichen? Den Idealen, die Steiner wie oben zitiert, formuliert hatte? In welchem Ausmaß wurden die Entwicklungen der 80er und 90er Jahre in der anthroposophischen Gesellschaft geistig verarbeitet? In welchem geistigen Prozess befindet sich die anthroposophische Gesellschaft gegenwärtig? Wie bewußt reagiert sie auf die Symptome des Kampfes um den Zeitgeist, die überall sichtbar sind? Erkennt sie diesen und vermag sie ihn in der Sprache der Gegenwart zu beschreiben?

Offene Fragen

Die Gedankensaat, die Steiner über Jahrzehnte in seine Zuhörerschaft ausgestreut hatte, von der Christosophie über die Kosmosophie, die Erneuerung der Künste, Wissenschaften und des religiösen Lebens, über die Spiritualisierung der Erziehung, der Arbeit an der Erde, ging nach seinem Tode in den Tochterbewegungen auf. Steiner krönte sein Erkenntniswerk mit der Begründung einer Gesellschaft, die der Verbreitung der Initiationserkenntnis in der abendländischen Gesellschaft dienen sollte. Er stiftete in seinen Zuhörern ein Gefühl der Zugehörigkeit zur gesamten Menschheitsgeschichte und bot den verschiedenen Schicksalsnetzen seines Publikums verschiedene Identifikationsmöglichkeiten mit dieser Geschichte an, die alle auf Universalisierung zielten. Diese Identifikationsangebote wurden nach Steiners Tod zu Parteigrundsätzen, die die großen Fraktionen der Rechten und Linken, der Konservativen und der Progressiven in der anthroposophischen Gesellschaft leiteten, die auch von zwei verschiedenen Generationen getragen wurden. Die einen wollten nach dem Tod Steiners alles von ihm Stammende bewahren und sich ganz in die Bewältigung des Erbes stürzen. Die anderen wollten das Werk Steiners praktisch fortführen, um die in sie gebetteten Zukunftskeime fruchtbar zu machen. Dieser Konflikt erwies sich als nicht lösbar und führte zu den Ausschlüssen von 1935. Die Vertreter der praktischen Reformbewegungen wurden aus der Gesellschaft ausgeschlossen, und traten in die Welt ein. Sie verloren ihre Mutter und wurden zu Söhnen und Töchtern der Witwe. Die Mutter hat ihre Kinder verloren, die Bewegung ist aus der Gesellschaft ausgewandert und die Gesellschaft ist bewegungslos zurückgeblieben. Die Tochterbewegungen hingegen haben das Bewußtsein ihres Ursprungs verloren und sind zu Waisen geworden. In dieser Konstellation wiederholte sich ein Konflikt, der bereits zu Steiners Lebzeiten vorhanden war, der die Gesellschaft fast gesprengt hätte und zu deren Neubegründung bei der Weihnachtstagung unter Steiners persönlicher Leitung führte.

Während sich die Anthroposophische Gesellschaft und die gesamte Bewegung in der Zeit ab 1933 der größten Existenzkrise ihrer Geschichte gegenübersah, focht sie in ihrem Inneren einen tödlichen Kampf aus, der mit dem Ausschluß ganzer Landesgesellschaften endete. Innerhalb der siegreichen konservativen Fraktion entfaltete sich nach 1935 die innere Widersprüchlichkeit von Auserwähltheitsbewußtsein und persönlicher Ohnmacht zwischen Albert Steffen und Marie Steiner. Der Kampf um die Interpretation des Steinerwerkes, um aktuelle Fortführung und um historische Konservierung der empfangenen Offenbarung eskalierte und führte zu neuen Spaltungen und einem Kampf um Steiners Testament.

Wie hat die anthroposophische Gesellschaft die Zeit des Verbots verarbeitet und wie hat sie diese Zeit nach 1945 kompensiert? Welche Interpretationen des Gründungsgedankens herrschten nach 1945 in der Gesellschaft vor? Wie sind die Gesellschaftskonflikte nach 1945, z.B. der Bücherkonflikt und die großen Auseinandersetzungen um Witzenmann, die zu neuen Spaltungen führten, zu deuten? Warum kam es auch nach 1945 wiederholt zu Ausschlüssen von Mitgliedern und Selbstausschlüssen, zu unlösbaren Konflikten sogar im Vorstand? Wie hat sich die anthroposophische Gesellschaft mit den gesellschaftlichen Strömungen im 20. Jahrhundert auseinandergesetzt? Wie hat sie sich am gesamtgesellschaftlichen Diskurs beteiligt und in welchem Umfang wurde sie wahrgenommen? In welchem Verhältnis steht sie zu den anderen Esoteriken des 20. Jahrhunderts und in welchem Umfang sind diese in sie eingedrungen?

Die anthroposophische Gesellschaft erstarrte nach 1945 in derselben Blockkonfrontation, die die Entwicklung der gesamten Menschheit lähmte. In welchem geistigen Stil wurden diese Kämpfe ausgefochten, mit welchen Argumenten wurden sie ausgetragen? Die Auslöschung der Mitte, die das Ergebnis der Blockkonfrontation war, verdunkelte den geistigen Horizont eines Jahrhunderts, das den Blick auf den ätherischen Christus hätte lenken sollen. Der geistige Umbruch Ende der 80er Jahre hat die politisch-historischen Weltrichtungen wieder zutage treten lassen, auch die Differenzierung der Völker, Kulturen und Religionen. Das letzte Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts war durch das Aufleuchten progressiver geistiger Bewegungen gekennzeichnet, die sich zur Bewahrung der Schöpfung und der Würde des Menschen bekannten. Es waren jene Generationen, die durch den geistigen Anblick der schwarz-magischen Selbstzerfleischung der Menschheit im 20. Jahrhundert und das Erlebnis der erlösenden Kraft des ätherischen Christus belehrt wurden. Wir sind in ein postmaterialistisches Zeitalter eingetreten, in dem die von Menschen geschaffenen Symbolsysteme weltweit miteinander kommunizieren. Die Menschheit ist weltweit im Umbruch, in den westlichen Gesellschaften ereignet sich der zweite Absturz der Moderne: das ahrimanische Gegenbild des neuen Menschen, der durch die Christusbegegnung geistig verjüngt werden sollte, beginnt Gestalt anzunehmen. Im Osten erhebt sich überall eine militante Vatergott-Religion gegen eine andere. In diesem Chaos, in dieser Entscheidungszeit liegt die Chance eines Neuanfangs. Wie ergreift die anthroposophische Gesellschaft diese Chance?

Ausblick

Wer die Hoheit über die Deutung der Geschichte besitzt, kann in den geistigen Abstammungsdiskursen, die in unserer Gesellschaft geführt werden, über die Bedeutung entscheiden, die einzelnen Teilgesellschaften innerhalb der Gesamtgesellschaft zukommt. Solche Abstammungsdiskurse werden in allen Gesellschaften geführt, sie sind Auseinandersetzungen über die Frage, wer vom richtigen Vater oder der richtigen Mutter abstammt. Auch diese Auseinandersetzung ist wieder eine Auseinandersetzung über die Herrschaft von Symbolen. Wie sehr ist die Anthroposophie mit ihrer Botschaft von der Gottessohnschaft des Menschen in diesem Diskurs präsent?

Mit dieser Frage der unbewältigten Vergangenheit hängt auch die Frage der Zukunft der Gesellschaft zusammen. Mit ihr ist die Hoffnung verbunden, von der Steiner 1912 sprach. Die Geschichte der Zukunft der Anthroposophie ist auch eine Geschichte der Hoffnungen der Anthroposophen. Wie hat sich die Nichterfüllung der Naherwartung über das Ende des 20. Jahrhunderts auf das Bewußtsein der Gesamtgesellschaft ausgewirkt? Ist die Gesellschaft in geistige Resignation versunken, weil diese Erwartungen sich nicht erfüllten? Oder herrschten nur einfach falsche, zu sehr mythologisierte Interpretationen dieser Zukunftserwartung? Warum gibt es in der Gesellschaft keine Auseinandersetzung über diese Frage?

Wenn man das Ausmaß bedenkt, in dem zumindest im deutschen Sprachraum inzwischen die gelebte Anthroposophie in die Gesamtgesellschaft eingedrungen ist, warum ist die anthroposophische Gesellschaft in solche fundamentalen Selbstzweifel versunken? Weil sie sich von ihren Illusionen befreit sieht? Es ist an der Zeit, daß diese Gesellschaft, den Blick nach außen richtet und erkennt, daß die Anthroposophie am Steuer der Geschichte sitzt. Wenn unser Zeitalter ein michaelisches Zeitalter ist, wirkt sich denn Michael nur in der Anthroposophischen Gesellschaft aus? Vertraut man sowenig der Kraft dieses Erzengels? Befindet sich die Anthroposophische Gesellschaft wirklich auf der Seite der Verbündeten Michaels im Kampf um die Menschheit? Ist sie reif genug, die Anthroposophie als die verdrängte Innerlichkeit der gegenwärtigen Menschheit, als deren spiritualisierten Kerngehalt, zu begreifen?


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