suche | impressum | spenden

Diese Webseite durchsuchen


Lesenswert


Jenseits der Seraphim – Zur Christologie Rudolf Steiners (26)

Einige der weiter oben angekündigten »Enthüllungen« tieferer Schichten der christologischen Wesenskunde finden sich in einer Vortragsreihe für Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft, die im Anschluss an die Aufführung der Pforte der Einweihung im August 1910 in München stattfand. Diese Reihe, die man als eine große Hommage an die jüdische Spiritualität und die Elohim bezeichnen könnte, wurde 1911 als Zyklus 14 von Marie Steiner herausgegeben und erschien 1932, ein Jahr vor der Machtergreifung, erstmals in Buchform. Über die Nachschriften ist nichts Näheres bekannt, Steiner scheint sie nicht durchgesehen zu haben.

William Blake, Elohim erschafft Adam. 1795 (Public Domain worldwide).

Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte (GA 122) bieten eine tiefschürfende Deutung der Genesis aus dem Geist der hebräischen Sprache, eine Deutung jenes Buches, das, wie Steiner sagt, aus den »lebendigen Anschauungen des Sehertums« entstanden ist, das seine Erfahrungen in den ersten Kapiteln der Tora verschriftlicht hat. Was der Seher schaut, lässt sich »nur in Bildern ausdrücken«, die aber – wenn die sprachliche Verdolmetschung gelingt – eine Vorstellung von dem Geschauten hervorrufen können. Die hebräische Sprache dieses Textes rief einst in den Menschen, die meditativ mit ihm umgingen, Bilder (Imaginationen) hervor, die sich mit dem vergleichen lassen, was der Seher auch noch heute sieht, wenn er vom Sinnlichen ins Übersinnliche voranschreitet. Die Schilderungen der Weltschöpfung im Buch Bereschit beziehen sich jedoch laut Steiner nicht auf die Uranfänge des Kosmos, jene drei planetarischen Metamorphosen, die als okkulter Saturn, okkulte Sonne und okkulter Mond der Erde vorangingen, sondern auf den Beginn der vierten Metamorphose, die jetzige Erde – genauer gesagt, auf jene Zeiträume, als die Sonne sich von der Erde trennte. Eine gewaltige Weltkugel steht vor dem Auge des Sehers, die sich in sonnenhafte und erdartige Elemente spaltet und aus diesem »Stoffgehäuse« blicken ihm die Antlitze geistiger Wesen entgegen, die in diesem Gehäuse weben. Diese Wesen, die Elohim oder »Götter«, »schufen Himmel und Erde«. Aber ihr Schaffen war in Wahrheit ein Sinnen, ein kosmisches Denken, also ein Bewusstseinsvorgang, der sich im »Inneren« dieser Elohim abspielte. Ihr Sinnen brachte zwei »Vorstellungskomplexe« hervor: ein gedankenartiges und ein willensartiges Element (haschamajim, ha’arez – »das nach außen hin Erscheinende«, »das nach innen Regsame«, Himmel und Erde). Wer aber waren diese Elohim? Um eine Gruppe von Wesen handelt es sich, die durch Saturn, Sonne und Mond hindurch unterschiedliche Fähigkeiten entwickelt hatten und zu Beginn der Erdentwicklung »den Entschluss fassten«, ihre Tätigkeit auf ein gemeinsames Ziel auszurichten: auf die Erschaffung des Menschen.

Öffnet externen Link in neuem FensterLesen Sie weiter

Nach oben

nach Oben